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Bayerns Mailand-Wunder: Als Aumann das San Siro zur Verzweiflung brachte!

90min-Logo 90min 12.04.2020 Guido Müller
AC Milan v Genoa CFC - Serie A © Marco Luzzani/GettyImages AC Milan v Genoa CFC - Serie A

Der ​FC Bayern München hat in seiner langen und erfolgreichen Geschichte viele legendäre Fußballspiele erlebt. Wir stellen euch in dieser fussballlosen Zeit die Highlights vor. Heute: das UEFA-Cup-Achtelfinal-Rückspiel bei ​Inter Mailand im Dezember 1988.

Im Spätherbst des Jahres 1988 überstrahlt die Partie Bayern München gegen Inter Mailand alle anderen des damals noch "3.Runde" genannten Achtelfinals des UEFA-Cups. Der italienische Champion, mit den beiden Ex-Bayern Lothar Matthäus und Andy Brehme in seinen Reihen, führt zu diesem Zeitpunkt souverän die heimische Serie A an. Dies tun sie mit einer pragmatischen Mischung aus altbekannter knochenharter Defensivarbeit und offensiver Power. Auf dieses Konzept bauen die von Meistertrainer Giovanni Trapattoni betreuten Mailänder auch am 23. November 1988 in einem klirrend kalten Olympiastadion. 

Inter in München gnadenlos effizient

Doch gegen an diesem Abend etwas lethargisch (oder ängstlich?) wirkende Münchener muss sich Inter noch nicht einmal besonders strecken, um durch Aldo Serena (60.) und Nicola Berti (71.) einen relativ ungefährdeten 2:0-Sieg mit in die Lombardei zu nehmen. 

Der Frust in der Bayern-Kabine nach dem Spiel ist förmlich greifbar. "Wir haben doch alles versucht", versucht sich Klaus Augenthaler an einer Erklärung für die neunzig Minuten zuvor. "Aber es lief nichts zusammen." Auch Olaf Thon bekundet kleinlaut: "Ich bin mir noch nie so hilflos vorgekommen. Wir sind blind angerannt. Ohne Erfolg. Die Mailänder standen immer zwei gegen eins." (Quelle: kicker)

Und gewannen am Ende zwei zu null. Maximale Effizienz nennt man das dann wohl. Zwei Chancen - zwei Treffer. Typische italienische Schule - und eigentlich eine Todeserklärung für den deutschen Rekordmeister. Denn im Mailänder Giuseppe Meazza-Stadion (oder San Siro, wie es im Volksmund genannt wird) drei Tore zu erzielen, erscheint nach diesem Hinspiel-Auftritt der Bayern mehr als utopisch. 

Nur einer will sich schon unmittelbar nach dem Hinspiel nicht mit einem Ausscheiden seiner Mannschaft anfreunden: Trainer Jupp Heynckes. Noch in den Katakomben des Olympiastadions diktiert der Coach den Reportern in die Notizblöcke: "Wir werden uns rehabilitieren, die Löffel nicht hängen lassen. So eine große Mannschaft ist Inter nun auch wieder nicht. Wenn uns ein frühes Tor gelingt, kommt für die das große Zickern." (Quelle: Bild

Noch lächeln die meisten der versammelten Journalisten ob dieser als Durchhalte-Parolen interpretierten Aussagen des Bayern-Trainers. Sie alle ahnen noch nicht, was im Rückspiel passieren soll...

Die Nacht des Raimond Aumann

Zwei Wochen später platzt das San Siro aus allen Nähten. Schon Stunden vor Beginn des Spiels lodern Rauchschwaden aus hunderten von Bengalos durch die steilen Tribünen der mit 80.000 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllten Arena. Eine Atmosphäre wie in einem Tollhaus. 

Doch die ersten Minuten hat der FC Bayern gut im Griff. Inter spielt extrem zurückhaltend, scheint sich eine reine Kontertaktik zurechtgelegt zu haben. Doch mit dem von Heynckes gewünschten frühen Tor für die Bayern wird es trotzdem nichts. Und das obwohl der Trainer auf volle Offensive gesetzt hat - mit Jürgen Wegmann, mit Johnny Ekström und mit Roland Wohlfarth in vorderster Front. 

In der 33. Minute jedoch bricht Wohlfarth endlich den Bann - und der FC Bayern erzielt nach über 120 Minuten sein erstes Tor in dieser Drittrunden-Begegnung. Und es kommt noch besser: keine vier Minuten später erhöht Klaus Augenthaler mit einem wuchtigen Kopfball aus vierzehn Metern (nach Flanke von Hansi Pflügler) zum 2:0. 

Und dieses Tor macht etwas mit den Italienern. Ganz so wie es Heynckes zwei Wochen zuvor prognostiziert hat. Auf einmal schwimmt der Tabellenführer der Serie A, der in bislang acht Meisterspielen (die Saison wurde im September wegen der Olympischen Spiele von Seoul unterbrochen) erst drei Gegentore hinnehmen musste. Und die Bayern merken instinktiv: hier und jetzt können, müssen wir nachlegen. Zumal Andy Brehme zu diesem Zeitpunkt schon verletzt ausgewechselt worden ist. 

Und in der 41. Minute stellen die Münchener tatsächlich auf 3:0. Einen Pass in die Tiefe von Ekström nimmt Wegmann im Inter-Strafraum auf und bezwingt Zenga mit einem Schuss in die lange Ecke. 3:0 noch vor dem Halbzeitpfiff - wer darauf ein paar Hundert Mark gesetzt hätte, wäre an diesem Abend wohl zu einem reichen Mann geworden. Doch auch Inter lässt seine Fans rechtzeitig vor dem Pausentee noch einmal Hoffnung schöpfen: Mittelstürmer Serena verwertet eine Hereingabe von Berti zum 1:3. Dennoch: mit diesem Resultat wäre der FC Bayern weiter.

Raimond Aumann © Boris Streubel/GettyImages Raimond Aumann

Bayern-Legende Raimond Aumann rettete den FC Bayern in Mailand

Die zweite Halbzeit steht dann ganz im Zeichen von Raimond Aumann. Die neue Nummer 1 der Bayern, zuvor jahrelang im Schatten des Belgiers Jean-Marie Pfaff, zeigt, warum die Bayern-Verantwortlichen immer an ihn glaubten. Eine Mailänder Großchance nach der anderen macht der gebürtige Augsburger wett, pariert gegen Morello (50.), gegen Matthäus (56.), gegen Serena (70.) - und kann sich nach fünf Minuten (!) Nachspielzeit endlich als Held von San Siro von seinen Mannschaftskollegen feiern lassen. 

Dem FC Bayern ist tatsächlich eine der größten Überraschungen der jüngeren Europapokal-Geschichte gelungen und zieht am Ende hochverdient in das Viertelfinale des UEFA-Cups 1988/89 ein. Auch die italienischen Gazetten zeigen sich hinterher als sportliche Verlierer - und sparen nicht mit Kritik an den deutschen Legionären: "Alle Deutschen waren hervorragend drauf, bis auf Matthäus. Und ausgerechnet der spielte bei Inter", ätzt die Corriere dello Sport. Tuttosport schreibt: "Ein siebenminütiges Erdbeben zerstörte ein Monument des italienischen Fußballs. Erst verlor Inter Brehme, dann den Kopf. Das Wunder blieb aus, weil Aumann einfach phantastisch gehalten hat." Und die in Turin ansässige La Stampa konstatiert beinahe schon germanisch nüchtern: "Bayern hat in Mailand nichts gestohlen. Das Ergebnis geht in Ordnung."

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