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NBA: Fragen und Antworten zur Simmons-Rückkehr: Wie geht es jetzt weiter?

SPOX-Logo SPOX 12.10.2021 Philipp Jakob

Die Saga um Ben Simmons geht in die nächste Runde: Der Sixers-Star ist überraschend nach Philadelphia zurückgekehrt. Was bedeutet dies nun für die Sixers und wie sehen die nächsten Schritte aus? SPOX beantwortet die wichtigsten Fragen.

Ben Simmons ist überraschend nach Philadelphia zurückgekehrt. Wie geht es jetzt weiter? © Bereitgestellt von SPOX Ben Simmons ist überraschend nach Philadelphia zurückgekehrt. Wie geht es jetzt weiter?

Warum kehrt Ben Simmons nun doch zu den Sixers zurück?

Als Ben Simmons am Montagabend Ortszeit vor dem Wells Fargo Center in Philadelphia stand, hatte er alle überrascht. Zwar hatte die Woj-Bomb von ESPN-Insider Adrian Wojnarowski auf eine Rückkehr des 25-Jährigen hingedeutet, nachdem dessen Agent Rich Paul in den vergangenen Tagen viele Gespräche mit den Sixers-Verantwortlichen geführt hatte. Doch dass Simmons bereits am Montag vor der Tür stehen würde, davon wussten offenbar auch die Sixers nichts.

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Laut Woj erhielt General Manager Elton Brand kurz vor dem Tip-Off der Preseason-Partie gegen die Brooklyn Nets eine Textnachricht: Simmons warte vor der Arena, ihm müsse Zugang gewährt werden, damit er seinen verpflichtenden Corona-Test ablegen könne. Die Sixers hatten nach den Gesprächen mit Paul eigentlich mit einer Rückkehr gegen Ende der Woche gerechnet.

Nun ist Simmons schon früher in die "Stadt der brüderlichen Liebe" zurückgekehrt und öffnet damit das nächste Kapitel einer mittlerweile grotesken Saga. Zwei Wochen lang hielt sein Streik, um einen Trade zu erzwingen, die Gründe für seine Rückkehr dürften vor allem monetärer Natur sein.

Wie erwartet machten die Sixers ihre Ankündigung wahr und belegten den Point Guard für jedes verpasste Training und Vorbereitungsspiel mit einer Geldstrafe. Seine Abwesenheit bei den Preseason-Spielen kostete ihn jeweils 360.000 Dollar, in Verbindung mit Strafen für die verpassten Trainingseinheiten stand er laut ESPN schon vor der Partie am Montag bei einer kumulierten Summe von knapp einer Million Dollar, die ihm verloren ging.

Medienberichten zufolge soll das Camp von Simmons die Auswirkungen der Geldstrafen erst in den vergangenen Tagen realisiert haben, nachdem klar wurde, dass er das Geld wohl auch nach einem Trade nicht von seinem neuen Team zurückbekommen würde. Nun soll es offenbar Gespräche mit den Sixers geben, ob er einen Teil der Strafen zurückbekommt, wenn er sich wieder ins Team integriert - falls er das überhaupt möchte. Anfang Oktober hatte die Franchise einen beachtlichen Teil von Simmons' Gehalt auf ein Treuhandkonto überwiesen.

Wie Wojnarowski schreibt, habe Simmons mit dem Streik seinen Standpunkt untermauern wollen, dass er Philly unbedingt verlassen möchte. Nun sei der Australier der Ansicht, dass ihm dies gelungen sei.

Simmons' Weigerung, zum Training Camp zu erscheinen und die Geldstrafen zunächst hinzunehmen, um einen Trade zu erzwingen, ist beispiellos. Und das Drama ist noch lange nicht vorbei.

Wie geht es für Ben Simmons und die Sixers weiter?

Das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch weitestgehend unklar. Selbst Woj und The Athletic tappen im Dunkeln, ob Simmons wirklich zum Team dazu stößt, am Training und an Spielen teilnimmt, oder ob er nach seiner Pflichterfüllung nun mit einer mysteriösen Verletzung auf dem Injury Report verschwindet.

Für Dienstag ist nach Informationen von ESPN ein Treffen zwischen Simmons und Sixers-Boss Daryl Morey sowie Head Coach Doc Rivers geplant, die erste direkte Kommunikation zwischen All-Star und Team seit August. Rivers hatte am Montag seine Aussagen vom Media Day untermauert: "Wir haben von Tag eins an gesagt, was wir wollen. Wir fänden es super, wenn er zurückkommt."

Angeblich hoffen die Sixers-Verantwortlichen weiterhin darauf, den Point Guard von einem Umdenken überzeugen zu können. Die Organisation wünsche sich sogar eine Rückkehr des dreimaligen All-Stars auf den Court. Ob Simmons da mitmacht, ist derzeit komplett offen.

