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Kommentar zum Wechsel-Drama: Messi sägt schon lange an seinem Helden-Mythos

EXPRESS-Logo EXPRESS 02.09.2020 Jann Philip Gronenberg
DuMont Mediengruppe GmbH & Co. KG © DuMont Mediengruppe GmbH & Co. KG DuMont Mediengruppe GmbH & Co. KG

Lange Zeit schien es ausgeschlossen, doch mittlerweile wird ein Abgang Lionel Messis (33) vom FC Barcelona immer wahrscheinlicher. Messi erscheint nicht zum Training, Barca droht mit Strafzahlungen. Die Katalanen und der argentinische Zauberfuß leben ihre Trennung in einer öffentlichen Schlammschlacht aus. Nicht nur die Beliebtheitswerte Barcelonas sinken dadurch rapide. Doch wer Lionel Messi gut findet, musste schon immer zwischen dem Fußballer und der Privatperson unterscheiden. Ein Kommentar.

Zwischen Neven Subotic und Lionel Messi

Wenn Fußballfans an Neven Subotic (31) denken, fällt vielen die kuriose Geschichte ein, wie der hochgewachsene Innenverteidiger mit der U-Bahn zum Training fährt. In Kroatien denken viele zuerst an den Wohltäter und dann an den fußballerisch überragenden Mario Mandzukic (34). Manche Fußballer erhalten ihren Legendenstatus eher durch ihren Charakter und ihre Taten als durch ihre Leistungen auf dem Platz. Umgekehrt verhält es sich im Fall von Lionel Messi. 

Die Geschichte des argentinischen Jungen, der mit Wachstumsproblemen seine ärmliche Heimat verlässt, um in Barcelona der vielleicht beste Fußballer aller Zeiten zu werden, könnte einem Fußballroman entnommen sein. Unvergessen seine über 600 Tore für Barca, unwiderstehlich seine Tempodribblings über das gesamte Feld. Die Fehde, wer denn nun der beste Fußballer der Welt sei, Cristiano Ronaldo (35) oder „La Pulga“ (der Floh), hat die beiden Ausnahmefußballer selbst bei den jüngsten Fußballfans zur heiß diskutierten wie geliebten Personalie gemacht. 

Lionel Messi im Duell mit Obodai von Ajax Amsterdam. © picture alliance / dpa Lionel Messi im Duell mit Obodai von Ajax Amsterdam.

Doch derzeit sinken die Beliebtheitswerte des 1,69 Meter großen Argentiniers. Messi, seit 2000 beim FC Barcelona, will den Umbruch unter Trainer Ronald Koemann nicht mitgehen, bestreikte die bisherigen Trainingseinheiten. In einer Umfrage der katalanischen Sportzeitung „Mundo Deportivo“ bekräftigten 78 Prozent der mehr als 40.000 Teilnehmer, dass sie Messis Verhalten nicht gutheißen.

Lionel Messi, der Steuerhinterzieher

Dass Messi und sein Berater-Clan, angeführt von seinem Vater Jorge (62), die Grenzen des Machbaren austesten, ist keine Neuheit. Lionel und sein Vater sind verurteilte Steuerhinterzieher, die über Firmen in Offshore-Ländern zwischen 2007 und 2009 4,1 Millionen Euro am spanischen Fiskus vorbeischleusten. 

Ein einmaliges Versehen, bei welchem unabsichtlich ein komplexes Firmenkonstrukt zur Steuerhinterziehung genutzt wurde, war dies keineswegs. Umso größer war einige Jahre später die Sorge bei den Messis, als eine Betriebsprüfung Ungereimtheiten bei Zahlungen des FC Barcelonas an die Stiftung des Argentiniers aufwarf.

„El Asunto“ beim FC Barcelona

Wie durch „Football Leaks“ bekannt wurde, liefen unter dem Codenamen „el asunto“ (zu Deutsch: „Der Vorgang“) die Drähte zwischen der Führungsspitze des FC Barcelona, Steuerexperten aus dem Team rund um Lionel Messi, und dessen Vater Jorge heiß. Zu groß war die Sorge um den auf Bewährung verurteilten Superstar. Schließlich einigte man sich auf eine Zahlung in Höhe von zwölf Millionen Euro an den spanischen Fiskus. Kein Problem für Messi: Der Argentinier konnte dies sogar als Druckmittel bei den Vertragsverhandlungen mit seinem Verein nutzen, ließ sich seine Nachzahlung an den Staat vom FC Barcelona als Bonuszahlung in sein Arbeitspapier schreiben. Der staatlich subventionierte FC Barcelona zahlte Messis Steuerlast. 

Auf dem Feld sah man von diesen Querelen freilich nichts. Messi dribbelte, schoss, traf. Sechsmal wurde der argentinische Nationalspieler Weltfußballer, sechsmal gewann er den Ballon D´Or. Wer nichts von den Vergehen rund um Lionel Messi mitbekommen wollte, bekam nichts davon mit. Stattdessen Tore satt und süße Familienfotos auf Instagram. 

Eben diese Kategorie Fans wird über das Verhalten Messis gegenüber seinem Klub nun empört sein. Wer die jahrelangen Querelen im Hintergrund kennt, dürfte die Streiks kaum verwundert zur Kenntnis nehmen. Denn eines steht fest: Mit der U-Bahn wird Messi wohl nie zum Training fahren.

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