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Die zehn besten Rennen von Stirling Moss

Formel1.de-Logo Formel1.de 13.04.2020 Kevin Turner, Übersetzung: Heiko Stritzke, Gerald Dirnbeck
Platz 10: Dundrod TT 1950, Jaguar XK120, Sieger © Motorsport Images Platz 10: Dundrod TT 1950, Jaguar XK120, Sieger

Stirling Moss war nicht bloß der beste Fahrer, der nie eine Formel-1-Weltmeisterschaft gewinnen konnte. Er war einer der Größten aller Zeiten. Zwischen Fangios Karriereende 1958 und seinem Unfall in Goodwood 1962, der sein Karriereaus bedeutete, war der die Mesllatte für alle.

Um die Nummer 1 seiner großartigsten Rennen zu bestimmen, mussten wir eine Reihe von Kriterien berücksichtigen: Spektakuläre Fahrten mit unterlegenem Material, großartige Aufholjagden und die Demonstration seiner Fähigkeiten bei schlechten Witterungsbedingungen müssen gegeneinander abgewogen werden.

Moss konnte in allen Kategorien in mehrfacher Hinsicht überzeugen. Das eigentliche Problem war, die Liste seiner Heldentaten auf zehn zu beschränken. Doch hier kommt sie, unsere Top 10.

Platz 10: Dundrod TT 1950

Der Straßenkurs in Dundrod (Nordirland) ist furchteinflößend. Spätestens als im Jahr 1955 drei Fahrer tödlich verunglückten, wurde die Strecke als zu schnell für die damaligen Topautos eingeschätzt. Jaguar wollte deshalb Moss schon 1950 kein Auto zur Verfügung stellen. Aber Tommy Wisdom sah das anders. Er bot Moss seinen XK120 an. Es war eines von sechs Werksautos mit Aluminium-Karosserie anstelle von Stahl.

Im Training fuhr Moss die schnellste Runde, die bis dahin mit einem Serienfahrzeug in Dundrod gestoppt wurde. Am Renntag schüttete und hagelte es, aber Moss blieb souverän. Zunächst führte Leslie Johnson in einem XK120, aber Moss überholte in Runde zwei. Dann fuhr er ungefährdet zum Sieg; nach sechs Runden betrug der Vorsprung schon 53 Sekunden.

Es gab schließlich einen Doppelerfolg für Jaguar. Moss gewann vor Peter Whitehead. In seinem Buch 'Stirling Moss: My cars, my careers' schrieb er über diesen Tag: "Rennfahren im Regen hat mich nie wirklich gestört, wie es bei anderen Fahrern der Fall ist. Mit dem Jaguar hatte ich einen Vorteil, weil die Lenkung leichtgängig war und die Bremsen geschont wurden. Es war mein erstes richtiges Sportwagenrennen und eines meiner wichtigsten Rennen, weil ich gewonnen habe."

Platz 9: Grand Prix von Italien 1954

Der legendäre Mercedes-Rennleiter Alfred Neubauer hatte Ken Gregory, dem damaligen Manager von Moss, vorgeschlagen, dass man einen privaten Maserati 250F kaufen sollte. Damit wollte man sehen, was Moss 1954 in einem richtigen Grand-Prix-Wagen leisten kann. 5.000 Pfund später saß Moss in einem gut ausbalancierten italienischen Rennwagen. Allerdings hatte er weniger Motorleistung als der Mercedes W196, der von Juan Manuel Fangio gefahren wurde.

Mehrmals hat Moss mit herausragenden Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Der Grand Prix in Monza war das Highlight. Das überzeugte Neubauer, ihn für 1955 zu verpflichten. In jenem September wurde Moss von Maserati als Werksfahrer behandelt. Im Training war er der schnellste 250F. Im Qualifying wurde es Platz drei.

Nur 0,3 Sekunden trennten Pole-Setter Fangio, Alberto Ascari im Ferrari und Moss. Nach ersten Windschattenduellen setzte sich Ascari etwas ab. Dahinter folgten Fangio, Moss und Froilan Gonzalez (Ferrari). Moss und Gonzalez duellierten sich um Platz drei, bis der Ferrari einen Getriebeschaden hatte.

Aber von hinten kam Luigi Villoresi, der eines seiner letzten starken Rennen fuhr, Moss immer näher. Beide schlossen wieder auf die Spitzengruppe auf. Somit gab es bei Rennhalbzeit vier Sieganwärter. Dann hatte der Maserati von Villoresi einen Defekt. Moss überholte Fangio und duellierte sich mit Ascari um die Führung - bis der Ferrari-Motor platzte.

