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Cuxhaven statt Mallorca: Das große Reise-Comeback hat begonnen — mit Zielen, die zuvor kaum jemand auf dem Schirm hatte

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 23.06.2020 Hannah Schwär
Der Nordsee-Badeort Cuxhaven empfängt wieder Gäste. © Bereitgestellt von Business Insider Deutschland Der Nordsee-Badeort Cuxhaven empfängt wieder Gäste. Sina Schuldt/picture alliance via Getty Images

Der sechs Kilometer lange Stand Playa del Muro im Norden von Mallorca ist auf den Webcam-Bildern menschenleer. Wo Urlauber aus aller Welt um diese Jahreszeit normalerweise dicht an dicht ihre Handtücher ausbreiten, schimmert jetzt eine unberührte Sandfläche in der Sonne. Selbst am Strand von El Arenal, dem Zuhause der Ballermann-Partys, tummeln sich nur vereinzelt ein paar Spaziergänger. Die beliebtesten Fernreiseziele der Deutschen, darunter Spanien, Italien und die Türkei, haben zum Saisonstart enorm an Anziehungskraft eingebüßt.

Branchenexperten gehen davon aus, dass der Sommerurlaub dieses Jahr für viele Menschen anders aussehen wird— und das geht weit über das Tragen einer Maske am Frühstücks-Buffet oder den Mindestabstand beim Baden hinaus. „Die Leute wollen immer noch verreisen. Das Reisen wird ein Comeback erleben, aber auf ganz andere Art und Weise“, sagt Naren Shaam, Geschäftsführer des Berliner Reise-Startups Omio. Mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar und mehr als 27 Millionen Nutzer ist Omio eine der führenden Buchungsplattformen für Bahn-, Bus- und Flugtickets weltweit. Die Corona-Krise hat auch hier Spuren hinterlassen. Nach einem Geschäftseinbruch von 95 Prozent in den letzten beiden Märzwochen erholt sich der deutsche Markt seit knapp drei Wochen wieder, berichtet Shaam.

Langfristiger Dämpfer für Flugreisen

Inzwischen seien die Buchungen bei 50 Prozent des Vorkrisenniveaus. Allerdings würden die Urlauber anders buchen als zuvor. „Es gibt eine klare Verschiebung bei den Verkehrsmitteln. Wer früher einen Kurzstrecken-Flug mit einer Reisezeit von bis zu vier Stunden gebucht hat, wird heute einen Zug nehmen, weil es sich sicherer anfühlt — auch wenn das bis zu acht Stunden dauert“, sagt Shaam. Der Luftverkehr und insbesondere Langstreckenflüge würden auf absehbare Zeit kaum nachgefragt. Omio investiere deshalb jetzt vor allem in die Angebotspalette für den Bodenverkehr.

Naren Shaam (Omio), Tao Tao (Getyourguide) und Julian Stiefel (Tourlane) sind die Köpfe hinter Deutschlands größten Reise-Startups. © Bereitgestellt von Business Insider Deutschland Naren Shaam (Omio), Tao Tao (Getyourguide) und Julian Stiefel (Tourlane) sind die Köpfe hinter Deutschlands größten Reise-Startups.

Die schwindende Lust am Fliegen spiegelt sich auch in den beliebtesten Reisezielen der Deutschen wider. „Natürlich strömen die Menschen jetzt nicht in den Vatikan oder ins Berliner Pergamon-Museum“, sagt Tao Tao, Gründer des Berliner Startups Getyourguide, der einer der größten Ticketanbieter für geführte Touren, Sehenswürdigkeiten und Museen ist.

Knapp 55 Prozent seiner Kunden in Deutschland würden dieses Jahr einen Urlaub im Inland planen. „Die beliebtesten Ziele sind derzeit Cuxhaven, Lübeck und Konstanz — also alles, was am Wasser liegt“, sagt Tao. Generell würden die Leute größere Menschenmassen meiden und mehr in der Natur unternehmen, etwa Radtouren oder eine Bootsrundfahrt.

