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Europa ade? Das bedeutet die Gehaltsobergrenze für Schalke

sport1.de-Logo sport1.de 04.07.2020 Eric Böhm, Patrick Berger

Schalke 04 denkt offenbar an eine Gehaltsobergrenze. Damit böten sich Chancen, aber auch ein großes Risiko. SPORT1 analysiert, ob S04 konkurrenzfähig sein könnte.

Kann sich Schalke mit Gehaltsobergrenze wie Suat Serdar und Ozan Kabak (v.l.) noch leisten? © Imago Kann sich Schalke mit Gehaltsobergrenze wie Suat Serdar und Ozan Kabak (v.l.) noch leisten?

Was müssen die Fans des stolzen FC Schalke 04 eigentlich noch alles erdulden?

Der nach Mitgliedern zweitbeliebteste Verein Deutschlands hat 2020 nicht nur eine beispiellose sportliche Talfahrt hingelegt, finanziell auch durch die Coronakrise fast Schiffbruch erlitten und sich dabei auch noch in jedes denkbare Fettnäpfchen gesetzt - von der Saga um Clemens Tönnies ganz zu schweigen.

Mit der kolportierten Obergrenze eines Jahresgehalt von 2,5 Millionen Euro fürchten viele Anhänger um die Konkurrenzfähigkeit. Versinkt Schalke damit im Mittelmaß und kann sich auf Sicht vom Europapokal verabschieden?

Der CHECK24 Doppelpass mit Schalke-Vorstand Jochen Schneider und Weltmeister Thomas Berthold am Sonntag ab 11 Uhr LIVE auf SPORT1 und im LIVESTREAM

Gehaltsobergrenze wäre keine Kapitulation für Schalke

NÄCHSTES
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Ganz so dramatisch muss es nicht zwangsläufig werden. Schalke rangiert aktuell bei den Personalausgaben im oberen Drittel - nur der FC Bayern und Borussia Dortmund liegen dabei deutlich über der Konkurrenz. 

Allerdings ist zu erwarten, dass sich die Kosten in der kommenden Zeit reduzieren werden, wie Jochen Schneider im CHECK24 Doppelpass verriet. "Die gestandenen Topspieler werden wir uns in den nächsten Jahren nicht leisten können. So offen müssen wir sein", sagte der Sport-Vorstand bei SPORT1.

NÄCHSTES
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Schalke wird daher seine Talente früher ins kalte Wasser werfen (müssen). "Wir müssen auf die jungen Spieler setzten, die aus der Knappenschmiede hervorgehen, aber auch auf jüngere Spieler, die wir dann zum Verein dazuholen", sagte Schneider. "Wie einen Suat Serdar, der vor zwei Jahren kam, oder letzte Saison ein Ozan Kabak, Weston McKennie, der durch die Jugend ging - das sind die Spieler, auf die wir in der Zukunft setzen wollen und setzen müssen."

Dass es tatsächlich eine Obergrenze bei den Gehältern geben wird, bestätigte unlängst Marketing-Vorstand Alexander Jobst. "Wir werden uns intern ab sofort eine Richtlinie auferlegen für ein maximales Gehaltsgefüge in Bezug auf die Neuverpflichtung von Spielern." Wenn der Plan nun so umgesetzt würde, bekämen Profis bei Schalke ein maximales Monatsgehalt von etwas mehr als 200.000 Euro.

Auch damit läge S04 nach SPORT1-Informationen, wenn das quasi der Standardvertrag im Durchschnitt wäre, noch im oberen Drittel der Bundesliga. Bayern (ca. 700.000), der BVB und RB Leipzig liegen deutlich höher (ca. 450.000), aber Bayer Leverkusen, Hertha BSC, Wolfsburg, Mönchengladbach oder Eintracht Frankfurt lägen nur etwas davor - Hoffenheim zum Beispiel knapp darunter.

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Gladbach als Vorbild?

Gladbach könnte dabei sogar ein Vorbild für gesundes Wirtschaften sein.

"Die Diskussion wird ja seit drei Monaten sehr intensiv geführt. Sind manche Gehälter noch zeitgemäß? Wir haben immer mit dem gewirtschaftet, was wir zur Verfügung hatten. Wir haben die Gelder immer mit Augenmaß verteilt und sind da sehr konservativ dabei. Wir haben uns, mit der sportlichen Führung um Max Eberl, immer gewisse Grenzen gesetzt", sagt beispielsweise Geschäftsführer Stephan Schippers.

Ein Weg, der 2020 in die Champions League führte.

Schalke müsste mehr entwickeln

S04 wollte die Zahl auf SPORT1-Nachfrage weder bestätigen noch dementieren. Es soll sich aber um das Grundgehalt handeln, man könnte also mit Prämien auf deutlich mehr kommen.

Auch finanziell mehr Wert auf Leistung zu legen, könnte also auch eine Chance sein, die Frage ist eher, Spieler welchen Levels lassen sich darauf ein? Wohl kaum ein etablierter Bundesliga-Star.

Schalke müsste mehr denn je auf die erfolgreiche Knappenschmiede setzen, Spieler mit Potenzial entdecken, dann entsprechend entwickeln und sie für gutes Geld weiterverkaufen, um sich zu konsolidieren. Das Risiko dauerhaftes Mittelmaß sollte den Verantwortlichen dabei allerdings bewusst sein.

Was passiert mit teuren Altlasten wie Rudy?

So entschied sich Ersatz-Kapitän Daniel Caligiuri, dem seit Monaten ein deutlich reduziertes Angebot vorlag, für einen Wechsel zum FC Augsburg. Er dürfte nicht der letzte Abgang sein.

Zwar verlängerten Leistungsträger wie Amine Harit für deutlich mehr (wohl ca. vier Millionen pro Jahr), was wird aber aus Suat Serdar oder Ozan Kabak oder Benjamin Stambouli? Dazu kommen die teuren Überbleibsel der Heidel-Ära: Ralf Fährmann, Mark Uth, Nabil Bentaleb und Super-Flop Sebastian Rudy, die allesamt bei rund fünf Millionen liegen sollen.

Bei Weston McKennie deutet sich indes der Abgang an, der US-Amerikaner gilt als Wechselkandidat. Wie SPORT1 erfuhr, ist Hertha BSC heiß auf den Mittelfeldspieler.

Hierarchie bei Einheitsgehalt?

In Beraterkreisen ist die finanziell prekäre Lage der Knappen bekannt. Es könnte sogar auf einen längeren Gehaltsverzicht des Kaders hinauslaufen.

Dazu kommt: eine Hierarchie definiert sich im modernen Fußball nicht zuletzt in der Kabine über den Verdienst. Wenn aber nun alle Spieler ungefähr das gleiche verdienen, wie sollen sich dann Führungsspieler und klare Rollenaufgaben entwickeln?

Schalke wäre mit diesem Modell ein Pionier im europäischen Fußball, aber es ist ein schmaler Grat auf dem balanciert werden muss und nichts anderes als die Strahlkraft eines riesigen Traditionsvereins auf dem Spiel steht.

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