Moss setzte sich leicht von Fangio ab, der die Stromlinienkarosserie des Mercedes verwendete. Als schließlich Fangio einen seiner seltenen Fehler machte und kurz neben die Strecke kam, hatte Moss 15 Runden vor Rennende einen Vorsprung von 20 Sekunden. Doch dann musste der 24-Jährige an die Box, um Öl nachfüllen zu lassen.

Fangio war wieder vorne, aber der Mercedes-Motor klang seltsam. Moss kam wieder deutlich näher. Aber dann gab es einen Defekt beim Öltank. Moss rollte aus. Mit neun Runden Rückstand wurde er als Neunter gewertet. Doch er hatte an jenem Tag zum ersten Mal einen Grand Prix angeführt und große Chancen auf den Sieg.

Platz 8: Grand Prix von Pescara 1957

Es war die längste Strecke, auf der je ein Formel-1-Rennen stattgefunden hat. Mit 25,8 Kilometern war dieser Kurs auf öffentlichen Straßen knapp länger als die Nürburgring Nordschleife. Beim Grand Prix von Deutschland, der zwei Wochen zuvor stattgefunden hatte, machte die Radaufhängung des Vanwall Probleme.

In Pescara war Moss im Qualifying um 10,1 Sekunden langsamer als Fangio im Maserati 250F. Die Rundenzeit betrug aber mehr als zehn Minuten. Im Rennen war es eine andere Geschichte. Zunächst schnappte sich Luigi Musso im Ferrari die Führung und lag nach der ersten Runde vorne. In Runde zwei übernahm Moss die Führung, denn seit Deutschland hatte Vanwall an der Radaufhängung gearbeitet.

Musso versuchte zu kontern und das Führungsduo setzte sich von Fangio ab. Dann wurde Musso aber langsamer und schied bei Halbzeit wegen eines Öllecks aus. Fangio musste einen Boxenstopp einlegen, nachdem er eine Mauer berührt hatte. Bis zur Zielflagge sah niemand mehr den Vanwall von Moss, der nur noch einen Stopp zum Nachfüllen von Öl einlegen musste.

Nach drei Stunden gewann Moss mit mehr als drei Minuten Vorsprung vor Fangio. Im Rennen egalisierte Moss die Qualifying-Zeit von Fangio. Im folgenden Monat konnten Moss und Vanwall die Maseratis und Ferraris auf heimischem Boden beim Grand Prix von Italien in Monza ein weiteres Mal besiegen.

Platz 7: Grand Prix von Großbritannien 1957

Als Patriot musste Moss lange warten, bis es ein britisches Topteam gab. 1957 war es dann mit Vanwall soweit. Es dauerte, bis die Kombination siegfähig war. Gleichzeitig fuhr Fangio von Triumph zu Triumph. Dann passte alles auf heimischem Boden in Aintree zusammen. Moss sicherte sich 0,2 Sekunden vor Jean Behra im Maserati die Pole-Position.

Der Vanwall schaffte es auch, den immer gut startenden Maserati 250F auszustechen. Moss lag nach der ersten Runde in Führung und setzte sich dann kontinuierlich ab. Nach 20 von 90 Runden betrug sein Vorsprung neun Sekunden. Dann traten Motorprobleme auf und Moss musste an die Box. Er fuhr wieder hinaus, musste aber wieder an die Box zurückkehren.

Es war aber noch nicht alles verloren. Teamkollege Tony Brooks lag an der sechsten Stelle. Er war noch nicht in Form, da er sich einen Monat zuvor in Le Mans Verletzungen zugezogen hatte. Er hatte sich zwar als Dritter qualifiziert, war dann aber wegen den Nachwirkungen der Verletzungen zurückgefallen.

Deshalb wurde Brooks an die Box beordert, um das Auto Moss zu überlassen. Moss fuhr an neunter Stelle weiter und startete dann eine Aufholjagd, die ihn auch in den folgenden Jahren auszeichnete. In seiner schnellsten Runde unterbot er seine eigene Pole-Zeit um eine Sekunde. Nach zwei Dritteln der Renndistanz waren nur noch Vanwall-Teamkollege Stuart Lewis-Evans, Mike Hawthorns Ferrari und Behra vor Moss. Trotzdem betrug sein Rückstand immer noch mehr als 40 Sekunden.

