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Der 1. FC Union auf der Überholspur: Die Vormachstellung von Hertha BSC ist in Gefahr

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 21.11.2021 Stefan Hermanns

Seit Menschengedanken ist Hertha BSC die Nummer eins in Berlin. Aber die Verhältnisse geraten ins Wanken – weil Union vieles richtig macht. Ein Kommentar.

Wenn Ritter Keule triumphiert. © Foto: imago images/Matthias Koch Wenn Ritter Keule triumphiert.

Wer am Derbytag mit der S3 von Spandau am Olympiastadion vorbei nach Köpenick fährt, der bekommt einen recht plastischen Eindruck von der immer noch vorhandenen fußballerischen Spaltung der Stadt. Wenn der 1. FC Union an der Alten Försterei spielt, steigen in der Regel erst an der Friedrichstraße die ersten Fans in Rot und Weiß ein, ab Alexanderplatz werden es dann richtig viele.

Berlin ist groß, und in Berlin finden sowohl Herthaner als auch Unioner ihren Platz. Jeder Klub hat seine Klientel, Überschneidungen der Zielgruppe sind immer noch selten.

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Insofern könnte man die Frage, wer denn nun die Nummer eins in der Stadt ist, für eine nette, aber eben auch belanglose Spielerei halten. Aber genau das ist sie natürlich nicht. Es kann nur einen geben, der nach einem Derby singt: „Stadtmeister, Stadtmeister, Berlins Nummer eins.“ Am Samstagabend, nach dem 2:0-Heimsieg ihrer Mannschaft, waren das die Fans des 1. FC Union.

Nur eine Momentaufnahme, sagen die Anhänger von Hertha BSC, die natürlich auf das Rückspiel im Olympiastadion verweisen – und sich ihrer historisch begründeten Vormachtstellung sowieso immer noch ziemlich sicher sind. Seit Einführung der Bundesliga hat es immer mal wieder Lokalrivalen gegeben, die für einen kurzen Augenblick die Nase vorn hatten. Am Ende aber hat Hertha noch jeden Angriff von Tasmania, Tennis Borussia oder Blau-Weiß 90 erfolgreich abwehren und die gottgegebene Ordnung wiederherstellen können.

Der 1. FC Union scheint ein anderes Kaliber zu sein.

Union war besser, reifer und hatte einen Plan

Das Spiel am Samstagabend jedenfalls hat die aktuellen fußballerischen Machtverhältnisse nahezu detailgetreu wiedergegeben. Union war die bessere Mannschaft. Die reifere Mannschaft. Die Mannschaft mit dem klareren Plan.

Die Tabelle weist den Emporkömmling aus dem Osten auch in dieser Saison wieder als potenziellen Anwärter auf den Europapokal aus, während sich Hertha im günstigsten Fall im gesicherten Mittelfeld bewegen wird, im ungünstigsten sogar mit Tuchfühlung zur Abstiegszone. Und dies ist mehr als eine Momentaufnahme.

Seit Unions Aufstieg im Sommer 2019 haben die Köpenicker in der Liga 22 Punkte mehr geholt als Hertha. Und seit nunmehr 44 Spieltagen liegen sie in der Tabelle vor dem einstigen Platzhirsch. Die vermeintlich zementierten Verhältnisse scheinen tatsächlich ins Wanken zu geraten.

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Der 1. FC Union hat in vielem ein ganz eigener Verein. Das mag man. Oder man mag es nicht. Doch unbestritten ist, dass Union in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht, was Hertha falsch gemacht hat. Union hält Kontinuität nicht für eine gefährliche Krankheit. Union legt bei der Suche nach neuen Spielern Wert darauf, dass sie ins Profil passen und nicht zwingend einen prominenten Namen haben.

Strukturell ist Hertha immer noch besser aufgestellt als Union, aber die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Vormachtstellung in der Stadt eben nicht gottgegeben ist. Erfolg macht sexy. Und da hat Union inzwischen eindeutig mehr zu bieten.

Das heißt nicht, dass eingefleischte Herthaner jetzt in Scharen mit rot-weißen Fahnen zu Union überlaufen. Aber es geht um die bisher Unentschiedenen. Selbst wenn die Stadt groß genug ist für zwei Vereine und Konkurrenz das Geschäft belebt: Hertha sollte die derzeitige Entwicklung nicht auf die leichte Schulter nehmen.

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