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Roman Bürki und die Gerüchte um seine BVB-Zukunft: Für ein Ja fehlt es an der Konstanz

Goal.com-Logo Goal.com 03.06.2020 Jochen Tittmar
© Getty

Roman Bürki kam, als Jürgen Klopp ging. 2015 war das, als der Torhüter nach 34 überzeugenden Bundesligapartien beim SC Freiburg für 3,5 Millionen Euro zu Borussia Dortmund wechselte. Seitdem ist der Schweizer Stammkeeper beim BVB - und wie die Westfalen in der Zeit nach der Klopp-Ära ein sportliches Auf und Ab auf gewiss hohem Niveau erlebten, so erging es auch Bürki.

Der bald 30-Jährige spielt derzeit seine fünfte Saison in Schwarzgelb und ist zweifelsfrei ein guter Torhüter. Die immer wieder aufkeimende Frage, ob er auch wirklich ein sehr guter ist, konnte Bürki bislang nicht abschließend beantworten. Für ein Ja fehlte es ihm an der nötigen Konstanz.

Die brachte Bürki in Dortmund nur auf andere Weise zustande: starke wechseln sich mit schwachen Phasen ab, mitunter während eines Spiels. Jüngstes Beispiel wäre die Partie gegen RB Leipzig in der laufenden Saison, als Bürki im ersten Abschnitt toll hielt, unmittelbar nach der Pause jedoch mit einem unerklärlichen Patzer das 1:2-Anschlusstor der zuvor chancenlosen Sachsen ermöglichte und sie wieder in die Partie zurückholte.

Bürki kritisierte BVB-Fans deutlich

Solche Episoden sind es, die dazu beitrugen, dass das Verhältnis zwischen Bürki und dem Dortmunder Anhang in all der Zeit bestenfalls als ambivalent beschrieben werden kann. Das liegt aber nicht ausschließlich an den zwölf Fehlern, die zu Gegentoren führten, die der Datenanbieter opta in Pflichtspielen seit der Saison 2016/17 für Bürki notiert hat.

Bürki, der für seine offenen Worte nach Spielen bekannt ist und nicht selten mit Kritik an der Mannschaft spart, lehnte sich vor über zwei Jahren weit aus dem Fenster. Ende Januar 2018 wetterte er nach einem glücklichen 2:2 im Heimspiel gegen den SC Freiburg deutlich Richtung Dortmunder Publikum.

Ein Beitrag geteilt von Roman Bürki (@rbuerki) am Mai 23, 2020 um 1:34 PDT

"Die Ost- und Westtribüne, da kommen die Leute ins Stadion, um ihre eigene Mannschaft auszupfeifen. Die sollen lieber zu Hause bleiben", sagte Bürki. Von diesen Tribünen höre man keine Unterstützung, denn: "Das sind Leute, die keine Ahnung von Fußball haben. Die haben wohl nichts Besseres zu tun, als Samstag die eigene Mannschaft auszupfeifen."

Letzte Bürki-Verlängerung in "durchaus schwieriger Phase"

BVB-Sportdirektor Michael Zorc kanzelte Bürki für diese Kritik anschließend deutlich ab ("Ich finde die Aussage unpassend und inhaltlich falsch"), so dass dieser wenig später zurückrudern musste. Bürkis bis heute letzte Vertragsverlängerung lag damals lediglich drei Monate zurück - und der Zeitpunkt kam damals reichlich überraschend.

Nach einer Woche, in der ihm gegen Leipzig und APOEL gleich zwei individuelle Fehler unterliefen, hatte die Borussia die vorzeitige Ausdehnung des Kontrakts bis 2021 mitgeteilt. "Ich bin sehr glücklich über das Vertrauen, das mir Borussia Dortmund in einer für mich durchaus schwierigen Phase entgegenbringt", wurde Bürki zitiert.

In der Gegenwart ist nun zu vernehmen, dass die von Zorc im vergangenen Februar bestätigten Verhandlungen über eine weitere Verlängerung kein Selbstläufer seien. Bürki, der sich zwischenzeitlich wieder fing und im Januar 2019 in einer Spieler-Umfrage des kicker als bester Torhüter der Hinrunde ausgezeichnet wurde, hatte sich noch im Winter-Trainingslager in Marbella unzweideutig geäußert.

Bürki: Verbleib beim BVB oder Wechsel zu Chelsea?

Er könne sich "im Moment nichts anderes vorstellen", als beim BVB zu bleiben. Gerade die Rückendeckung des Vereins bei der Verlängerung im Oktober 2017 machte Eindruck auf den Schweizer: "Ich habe dem Klub viel zu verdanken, er stand auch in schwierigen Zeiten zu mir." Auch Zorc lobte am Jahresende 2019: "Roman ist ein außergewöhnlicher Rückhalt und sehr stabil."