Acht Runden später hatte er den Rückstand auf 28 Sekunden reduziert. Dann ging es turbulent zu. Bei Behras Maserati versagte die Kupplung und er schied aus. Hawthorn fuhr über Trümmerteile und zog sich einen Reifenschaden zu. Lewis-Evans führte kurzzeitig, aber Moss überholte ihn und lag 20 Runden vor Rennende vorne.

Die Anfälligkeit des Vanwall zeigte sich, als Lewis-Evans mit defektem Gaszug ausschied. Moss fuhr weiter. Er stoppte kurz, um nachzutanken - sowohl das Fahrzeug, als auch sich selbst. Im Ziel hatte er 25,6 Sekunden Vorsprung auf Musso. Moss und Brooks teilten sich den Sieg. Zum ersten Mal hatte ein britisches Auto ein Formel-1-Rennen gewonnen.

Platz 6: Grand Prix von Argentinien 1958

Dieses Rennen wurde nicht durch schieren Speed, sondern durch Stärke und List gewonnen. Nur so konnte Moss den Formel-1-Saisonauftakt 1958 erfolgreich meistern. Das Vanwall-Team war noch nicht bereit gewesen. Deshalb fuhr Moss einen Cooper T43 von Rob Walker. Es war nur eine Zwei-Liter-Maschine im Gegensatz zu den Maseratis und Ferraris, die 2,5 Liter Hubraum hatten. Moss qualifizierte sich als Siebter - zwei Sekunden hinter Pole-Mann Juan Manuel Fangio.

Die Situation war aber noch schlimmer. Seine Frau Katie hatte Moss unabsichtlich am Auge erwischt. Moss musste Schmerzmittel nehmen und sogar mit Augenklappe fahren. Sein Cooper war leicht und agil. Das waren gute Vorzüge für eine relativ enge Strecke. Moss und Walker entschieden sich dazu, ohne Boxenstopp durchzufahren.

Zu Rennbeginn mischte Moss in der Spitzengruppe mit, obwohl er kurzzeitig ein Problem mit dem Getriebe hatte. Als die größeren Autos an die Box kamen, um frische Reifen zu holen, bereitete sich das Vanwall-Team auch auf einen Stopp vor, um die italienischen Teams zu täuschen. Damals war das nicht verboten.

Als schließlich allen klar wurde, was passierte, ging der Konkurrenz die Zeit aus. Moss bekam schließlich Reifenprobleme. Er fuhr sogar über Ölflecken, um die Lauffläche zu schonen. Die Reifen wurden bis zur Karkasse abgefahren, aber Moss verteidigte seine Führung und gewann 2,7 Sekunden vor Mussos Ferrari.

Fangio wurde als amtierender Weltmeister im Maserati klar geschlagen und kam als Vierter ins Ziel. Moss führte nach dem ersten Rennen nicht nur die Weltmeisterschaft an. Er hatte auch für den ersten Formel-1-Sieg eines Autos mit Mittelmotor gesorgt. Der Beginn einer technischen Revolution.

Platz 5: Grand Prix von Marokko 1958

Moss zeigte beim WM-Finale 1958, dass er dem Druck gewachsen ist, aber einmal mehr klappte es für ihn nicht. Er kam mit drei Siegen aus neun Rennen im Gepäck nach Marokko. Trotzdem hatte er in der Tabelle Rückstand auf Mike Hawthorn (Ferrari), der nur einmal gewonnen hatte. Moss musste gewinnen und die schnellste Runde (ein Bonuspunkt) fahren, um Weltmeister zu sein. Hawthorn durfte maximal Dritter werden.

Hawthorn schnappte sich die Pole, hatte dann aber einen verhaltenen Start. Dadurch übernahm Moss die Führung. Phil Hill im Ferrari jagte den Vanwall, um Druck auf Moss auszuüben. Hawthorn verteidigte den dritten Platz gegen Tony Brooks, der im zweiten Vanwall fuhr. Die schnellste Runde wechselte zwischen Moss und Hill hin und her.

Schließlich war der Vanwall schneller. Bei seiner Jagd war Hill sogar einmal kurz neben der Strecke. Der Zusatzpunkt plus die acht Punkte für den Sieg gehörten Moss, aber dahinter liefen die Dinge nicht in seine Richtung. Zunächst schied Brooks, der Hawthorn überholt hatte, mit Motorschafen aus.

