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Neue Fakten zu Ilkay Gündogan in Erdogan-Affäre

WELT-Logo WELT 01.06.2018

Vor knapp drei Wochen posierten die Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Nach dem leichten Abebben der Aufregung, birgt ein neuer Fakt jetzt Zündstoff.

Unheilvolle Nähe: Fußballprofi Ilkay Gündogan und der türkischen Präsident Erdogan © ddp, Montage: Welt HD Unheilvolle Nähe: Fußballprofi Ilkay Gündogan und der türkischen Präsident Erdogan

Es geht um den Mittelfuß der Nation, um eine Antwort auf die Frage, ob Deutschland das Unternehmen Titelverteidigung mit seinem Kapitän und verlässlichen Rückhalt Manuel Neuer bestreiten kann. Wenn Bundestrainer Joachim Löw morgen seine Mannschaft gegen Österreich (18 Uhr, ZDF und WELT-Live-Ticker) auf den Platz schickt, geht es aber nicht nur um einen Stresstest für den deutschen Welttorhüter vor der endgültigen Kadernominierung für die WM-Endrunde in Russland, es geht auch darum, ob sich die öffentliche Wahrnehmung gegenüber der Nationalmannschaft gewandelt hat.

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Es könnte in Klagenfurt einen ersten Hinweis darauf geben, wie und ob sich das Ansehen der Mannschaft und vor allem das seiner wichtigen Mittelfeldspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan gelitten hat, nach deren öffentlichem Treffen in London mit dem im Wahlkampf befindlichen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Dieser hat in der jüngeren Vergangenheit etliche Oppositionelle, Journalisten und Aktivisten, zum Teil ohne Angabe von Gründen, inhaftieren lassen.

Der wie Özil in Gelsenkirchen gebürtige Gündogan hatte Erdogan zu allem negativen Überfluss sogar noch ein Trikot seines aktuellen Klubs Manchester City überreicht. Darauf hatte der 27-Jährige neben seinem Autogramm auch noch einen handschriftlichen Gruß auf das Hemd notiert: "Mit großem Respekt für meinen Präsidenten."

Gündogan hat keine doppelte Staatsbürgerschaft

Die Entrüstung darüber war zuletzt abgeflaut, weil auch von den Medien – darunter auch WELT – berichtet worden war, dass Gündogan im Gegensatz zu Özil sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsangehörigkeit besitzen würde. Und somit sein Gruß an "seinen Präsidenten" im gewissen Sinne nachvollziehbar gewesen sei.

Dieses entlastende Argument ist jedoch kurz vor dem Test gegen Österreich vom Tisch. Gegenüber "faz.net" bestätigte jetzt der DFB, dass Gündogan tatsächlich nur die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen würde – und keinesfalls hinzukommend die türkische. Das lässt die Widmung "für meinen Präsidenten" in einem neuen, negativeren Licht erscheinen.

Gündogan hatte sich sechs Tage nach dem Eklat-Foto mit einem Besuch beim deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier gemeinsam mit Özil im Berliner Schloss Bellevue um eine Begrenzung des verursachten Schadens bemüht – ohne allerdings die öffentlichen, falschen Angaben zu seiner vermeintlichen türkischen Staatsangehörigkeit zu dementieren oder aufzuklären. Er selbst hatte dies jedoch nie behauptet.

Auf Facebook hatte Gündogan nach dem Bellevue-Besuch lediglich gepostet: "Der Bundespräsident wollte auch meine Sichtweise verstehen. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich zu Deutschland und der deutschen Nationalmannschaft bekenne, aber durch meine Familie auch eine türkische Seite in mir habe. Ganz ehrlich, ich respektiere die Liebe meiner Eltern zu ihrer Heimat und zu ihrem Dorf, in dem auch meine Großeltern noch leben und das für meine Familie ein zweites Zuhause nach Gelsenkirchen ist", schrieb der Profi.

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Und weiter: "Ich verstehe die Kritik an meinem Handeln. Aber es hat mich persönlich sehr getroffen, mir vorwerfen zu lassen, dass ich unsere Werte nicht respektiere. Ich bin deutscher Staatsbürger, der die Nationalhymne singt. Aber was für mich viel wichtiger ist: Meine Kinder werden in diesem Land leben, das meiner Familie faire Chancen gegeben hat. Bitte habt Verständnis dafür, dass ich mich dazu fürs Erste nicht mehr äußern möchte. Ab jetzt soll es endlich wieder um das gehen, was wir am besten können: Fußball! Und nicht mehr um Politik. Jetzt zählt nur eins: WIR wollen gewinnen."

Angela Merkel besucht Özil, Gündogan & Co.

Ob sich gegenüber Özil und Gündogan das Wirgefühl noch einmal entfacht, könnte sich gegen Österreich in Klagenfurt schon ein Stück weit zeigen. Am Tag danach steht ein weiterer sensibler Besuch im deutschen Trainingscamp in Eppan/Italien zu dieser Causa an. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die früher gerne die Nähe zu vermeintlichen Vorzeigeintegrationsfiguren wie Mesut Özil suchte, ist einen Tag vor dem Österreich-Test auf Stippvisite bei der Nationalmannschaft.

Zu den genauen Inhalten des Treffens vermochte der DFB-Teammanager Oliver Bierhoff noch keine detaillierten Angaben zu geben. Demnach möchte Merkel "der Mannschaft 'Hallo' sagen", so der 50-Jährige. "Sie möchte das ohne große Inszenierung." Derlei Besuche hätten "mittlerweile Tradition" und würden "von den Spielern gut aufgenommen".

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