Reiseziele aus der zweiten Reihe boomen

Ein ähnliches Bild zeichnet auch eine Auswertung des Buchungsverhaltens beim Zimmervermittler Airbnb, die die Analysefirma AirDNA exklusiv für Business Insider erstellt hat. Seit dem Allzeittief in der Woche vom 6. April haben in Deutschland vor allem jene Reiseziele zugelegt, die fernab der großen Metropolen sind. Die Region um die Insel Usedom hat beispielsweise einen Buchungszuwachs von rund 1.000 Prozent, in der Region um die Zugspitze sind es knapp 900 Prozent und im Wanderparadies um die Sächsische Schweiz rund 820 Prozent. Zudem zeigt sich, dass der Anteil an Touristen aus dem Inland im Vergleich zum Vorjahr wächst.

Airbnb-Chef Brian Chesky hatte den Trend zum Urlaub in der Region kürzlich mit dem Slogan „Pittsburgh ist das neue Paris“ umschrieben. Getyourguide-Gründer Tao sieht darin allerdings keine dauerhafte Entwicklung. „Langfristig wird Cuxhaven nicht Berlin ersetzen und Pittsburgh wird auch nicht das neue Paris. Beim Reisen geht es ja um Kultur, Neugier und Lernen —  und in Pittsburgh steht eben kein Eiffelturm, da gibt es kein Versailles oder tausend Jahre Geschichte zum Thema französische Könige.“

Tao rechnet damit, dass der internationale Tourismus schon nächstes Jahr wieder an Fahrt aufnehmen könnte. „Durchschnittlich haben die Deutschen im Jahr 2019 ungefähr 2,9 Urlaube gemacht. Für 2021 planen sie jetzt schon 3,3 Urlaube. Deswegen glauben wir, dass sich die Reisebranche schneller erholt, als viele geglaubt haben“, sagt er mit Blick auf eine aktuelle Umfrage von Getyourguide.

Ende des Massentourismus?

Darauf hofft auch Julian Stiefel, Chef des Online-Reisebüros Tourlane. Sein Startup hat sich besonders auf Individualreisen zu exotischen Orten spezialisiert. Durch die Corona-Pandemie sei sein Geschäft im März „zum Stillstand“ gekommen, berichtet er. Auch vom Boom des innerdeutschen Tourismus profitiert Tourlane nicht, weil es keine entsprechenden Angebote im Portfolio hat. Um sich dennoch über Wasser zu halten, haben Stiefel und sein knapp 300-köpfiges Team wie viele andere Reiseunternehmen Kurzarbeit angemeldet, die Stornierungsbedingungen gelockert und parallel einige europäische Ziele ausgebaut, etwa Touren nach Island, da es dort keine Reisebeschränkungen gibt.

Stiefel glaubt, dass die Krise als Katalysator für längst überfällige Entwicklung wirken könnte. „Durch Corona wird der Individualtourismus den Massentourismus noch schneller ablösen“, sagt er. Die Bereitschaft, sich auf engem Raum in einen Billigflieger zu setzen oder mit tausenden Leuten dieselben Wahrzeichen zu besichtigen, sei deutlich gesunken. Viele seiner Kunden würden schon wieder von einem Abenteuer-Urlaub oder einer Safari träumen — wenn da nicht die Sorge vor einer zweiten Corona-Welle wäre. „Es gibt aktuell eine große Unsicherheit im Markt und die wird erst dann weggehen, wenn die Reisebeschränkungen in den einzelnen Ländern aufgehoben werden und es einen Impfstoff gibt“, so Stiefels Prognose.

© Bereitgestellt von Business Insider Deutschland
Coronavirus - Tourism in Lower Saxony © Sina Schuldt/picture alliance via Getty Images Coronavirus - Tourism in Lower Saxony

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