Anschließend orderte Ferrari wenig überraschend an, dass sich Hill hinter seinen Teamkollegen zurückfallen lassen musste. Mit rund eineinhalb Minuten Rückstand wurde Hawthorn Zweiter. Das reichte, um mit einem Punkt Vorsprung als erster Brite Formel-1-Weltmeister zu werden.

"Das hat geschmerzt. Ich habe mein Glück verflucht, dass ich viermal hintereinander Vizeweltmeister geworden bin", erinnert sich Moss zurück. "Aber nach einigen Tagen habe ich realisiert, dass das eigentlich nicht so viel ausmacht. Ich wurde philosophischer und vielleicht auch reifer."

Platz 4: Internationale BRDC Trophy 1961

Dieses Rennen schafft es in die Liste, weil es eines seiner besten Regenrennen war. Obwohl es viele Vorwarnungen gab, nahmen die britischen Teams die neue 1,5-Liter Motorformel für 1961 nicht richtig ernst. Ferrari dominierte. Es gab aber auch genug Befürworter für die alten 2,5-Liter-Regeln, sodass in Großbritannien mehrere Rennen unter dem Namen "Intercontinental Formula" stattfanden.

Moss gewann drei der fünf Rennen der BRDC International Trophy in Silverstone. Im trockenen Training führte Bruce McLaren eine Cooper-Dreifachspitze an. Moss war vor dem amtierenden Weltmeister Jack Brabham Zweiter. Graham Hill in einem BRM komplettierte die erste Startreihe.

Beim sehr nassen Rennstart übernahm Brabham die Führung. Dahinter folgten McLaren und Moss. Nach 23 der 80 Runden schnappte sich der Cooper von Moss, eingesetzt von Rob Walker, die Spitze. Moss duellierte sich zunächst mit Brabham und entschwand dann. In Runde 54 überholte er Brabham ein zweites Mal - um ihn zu überrunden!

Das Rennen dauerte zwei Stunden und 41 Minuten. Der künftige Weltmeister John Surtees war bei den schwierigen Verhältnissen ausgeschieden, unter anderem auch McLaren und Hill. Moss gewann mit zwei Runden Vorsprung vor Brabham.

"Ich habe es genossen, im Regen zu fahren, weil die anderen es gehasst haben", erinnert sich Moss. "Mann muss fahren und zu sich sagen, dass das sagenhaft ist. Man muss Vertrauen zu dem haben, was man im Nassen macht. Der Regen hat meine Chancen erhöht. Das war vermutlich mein bester Sieg im Nassen. Es hat so stark geschüttet, dass man kaum aus dem Auto gesehen hat."

Platz 3: 1.000 Kilometer Nürburgring 1959

Man mag darüber streiten, ob Fangio der bessere Fahrer in einem Formelfahrzeug war, doch es gibt keinen Zweifel daran, wer der beste Sportwagenpilot der 1950er-Jahre gewesen ist. Moss war die Benchmark, egal ob er für Mercedes-Benz, Maserati oder Aston Martin fuhr. Für Letztere gewann er 1959 fast im Alleingang die Sportwagen-Weltmeisterschaft.

Der Schlüssel dazu waren die 1.000 Kilometer vom Nürburgring. Aston-Martin-Besitzer David Brown, ganz auf Le Mans fokussiert, hatte sich entschlossen, das Rennen zu überspringen. Nach zwei Siegen für den DBR1 in Folge erschien das seltsam. Moss gelang es, Teammanager John Wyer davon zu überzeugen, ihm ein Auto bereitzustellen.

Moss suchte sich den zuverlässigen Jack Fairman als zweiten Fahrer aus. Sie gingen von der vierten Position ins Rennen. Im Rennen jedoch nahm Moss dann Porsche und Ferrari komplett auseinander. Er fuhr konstant unter dem bisherigen Rundenrekord und fuhr eine halbe Runde Vorsprung heraus - auf der Nordschleife ein gigantischer Vorsprung.

Das ist jedoch nicht einmal der Grund dafür, warum es diese Fahrt so weit oben in die Liste geschafft hat. Der Grund ist, was als nächstes kam. Moss übergab nach 17 von 44 Runden an Fairman. Durch einsetzenden Regen gelang es der Ferrari-Horde, den Fünf-Minuten-Vorsprung langsam zu verringern. Fairman rutschte in einen Graben, als er einem Nachzügler ausweichen musste. Er zog den Karren selbst aus dem Dreck und kam zurück an die Box.

