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Formel-1-Saison 2020 trotz Corona: Die neuen Sicherheits- und Verhaltensregeln

Motorsport-Total.com-Logo Motorsport-Total.com 02.07.2020 Jonathan Noble, Co-Autor: Juliane Ziegengeist
Neue Normalität: Gesichtsmasken gehören jetzt zur Grundausstattung © Motorsport Images Neue Normalität: Gesichtsmasken gehören jetzt zur Grundausstattung

Nachdem die ersten zehn Rennen der Formel-1-Saison 2020 wegen der Corona-Pandemie abgesagt oder verschoben werden mussten, nimmt die Königsklasse mit dem Grand Prix von Österreich in Spielberg am 5. Juli endlich wieder Fahrt auf.

Da das Virus weiter aktiv ist, ist die Rückkehr zum Rennsport nur unter Einhaltung strenger Sicherheits- und Verhaltensprotokolle möglich. Was sich für Fans, Fahrer und Teams verändert, haben wir in den wichtigsten Eckpunkten zusammengefasst.

Valtteri Bottas © Motorsport Images Valtteri Bottas

Wie viele Personen sind an der Strecke erlaubt?

Bis die Coronalage und die örtlichen Bestimmungen der Behörden es erlauben, wird die Formel-1-Saison zumindest in der ersten Phase ohne Zuschauer an der Strecke stattfinden. Auch Gäste und Sponsoren sind nicht erlaubt. Von vor Ort dürfen nur sehr wenige ausgewählte Medienvertreter über die Veranstaltungen berichten.

Jene Pressevertreter, die an der Rennstrecke sind, erhalten keinen Zugang zum Fahrerlager und zu den Boxen. Bei Interviews muss der Grundsatz des Social Distancing, sprich ein Mindestabstand, eingehalten werden. Gesichtsmasken sind obligatorisch.

Das gilt auch für die Teams, die mit reduziertem Personal (maximal 80 Personen) arbeiten werden. Statt der Motorhomes sollen sie die Infrastruktur und vorhandenen Einrichtungen der jeweiligen Rennstrecke nutzen, weil dadurch eine kontrolliertere Umgebung entsteht und die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs minimiert wird.

Wie verändert sich das Miteinander der Teams?

Alle Formel-1-Mitarbeiter müssen strenge Anweisungen bezüglich ihres Verhaltens vor und während der Veranstaltung befolgen. Jede Person, die die Rennstrecke betritt, muss einen offiziellen FIA-Verhaltenskodex unterzeichnet haben.

NÄCHSTES
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Für Teammitglieder, die im Fahrerlager und in der Boxengasse arbeiten, bedeutet dies, dass sie negativ auf COVID-19 getestet sein müssen, bevor sie reisen dürfen. Außerdem werden sie alle fünf Tage getestet, wenn sie mit der Formel 1 unterwegs sind.

Darüber hinaus wird die Formel 1 eine speziell für die engen Grenzen einer Rennstrecke konzipierte Track-and-Trace-App - ähnlich der Corona-Warn-App in Deutschland - verwenden, damit die Organisatoren besser mit einem Ausbruch umgehen können und wissen, mit wem ein infiziertes Teammitglied in engem Kontakt gestanden hat.

Um diesen von vornherein zu begrenzen, dürfen sich Teammitglieder nicht mit ihren Konkurrenten "vermischen", sondern müssen in ihren "sozialen Blasen" bleiben, damit sie nur mit denjenigen in Kontakt kommen, die für ihre Arbeit unerlässlich sind.

Seitens der FIA heißt es: "Die Anzahl der Interaktionen zwischen den Gruppen sollte minimiert werden, um die Virusübertragung zwischen den Gruppen einzudämmen. Wenn Interaktionen nicht vermieden werden können, [...] sollte die soziale Distanz respektiert werden oder zusätzliche persönliche Schutzausrüstung verwendet werden."

Welche Folgen hat all das auf die Arbeitszeiten?

Aufgrund von Social Distancing und der Notwendigkeit, dass Teammitglieder Gesichtsmasken und andere Schutzkleidung tragen müssen, werden einige Arbeiten länger dauern als unter normalen Umständen. Andrew Green, Technikdirektor bei Racing Point, rechnet damit, dass Motorwechsel nun doppelt so lange dauern werden.

Vor diesem Hintergrund wird den Teams ein zusätzlicher Spielraum bei ihren Arbeitszeiten eingeräumt: Die Sperrstunde in der Formel 1 wurde gelockert. Teammitglieder können nun am Donnerstag- und Freitagabend eine Stunde länger arbeiten. Damit dauert die Sperrstunde nun acht Stunden statt wie bisher neun.

Wie geht die Auswahl der Pirelli-Reifen vonstatten?

Der neue Formel-1-Kalender stellt die Teams und Zulieferer gleichermaßen vor besondere Herausforderungen. Damit haben sich auch die Reifenregeln geändert. Während die Teams früher von jedem Reifentyp auswählen durften, wie viele sie für ein Wochenende haben wollten, gibt es jetzt eine Standardzuteilung.

