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Städtischer Neubau geht vor: Migranten müssen stündlich mit Räumung rechnen

Seit dem 14. September bereiten sich 250 Syrer, die sich in einem Vorort von Lyon niedergelassen haben, jederzeit auf einen Umzug vor. Auf Antrag der Gemeinde Vaulx-en-Velin, in der sie seit einem Jahr leben, hat die Justiz die Räumung ihres Camps angeordnet. Sie werden einen Tag vorher informiert und haben dann nur Stunden Zeit, um ihre wenigen Habseligkeiten zu packen. Ihre Wanderschaft hat für einige von ihnen im Jahr 2011 begonnen, ganz zu Beginn des Krieges in Syrien. Die meisten der Kinder, die dort sind, kennen ihre Heimat nur im Kriegszustand. Um dem Chaos zu entkommen, verließen sie Syrien. Ihre Reisewege führten durch den Libanon, Algerien, Marokko und Spanien. Dann verspürten sie den Drang, in Frankreich seßhaft zu werden, trotz der Möglichkeiten, sich anderswo niederzulassen. Hat der Neubau Priorität? Direkt neben dem Camp errichtet die Gemeinde die zukünftige Mediathek von Vaulx-en-Velin. Soria, Nacera und ihre Freunde leben in Vaulx-en-Velin. Sie unterstützen die Flüchtlingen mit ihrem eigenen Verein "Vereinigung solidarischer Nachbarn". Und sie sind erbost über die Kommunalpolitiker. Soria Boumendjel engagiert sich in der "Vereinigung solidarischer Nachbarn". Sie wirft den Behörden vor, sich nicht für die Belange der Camp-Bewohner einzusetzen. Im Vordergrund stehe für sie der Neubau: "Sie wollen das Lager für die Einweihung der Mediathek dem Erdboden gleichmachen, um das Prestige von Vaulx-en-Velin zu erhöhen. Aber man muss das Chaos sehen, das dahinter herrscht. In Vaulx-en-Velin gibt es 1.500 leerstehende Häuser, 250 Menschen leben im Camp, 70 Familien können untergebracht werden. " "Mein Sohn leidet unter Komplexen" Adel Hamad arbeitete als Konditor in der syrischen Stadt Homs. Seine Kinder gingen zur Schule, als sie in Lyon ankamen, weil er eine Meldeadresse hatte. Dies ist nicht mehr der Fall, seit er im Camp ist. Jetzt leiden seine Kinder mehr und mehr unter den fragwürdigen Bedingungen im Camp: "Ich möchte meine Kinder sehr gerne zur Schule zu schicken, aber wir brauchen eine Unterkunft. Mein Sohn spricht Französisch, aber seine Freunde verspotten ihn, weil wir im Camp wohnen. Sie sagen, es sei schmutzig, und dass es das Coronavirus gibt. Er leidet unter Komplexen und will nicht zur Schule gehen will, bis wir eine Wohnung haben, damit er duschen und sich ordentlich anziehen kann." Letzte Hoffnung: "Soziale Untersuchung" Mohamed Hamad sagt, dass er Zahntechniker in der Stadt Hama war. Er sei 2011 aus Syrien geflohen und hätte nichts gegen eine Rückkehr: "Wenn es einen Weg gibt, wenn die Türkei ihre Grenze zu Syrien öffnet, gehe ich zurück nach Syrien. Lieber sterbe ich dort als hier." Die französischen Behörden haben bislang keine Absichten, die Migranten umzusiedeln. Erst zum Zeitpunkt der Ausweisung werden sie eine "soziale Untersuchung" durchführen. Die sozial Schwächsten haben dann vielleicht die Chance, ein Dach über dem Kopf zu bekommen, aber es werden nur wenige sein.
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