Moss, der sich eigentlich schon für die Abreise fertig machte, sprang wieder ins Auto. Was nun folgte, vergaß Zeitzeugenberichten zufolge niemand mehr, der live dabei gewesen ist. Er lag auf Platz vier und hatte mehr als eine Minute Rückstand.

In einer völlig anderen Liga fahrend, war Moss schon auf eine Sekunde an Polesetter Jean Behra herangekommen, als dieser an die Box ging und an Tony Brooks übergab. Phil Hill (im Ferrari, auf dem Olivier Gendebien gestartet war) ging an Brooks vorbei auf die zweite Position, konnte aber nichts gegen Moss ausrichten. Dieser übergab nach drei Vierteln wieder an Fairman, der aber erneut Zeit verlor.

Er kam schnell zurück und Moss sprang wieder ins Auto, um eine weitere Aufholjagd zu starten. Sechs Runden vor Schluss fand er einen vorbei an Hill und holte sich mit 41 Sekunden Vorsprung seinen dritten Sieg beim 1.000-Kilometer-Rennen am Nürburgring. Nebenbei verbesserte er den Rundenrekord für Sportwagen um nicht weniger als elf Sekunden. Den Ferraris blieben nur die Plätze zwei, drei und fünf.

Platz 2: Grand Prix von Monaco 1961

1961 war Moss auf dem dem fahrerischen Höhepunkt seiner Karriere und doch in der Rolle des Underdogs. Der Ferrari 156 war in der Formel 1 1961 eine Klasse für sich und wurde in der gesamten Saison nur zweimal geschlagen. Und beide Male gelang dies Moss im privat eingesetzten, schwach motorisierten Lotus 18.

Moss' Sieg bei gemischten Verhältnissen auf dem Nürburgring mag ebenfalls einen Eintrag auf dieser Liste wert gewesen sein. Doch die berühmteste Fahrt war der Sieg beim Großen Preis von Monaco. Es ist auch das Formel-1-Rennen, das er selbst als sein größtes bezeichnet hat.

Moss startete von der Pole-Position und ging vor Richie Ginthers Ferrari in Führung. Er fuhr einen Vorsprung von acht Sekunden heraus, rechnete aber nicht damit, an der Spitze zu bleiben.

Doch er ging ein unfassbare Pace. Die schnellste Runde, die er sich mit Ginther teilte, war 2,8 Sekunden schneller als die Polezeit. Ferrari gab sein allerbestes, inklusive Fahrzeugtausch. Doch keiner der drei Fahrer konnte Moss einholen.

Der damalige Rennbericht sagt: "Während Ferrari an der Box völlig austickte, brachte Moss fertig, was ein paar Tage zuvor als unmögliche bezeichnet worden wäre."

Der Lotus nahm letztlich nach 100 Runden die Zielflagge 3,6 Sekunden vor Ginther entgegen. Letzterer sollte es später trotzdem als Rennen seines Lebens bezeichnen. Moss' Ansehen war so hoch, dass die Niederlage trotz überlegenem Auto nicht als Schande angesehen wurde.

Der nächstbeste Nicht-Ferrari war Dan Gurney auf Platz fünf mit einem Rückstand von zwei Runden. Rennbericht: "Das war ein Wunder. Der Meister des Motorsports ließ den Rennsport so einfach aussehen. Es würde niemanden verwundern, wenn Moss in naher Zukunft an Ferrari 'ausgeliehen' werden würde."

Platz 1: Mille Miglia 1955

In gewisser Hinsicht sollte das nicht die Nummer eins sein. Moss hatte zweifellos das beste Auto im Feld, sein schnellster Teamkollege kämpfte mit Motorproblemen und er hatte den Vorteil, dass er quasi Pacenoten dabei hatte.

Aber die Kulisse und die Historie dieses Events machen diesen Triumph zu einem der größten aller Zeiten im Motorsport. Bei diesem legendären Straßenrennen über 1.000 Meilen kam dem Heimvorteil eine größere Bedeutung zu als wahrscheinlich bei allen anderen Rennveranstaltungen.

Das zeigt sich darin, dass von den 23 Auflagen lediglich zwei von Nicht-Italienern gewonnen wurden. Der erste war Deutschlands Top-Ass Rudolf Caracciola 1931. Als zweitem gelang es Moss - und das in Rekordtempo.

