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Corona-Tests für die Bundesliga wären problemlos möglich

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 24.04.2020 RP ONLINE

Düsseldorf. 25.000 Corona-Tests hat die Fußball-Bundesliga veranschlagt, um die Saison zu Ende spielen zu können. Experten beteuern, dass das problemlos möglich ist. Doch die Politik hat das letzte Wort in einer ethischen Debatte.

 Eine medizinische Mitarbeiterin bereitet einen Covid-19-Test für ältere Menschen in einem Labor vor. © Jean-Francois Badias Eine medizinische Mitarbeiterin bereitet einen Covid-19-Test für ältere Menschen in einem Labor vor.

Händewaschen, Abstand halten und testen, testen, testen. Das Mantra in der Corona-Krise klingt vertraut. So gewissenhaft sich die Bevölkerung an Hygiene- und Abstandsregeln hält, so verlässlich haben Regierung und Gesundheitsbehörden ihre Aufgaben erledigt und die Kapazität für Corona-Tests radikal hochgefahren. Mit dem Ergebnis, dass die Ressourcen derzeit nicht vollständig ausgeschöpft werden. Denn um überhaupt für einen Test in Frage zu kommen, muss man noch immer streng abgesteckte Kriterien erfüllen – oder Bundesliga-Spieler sein.

„Wir haben klare Vorgaben, wer getestet werden soll und wer nicht“, sagt Dr. Michael Fritz, Allgemein- und Sportarzt aus Viersen. Das Robert-Koch-Institut gibt die Regeln vor und hat sie in den vergangenen Monaten mehrfach der aktuellen Situation angepasst. „Derzeit gibt es Überlegungen, sie weiter zu lockern“, sagt Fritz. Weil es noch mehr Reagenzien und noch mehr Testkapazitäten gibt.

Rund 25.000 davon veranschlagt die DFL, um die Profis engmaschig testen zu können, wie das der Geisterspielbetrieb vorsieht. Stellt man diese Zahl den 730.000 Tests gegenüber, die bereits jetzt jede Woche in Deutschland durchgeführt werden, klingt das beinahe verschwindend gering. Rainer Zotz, der ein Labor in Düsseldorf betreibt, ist verwundert, wenn die Rede davon ist, es würde nicht ausreichend getestet werden - und als Begründung wird mitgeliefert, es gebe nicht genug Kapazitäten in den Labors. "Einige Labore sind vielleicht davon betroffen, aber die allermeisten sind überhaupt nicht an Grenzen angekommen. Da werden 2000 Tests analysiert, es wären aber bis zu 8000 am Tag möglich." Ein Corona-Test kostet 59 Euro, in seinem Labor werden bislang 1000 Proben am Tag analysiert, eine Aufstockung auf 8000 wären laut Zotz kein Problem. Ein Antikörper-Test kostet 17,50 Euro. Zotz ärgert, dass in der Diskussion um die Fortsetzung der Fußball-Bundesliga angeprangert wurde, die "reichen Klubs können sich solche Tests leisten und andere gehen leer aus. Da werden Gruppen gegeneinander aufgebracht, da halte ich nichts von. Natürlich ist es absolut sinnvoll, wenn möglichst in jedem Altenheim getestet würde, um einen nfizierten Pfleger frühzeitig rauszufischen und so Leben zu retten. Da ist aber der Staat gefragt, die Mittel dafür freizugeben. Für die Fußballer würde es dann trotzdem noch Kapazitäten geben."

Auch medizinisches Personal steht ausreichend zur Verfügung. Die niedergelassenen Ärzte arbeiten derzeit keinesfalls an der Belastungsgrenze. Vielmehr lassen sich sogar Patienten mit zum Teil ernsthaften Beschwerden von der vermeintlichen Infektionsgefahr abschrecken. 25 oder 30 Prozent weniger Betrieb als üblich verzeichnet Fritz daher in seiner Praxis, in Facharztpraxen sei gar nur die Hälfte des üblichen Aufkommens zu verzeichnen.

Die DFL ist jedoch peinlich bemüht darum, den Eindruck zu vermeiden, dass die Bundesliga in irgendeiner Form der öffentlichen Gesundheitsvorsorge zur Last fällt. Vor diesem Hintergrund ist auch zu verstehen, dass Clemens Tönnies vorgeschlagen hat, Schalkes Aufsichtsratschef und im Hauptberuf Fleischfabrikant, seine eigenen Labore für Testzwecke zur Verfügung zu stellen. Nach Informationen unserer Redaktion steht das Bundesgesundheitsministerium derartigen Plänen jedoch sehr skeptisch gegenüber. Die Sicherheitsstandards seien sehr hoch, hieß es von einem Sprecher bei einer Befragung im Sportausschuss des Bundestags, für die Analyse der Proben seien spezielle Geräte erforderlich. Direkt auf das Angebot von Tönnies wollte man allerdings keinen Bezug nehmen."Das kann nur ein Marketinggag gewesen sein. Um solche Tests durchzuführen, braucht man spezielle Genehmigungen und erfahrene Labormediziner. Es ist nett, so etwas anzubieten, aber man wird es schwer umsetzen können", sagt Zotz.

Ob die Tests für den Betrieb der Bundesliga gerechtfertigt wären, bleibt eine Frage der Ressourcen- und Verteilungsgerechtigkeit, meint der Allgemeinmediziner Fritz: „Das Parlament muss entscheiden, ob es unter Betrachtung von möglichen psycho-sozialen Konflikten sinnvoll und ethisch vertretbar ist. Wenn es nach Abwägung aller Expertenmeinungen zu dem Schluss kommt, dass es sinnvoll ist, die Leute wenigstens am Fernsehen an der Bundesliga teilhaben zu lassen, weil das gut für die Stimmung im Volk ist, dann ist das aus der jetzigen Situation geboren wohl opportun.“ Für die Beantwortung ethischer Fragen ist noch kein Testverfahren entwickelt worden.

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