Die Corona-Krise torpedierte eine vorzeitige Einigung und Bürki gab bekannt, dass man "erst nach der schwierigen Zeit darauf zurückkommen" möchte. "Zwischen Dortmund und mir war es ohnehin nie eine Frage des Geldes", sagte der Schlussmann.

Bürki BVB Hoffenheim 2019 © Bereitgestellt von Goal.com Bürki BVB Hoffenheim 2019

Dazu passte eine von der englischen Boulevardzeitung The Sun verbreitete Meldung, der FC Chelsea biete Dortmund eine Ablöse von 16,7 Millionen Euro für Bürki, damit dieser den bislang enttäuschenden Spanier Kepa ablöst. Ob Bürki sich jetzt tatsächlich Gedanken macht, eine neue Herausforderung anzunehmen oder doch den angeblich unterschriftsreifen Vierjahresvertrag beim BVB zu signieren, bleibt für den Moment eine spannende Frage - schlägt das Pendel am Ende in Richtung Verbleib in Dortmund aus, sollte das allerdings nicht überraschen.

Die Dauer-Frage: Kann der BVB mit Bürki Meister werden?

Hütet Bürki auch in den nächsten Jahren das BVB-Tor, wird er ziemlich sicher weiter daran gemessen werden, ob die Borussen auch mit ihm im Kasten den Meistertitel holen können. Diese sich wiederholende Thematik ist eng mit der eingangs erwähnten Fragestellung verknüpft und kam jüngst nach dem gewiss vermeidbaren und letztlich wohl meisterschaftsentscheidenden Siegtreffer von Joshua Kimmich im Spitzenspiel gegen die Bayern erneut auf.

Das mag manche nicht zu Unrecht verwundern, schließlich sollte bedacht werden, dass vor Bürki einer Abwehr verteidigt, die in den letzten Jahren selten titelreif war und in der laufenden Saison nach 21 Spieltagen bereits 32 Gegentore geschluckt hatte.

Blickt man lediglich auf die Statistik, spielt Bürki mit nur 61 Prozent gehaltener Bälle sein schwächstes BVB-Jahr. In den letzten Spielzeiten kam er meist auf eine Quote von 70 Prozent, aktuell weisen jedoch nur drei Bundesligakeeper schwächere Werte auf. Auch der Anteil an Spielen ohne Gegentor ist so niedrig wie sonst nur in der Saison 2017/18 (je 32 Prozent). Und: Bürki ließ knapp drei Gegentore mehr zu, als statistisch zu erwarten gewesen wären - das reicht ligaweit nur zu Platz zwölf.

Bürki verhindert über 50 Prozent aller Großchancen

Demgegenüber steht eine positive Entwicklung bei den individuellen Fehlern, wo 2017/18 noch sieben Patzer zu Gegentoren führten - im aktuellen Spieljahr ist dort lediglich das skizzierte Tor der Leipziger vermerkt. Vor allem aber, und da kommt die zumeist zu wacklige Dortmunder Defensive wieder ins Spiel, sieht sich Bürki regelmäßig Großchancen der Gegner gegenüber. In jedem seiner BVB-Jahre verhinderte der 29-Jährige in Eins-gegen-eins-Duellen über 50 Prozent aller Hochkaräter. Auch in der aktuellen Saison führten wettbewerbsübergreifend nur 28 von 64 Großchancen zu einem Gegentor.

So kam es sogar erstmals dazu, dass die von Bürki aus seiner damaligen Wutrede ausgeklammerten Fans auf der Südtribüne lautstark seinen Namen riefen. Der Schweizer zeigte im Heimspiel gegen Slavia Prag, das wegweisend für den Einzug ins Champions-League-Achtelfinale war, mehrere unglaubliche Paraden.

Bürki, der in der Vergangenheit offen zugab, Probleme im Umgang mit Kritik zu haben, lief das herunter wie Öl: "Als mich die Südtribüne mit Sprechchören besungen hat, musste ich mich schon zusammenreißen, dass die Emotionen nicht Überhand nehmen. So gefeiert zu werden, bedeutet mir sehr viel. Von solchen Abenden träumt jedes Kind."

Nicht auszuschließen, dass dieses Erlebnis einen ausschlaggebenden Anteil pro Dortmund ausmacht, wenn sich Bürki in diesen Tagen mit seiner Zukunft beschäftigt. Und schließlich sind alle langjährigen BVB-Stammtorhüter vor ihm - Stefan Klos, Jens Lehmann, Roman Weidenfeller - alle auch noch Meister mit der Borussia geworden.

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