Jeder Fahrer erhält zwei Sätze der harten Reifen, drei Sätze Medium und acht Sätze Soft. Die Mischungsauswahl muss Pirelli nicht mehr neun Wochen vor den europäischen und 15 Wochen vor den Flyaway-Rennen ankündigen. Die Zuteilungen sollten nun "nicht weniger als zwei Wochen vor jeder Veranstaltung bekannt gegeben werden".

Die Bestimmung, dass zusätzliche experimentelle Reifen zwingend gefahren werden müssen, wurde leicht modifiziert. Statt in den letzten 30 Minuten des zweiten Freien Trainings sollen sie in den ersten 30 Minuten zum Einsatz kommen.

Wie halten Teams und Fahrer ihre Briefings ab?

Die Rennverantwortlichen werden in Räumen arbeiten, deren Einrichtung an die Sicherheitsbestimmungen angepasst wurde - mit auseinandergerückten Tischen und Stühlen, um Social Distancing zu gewährleisten. Wenn Fahrer zur Besprechung einer Angelegenheit zu den Stewards gerufen werden, ist Schutzkleidung zu tragen.

NÄCHSTES
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Fahrer-Briefings und offizielle Besprechungen können auch im Freien stattfinden, wenn kein ausreichend großer Raum für alle Anwesenden zur Verfügung steht. Oder sie können über eine Videotelefonkonferenz wie Zoom durchgeführt werden.

Um potenziellen Reiseproblemen Rechnung getragen, mit denen die Stewards bei der Anreise zu einem Rennen konfrontiert werden könnten, erlaubt die FIA ihnen, aus der Ferne zu arbeiten, wenn es in letzter Minute zu Schwierigkeiten kommen sollte.

Wird es trotz Corona eine Fahrerparade geben?

Die Abwesenheit von Fans vor Ort, verbunden mit der Tatsache, dass die Fahrer soziale Distanz wahren müssen, hat zur Folge, dass auch die reguläre Parade der Fahrer am Sonntagmorgen vorerst nicht stattfinden wird. 20 Fahrer auf die Ladefläche eines Lastwagens zu drängen, ist inmitten der Pandemie einfach nicht machbar.

Stattdessen ist es wahrscheinlich, dass die Fahrer einer nach dem anderen vor ihren Boxen in dem üblichen Zeitfenster am Sonntagmorgen interviewt werden, um die Fans vor dem Rennen auf die Veranstaltung einzustimmen.

Wie wird die Startaufstellung künftig ablaufen?

Eine der schwierigsten Situationen, die es zu bewältigen gilt, ist die Formierung der Startaufstellung bis zum Rennen, da dies der einzige Punkt bei einer Veranstaltung ist, an dem alle Teams in unmittelbarer Nähe zueinander stehen.

Um die Kontaktchancen so gering wie möglich zu halten, wurde das Prozedere für die Startaufstellung so optimiert, dass eine soziale Distanzierung möglich ist - mit einem Minimum an beteiligten Personen und für einen kürzeren Zeitraum.

Die Teams dürfen nur 40 Personen in der Startaufstellung haben, eine Zahl, die genau der Hälfte der Gesamtzahl der Teilnehmer entspricht, die sie nun zu den Rennen mitnehmen dürfen. Ohne die übliche vollständige Zeremonie vor dem Rennen schließt der Boxenausgang nun 20 Minuten vor dem Start statt der üblichen 30 Minuten.

Die Reifen müssen spätestens fünf statt drei Minuten vor dem Start montiert sein. Das gilt auch im Fall einer Wiederaufnahme des Rennens. Auf das Fünf-Minuten-Signal hin "müssen das Teampersonal und die Materialwagen die Startaufstellung verlassen".

Eine neue Regel besagt, dass drei Minuten vor dem Start "nicht mehr als 16 Teammitglieder pro Teilnehmer in der Startaufstellung erlaubt sind". Die übrigen Teammitglieder müssen wie üblich vor dem 15-Sekunden-Signal das Feld verlassen.

Was wird aus der Siegesfeier auf dem Podium?

Aufgrund des Distanzierungsgebots wird die Formel 1 nicht in der Lage sein, eine traditionelle Siegerehrung durchzuführen. Der Sport kann auf keinen Fall riskieren, dass die Fahrer einander so nahe kommen oder mit Würdenträgern und Offiziellen in Kontakt treten, wie es kurz vor den Champagnerfeiern üblich ist.

Stattdessen ist eine Art Trophäenübergabe nach dem Rennen in der Startaufstellung geplant, wenn die Autos nach ihrer Auslaufrunde zurückkehren. Formel-1-Sportchef Ross Brawn erklärte: "Eine Möglichkeit wäre, die Autos auf der Strecke in einer Reihe aufzustellen, wobei die Fahrer vor den Autos stehen würden."

"Wir können niemanden in unmittelbarer Nähe haben, der eine Trophäe überreicht", so Brawn weiter, "aber wir haben eine Lösung gefunden. Wir haben Pläne und Vorgehensweisen, und wir überlegen, wie wir sie im Fernsehen präsentieren können."


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