Auch Moss tat sich bei der Mille Miglia zuvor schwer. 1955 standen drei Starts für Jaguar in seiner Statistik, alle drei Mal schied er aus. 1952 hatte er immerhin guten Speed bewiesen.

Der 300SLR war allerdings ein erprobtes Fahrzeug und Mercedes bereitete sich intensiv vor. Dazu gehörte ausgedehntes Training auf der Rennroute. "Das war die umfangreichste Vorbereitung, die ich jemals für ein Rennen betrieben habe", schreibt Moss in seinem Buch 'Stirling Moss: My cars, my career'.

Als das Event endlich losging, verfügte Beifahrer Denis Jenkinson über ein riesiges Heft sogenannter "Roller-Notes" (um das Wort "Pace-Notes" nicht zu benutzen) - ein System von Handzeichen, die Moss zeigten, was als nächstes anstehen würde.

Wie groß dieses Event war, zeigt die Zahl von 521 Teilnehmern. Jedes Auto wurde einzeln logeschickt, beginnend mit dem langsamsten um 21 Uhr am Samstagabend. Bis Moss und Jenkinson an der Reihe waren, war es 7:22 Uhr am Sonntagmorgen ...

Obwohl bis zu 280 km/h schnell, wurde Moss' 3-Liter-Mercedes schnell von Eugenio Castellottis 4,4-Liter-Ferrari eingeholt. Er war eine Minute später gestartet.

Moss und Jenkinson kamen nicht ohne Probleme über die Runden. Bei Padua krachten sie in einen Heuballen, flogen nach einer Kuppe länger als geplant durch die Luft, hätten an einer Tankstelle in Pescara beinahe einen Unfall gehabt, nahmen einen weiteren Heuballen mit und rutschten nach einem Verbremser in einen Graben.

Als es nach Rom ging, veranlasste die riesige Menschenmenge Moss, vom Gas zu gehen - "als moralische Versicherung". Trotzdem lag der Mercedes bei Ankunft in der italienischen Hauptstadt in Führung.

Er war schlicht und einfach schneller als der stärker motorisierte Ferrari von Piero Taruffi auf dessen heimischem Boden. Und Taruffi war das letzte Fahrzeug, das gestartet war, sodass er den Vorteil hatte, zu wissen, wer wo im Klassement lag.

Moss verlor noch einmal Zeit durch einen Dreher aufgrund einer hängenden Bremse, machte aber weiter Druck. Er bewies unglaubliches Stehvermögen durch eine von Fangios berühmten 'Konditionspillen'. Niemand konnte ihm in der Schlussphase gefährlich werden.

"Wir sind die Kurven absolut volle Pulle gefahren. Das hätte ich auf mich allein gestellt auf einer Straße, die ich nicht kannte, nie machen können. Mit 270 über blinde Kuppen zu heizen konnte ich nur, weil ich durch die Noten wusste, was vor mir lag", schreibt er in 'My Greatest Race'.

Zahlreiche andere Fahrzeuge hatten Probleme - inklusive Fangio, der ein neues Einspritzrohr benötigte. Karl Kling, der dritte Mercedes-Fahrer, musste nach einem Unfall mit gebrochenen Rippen ins Krankenhaus gebracht werden.

Auch das Mercedes-Team hatte seinen Anteil am Erfolg. Nicht nur das exzessive Training mit kompletten Runden auf dem "Rundkurs" machte sich bezahlt. Das Team legte auch die schnellsten Boxenstopps hin.

Knappe zehn Stunden nach dem Start in Brescia waren Moss und Jenkinson wieder da. Ihre Durchschnittsgeschwindigkeit von 157,2 km/h sollte bei der Mille Miglia nie wieder erreicht werden. Am Ende hatten sie mehr als eine halbe Stunde Vorsprung auf den zweitplatzierten Fangio. Der drittplatzierte Ferrari hatte bereits 45 Minuten Rückstand.

Der damalige Rennbericht sagt: "Das ist der bisher größter Erfolg seiner Motorsport-Karriere. Selbst ohne Fangios Probleme wäre Moss an diesem Tag kaum zu schlagen gewesen. Die großartigsten Adjektive werden Moss' fantastischer Leistung auf diesem Kurs kaum gerecht, der schwierigsten aller Rennstrecken."

Moss bestätigt: "Das war einer der großartigsten Momente meines Lebens im Motorsport. Kein anderes Rennen, das ich in meinem Leben gefahren bin, kann da mithalten."

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