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Sardische Hirten sperrten italienischen Erstligisten ein

WELT-Logo WELT 10.02.2019
Cagliaris Spieler © Gazzetta TV Cagliaris Spieler

Der Tross von Cagliari Calcio wollte sich auf den Weg zum Spiel beim AC Mailand machen. Doch die Profis kamen nicht weit. Bauern ließen sie nicht vom Trainingsgelände fahren. Sie hatten ein Anliegen.

An diesem Tag, an dem so viel Symbolik das Geschehen prägen sollte, mussten es natürlich elf Milchkannen sein. Randvoll gefüllt mit Milch natürlich, denn um die ging es ja schließlich. Und um die große Bühne an diesem sonnigen Tag auf Sardinen.

Die empörten Bauern der Insel hatten schon überall ihren Frust abgelassen, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie hatten Straßen mit Milch geflutet, vor TV-Kameras spülten Milchlaster ihre Fracht in Straßengräben und vor verschlossenen Türen von Behörden ließen sie ihre Erzeugnisse die Treppen runterlaufen. Ein weißer Strom als Ausdruck des Protests gegen Preise, die ihnen das Wirtschaften schwer machen. Aus ihrer Sicht nahezu unmöglich. Sie hatten nur nicht das Gefühl, dass es außer ihnen selbst irgendjemanden groß interessierte.

Deswegen musste ihr Aufruhr eine andere Form finden, mehr Nachhall haben. Ein größerer Resonanzboden musste also her. Sie klügelten den Plan aus, den Fußball für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, quasi die heilige Kuh Italiens für sich einzunehmen.

Mehrere Dutzend von ihnen machten sich auf in die Gemeinde Assemini. Auf ihren Anhängern: die Milchkannen. In Assemini hat Cagliari Calcio sein Trainingsgelände, Sardiniens Vorzeigeklub aus Italiens erster Liga.

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Protest gegen Dumpingpreise für Milch

Das Team hatte sich dort eingefunden, um sich zu sammeln und auf den Weg nach Mailand zu machen. Beim AC Milan mussten sie am Sonntagabend zum Punktspiel vorstellig werden. Doch das Vorhaben scheiterte. Zum Spiel konnten die Cagliari-Profis zwar antreten, den ursprünglich geplanten Flug jedoch verpassten sie.

Denn die sardischen Hirten sperrten den Tross des abreisefertigen Erstligisten auf dem Vereinsgelände ein. Alle Ausgänge und Ausfahrten waren blockiert, die große Bühne da. Ihr Protest über Dumpingpreise für ihre Milch ging endlich um die Welt. Die "Gazetta dello Sport" war nämlich vor Ort.

"Wir wollen einfach unsere Rechte verteidigen", sagte ein Demonstrant der italienischen Zeitung: "Wir produzieren Milch für einen Euro zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer und werden davon nicht abweichen. Wenn sie nicht zu einem vernünftigen Preis verkauft werden kann, ist das nicht unser Fehler." Es ist das alte Leid der Bauern. Die Milchproduktion ist teuer, der Milchpreis aber im Keller. In den Supermärkten wird sie quasi zum Dumpingpreis verkauft. Auch deutsche Landwirte können davon ein leidvolles Lied singen.

In Assemini nun zog sich die Protestaktion hin, der Reiseplan des Teams geriet vollends durcheinander. Polizeieinheiten rückten an, ließen die friedfertigen Bauern aber gewähren. Cagliaris Geschäftsführer Mario Passetti versuchte, eine Durchfahrt rauszuhandeln. Die aber wurde nur unter einer Bedingung gewährt: die Spieler sollten die elf Kannen umkicken. Ein Abordnung, darunter der in Sardinien geborene Spieler Nicolo Barella, zeigten sich solidarisch. Kameras waren an, die Kannen fielen. Die Bauern hatten die Bilder, die sie wollten – und Cagliari Calcios Tross freie Fahrt.

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