Er steht noch für vier Jahre und 147 Millionen Dollar - gut, mittlerweile etwas weniger - unter Vertrag und ist damit an die Franchise gebunden. Die Sixers sitzen am längeren Hebel, auch wenn gleichzeitig Druck da ist, die Prime von Franchise-Star Joel Embiid nicht zu verschwenden. Ohne zweiten Superstar an seiner Seite wird auch der MVP-Zweite des Vorjahres sein Team nicht in der Top-Riege des Ostens halten können.

Entsprechend überrascht es nicht, dass die Sixers trotz der offiziellen Verlautbarungen, die Beziehung zu Simmons retten zu wollen, auch weiterhin nach Trades Ausschau halten werden. Nach Saisonstart werden sich möglicherweise neue Türen auf dem Markt öffnen.

Bisher war Philadelphia aufgrund der hohen Preisvorstellungen von Morey (mindestens ein All-Star-Kaliber und Draft-Picks) noch weit weg von einem Deal. Mitunter sind manche Teams nach enttäuschenden ersten Saisonwochen jedoch bereit, ihr Angebot zu erhöhen. Oder Damian Lillard oder Bradley Beal sind auf einmal doch gewillt, die Reißleine in Portland beziehungsweise Washington zu ziehen.

NBA: Die Karrierestatistiken von Ben Simmons

SaisonSpiele / MinutenPunkteReboundsAssistsFG%Dreier
2017/1881 / 33,715,88,18,254,50/11
2018/1979 / 34,216,98,87,756,30/6
2019/2057 / 35,416,47,88,058,02/7
2020/2158 / 32,414,37,26,955,73/10
Karriere275 / 33,915,98,17,756,014,7 Prozent

Sind die Sixers mit Ben Simmons ein Top-Team im Osten?

Wenn man den Worten von Morey uneingeschränkt Glauben schenken möchte, dann schon. Der Sixers-Boss betonte im Sommer immer wieder die Stärken des vorhandenen Kaders, der mit Simmons, Embiid und Co. das nach Net-Rating beste Lineup der vergangenen Saison stellte (+14,0, mindestens 400 Minuten).

Sollten beide gemeinsam auf dem Court stehen - so wie es sich die Sixers offenbar wünschen - und der Australier tatsächlich an sein All-Star-Ich anknüpfen, dann werden die Sixers in der Top 4 im Osten landen. Das alles ist allerdings nur graue Theorie, in der Praxis erscheint dieses Szenario extrem unwahrscheinlich.

Es ist nur schwer vorstellbar, wie das zerschnittene Tischtuch geflickt werden soll. Direkt im Anschluss an die enttäuschende Playoff-Pleite in der zweiten Runde gegen die Hawks - an der Simmons mit seiner Offensiv-Allergie seinen Anteil hatte - wurde ihm von seinem eigenen Coach und Teamkollegen öffentlich die Schuld in die Schuhe geschoben. Im Sommer war zu hören, dass er mental mit den Sixers abgeschlossen, sein Haus ausgeräumt habe und keine Zukunft für die Embiid/Simmons-Kombi sehe.

Zudem verhinderte er einen Trip seiner Teamkollegen um unter anderem Embiid und Tobias Harris nach Los Angeles, die Simmons von einer Rückkehr überzeugen wollten: Sie sollten zuhause bleiben, er würde seine Meinung ohnehin nicht ändern. Das erste Wiedersehen dürfte unangenehm werden. Wie dieses Team sportlich zusammenhalten und Siege einfahren soll, ist Stand jetzt ein Rätsel.

Ben Simmons: Das letzte Kapitel ist noch nicht geschrieben

Mal ganz abgesehen davon, dass Simmons sicherlich keinen freundlichen Empfang von den leidenschaftlichen und selten versöhnlichen Fans erhalten wird, wenn Philly am 22. Oktober erstmals in der regulären Saison vor heimischer Kulisse gegen die Brooklyn Nets auflaufen wird: Der Sommer hat in Philadelphia, bei den Sixers und bei Simmons Narben hinterlassen, die nicht so leicht zu ignorieren sind. Ein Abgang von Simmons ist unausweichlich.

Das Ideal-Szenario für die Sixers sieht wohl so aus: Mit guten Auftritten auf dem Court steigert er seinen Trade-Wert und spätestens im Dezember, wenn auch die Spieler, die im Sommer als Free Agents neue Verträge unterschrieben haben, getradet werden dürfen, flattern neue Angebote rein. Das ist auch in Simmons' Interesse.

Ausgeschlossen ist gleichzeitig nicht, dass sich sein Wunsch erfüllt und er nie wieder für die Sixers aufläuft. Seine Rückkehr soll in erster Linie weitere Geldstrafen verhindern, nach den Gesprächen mit den Verantwortlichen in den kommenden Tagen wird es mehr Klarheit geben. Wie ihr Ende aussehen wird, scheint sicher - aber das letzte Kapitel der Simmons-Saga ist noch lange nicht geschrieben.

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