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NFL: AFC South: Viele Baustellen und Dreikampf um die Spitze

SPOX-Logo SPOX 12.06.2020 Marcus Blumberg

Mit dem Draft und dem größten Teil der Free Agency im Rückspiegel wird das Bild der 32 Teams klarer: Wie könnten die offensiven und defensiven Startformationen aussehen? Und wo sind dort potenzielle Stärken und Schwächen? SPOX blickt in der Offseason-Starter-Serie auf alle acht Divisions. Im zweiten Teil ist die AFC South an der Reihe.

Die Texans gewannen viermal in den vergangenen fünf Jahren die AFC South und gehen auch 2020 als Titelverteidiger in die Saison. Allerdings stehen sie nicht unbedingt als Favorit da, zumal sie sich durch einen Trade von ihrem Superstar-Receiver DeAndre Hopkins (Cardinals) getrennt haben.

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Head Coach Bill O'Brien, der auch als General Manager fungiert, fädelte den Deal selbst ein und setzte sich damit selbst unnötig unter größeren Druck als er ihn ohnehin schon erfahren hätte. Gelingt es ihm, die Offense auch ohne den Fixpunkt auf Kurs zu halten?

Houston Texans: Starter-Projection Offense

PositionSpielerPositionSpieler
Quarterback:Deshaun WatsonLeft Tackle:Laremy Tunsil
Running Back:David JohnsonLeft Guard:Max Scharping
Wide Receiver:Brandin CooksCenter:Nick Martin
Wide Receiver:Kenny StillsRight Guard:Zach Fulton
Slot-Receiver:Randall CobbRight Tackle:Tytus Howard
Tight End:Darren Fells

Houston Texans: Starter-Projection Defense

PositionSpielerPositionSpieler
Defensive Line:Angelo BlacksonEdge:Brennan Scarlett
Nose Tackle:Eddie VanderdoesCornerback:Gareon Conley
Defensive End:J.J. WattCornerback:Bradley Roby
Edge:Whitney MercilusSafety:Eric Murray
Linebacker:Zach CunninghamSafety:Justin Reid
Lineback:Benardrick McKinney

Texans-Kader: Stärken, Schwächen und Beobachtungen

  • Der Abgang von Hopkins setzt in erster Linie Deshaun Watson unter Druck. Der junge Quarterback, der in sein viertes Vertragsjahr geht und damit letztmals zum vollen Rookie-Discount spielt, kehrte im Vorjahr zu seiner herausragenden Rookie-Form von 2017 zurück und landete auf Platz 7 in Sachen Total QBR. Nun allerdings wird er zeigen müssen, dass er es auch ohne seinen klaren Nummer-1-Receiver kann.
  • Wenn diese Offense eines besitzt, dann ist es herausragender Speed. Sowohl Neuzugang Brandin Cooks als auch Will Fuller, der wohl um seinen Platz mit Randall Cobb und Kenny Stills streiten wird, sind gefürchtete Sprinter, die eine Offense vertikal öffnen können. Doch gerade Fuller wurde zuletzt immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen und verpasste allein in den vergangenen zwei Spielzeiten 14 Partien.
  • Positiv formuliert ist diese Offense variabel aufgestellt. Gerade der Slot kann je nach Situation mit einem Deep-Threat - Fuller - oder dem eher klassischen Catch-and-Run-Typen (Cobb) besetzt werden, sodass Watson sich nicht auf einen Stil beschränken muss. Auf den Seiten wiederum ist Cooks klar als Deep-Threat vorgesehen, während Stills eher der Possession-Receiver, allerdings ebenfalls mit sehr gutem Grundspeed ausgestattet, ist.
  • Zudem wird es dem Passspiel zusätzlich zugutekommen, dass mit Johnson ein Running Back gekommen ist, der gute Hände mitbringt und ein weiterer starker Receiver aus dem Backfield sein kann. Aber auch er bringt Verletzungssorgen mit und ist seit seiner schweren Handgelenksverletzung von vor zwei Jahren merklich nicht mehr der Alte.
  • Hinter David wartet Duke Johnson auf seine Chance. Letzterer zeigte im Vorjahr eine ähnliche Produktion wie der Neuzugang, hatte zudem eine etwas bessere Saison im Receiving Game. Letztlich hoffen die Texans, dass David Johnson näher an seine Top-Form herankommt als zuletzt, denn ansonsten würde dieser Trade noch weniger Sinn ergeben, da Duke Johnson in Davids aktueller Verfassung im Grunde der gleiche Spieler ist - nur viel günstiger.
  • Insgesamt war die Offense der Texans im Vorjahr nur Liga-Durchschnitt (-2,7 Prozent DVOA) laut Football Outsiders. Und die Offensive Line blieb das traditionelle Hindernis mit einer Adjusted Sack Rate von 8,4 Prozent (Platz 27 in der NFL). Die O-Line blieb im Vergleich zum Vorjahr zusammen, die Hoffnung ist also, dass ein Jahr mehr an gemeinsamer Erfahrung helfen wird, das Niveau zu heben.
  • Defensiv machten die Texans 2019 einen gehörigen Schritt zurück (9 Prozent DVOA, Platz 26), nachdem sie im Vorjahr noch die siebteffizienteste Defense der Liga gestellt hatten. Während im Draft in diesem Bereich vor allem potenzielle zukünftige Starter gezogen wurden, liegen die Hoffnungen für eine deutliche Steigerung insbesondere auf der Rückkehr von J.J. Watt, der weite Teile der Saison mit einer Brustmuskelverletzung verpasste.
  • Ebenfalls helfen könnte Vernon Hargreaves, der im Slot verteidigt und im Laufe der Vorsaison via Waiver Wire von den Bucs nach Texas gelangte. Eine komplette Saison von ihm könnte die Pass-Verteidigung insgesamt stärken.
  • Ein interessantes Positionsduell könnte sich indes auf Nose Tackle entwickeln, wo man den Verlust von D.J. Reader auffangen muss. Vanderdoes ist erst seit der Vorsaison im Team und dürfte direkt Druck von Zweitrundenpick Ross Blacklock bekommen, der ultimativ wohl diesen Posten übernehmen wird - ob schon zu Saisonbeginn ist hier die Frage. Denkbar ist auch, dass Blacklock im Sub-Package früher zu den Startern gehört.

Die Colts gehen in die dritte Saison von Head Coach Frank Reich und und haben bislang einmal die Playoffs erreicht (2018) und einmal verpasst (2019). Der gravierende Unterschied in beiden Saisons war zweifelsohne der Quarterback. 2018 noch hatte Andrew Luck das Ruder fest in der Hand, im Vorjahr jedoch kämpfte man sich aufgrund des überraschenden Luck-Rücktritts mit Jacoby Brissett und Brian Hoyer durchs Jahr und merkte, dass dies nicht reicht.

Insofern könnte die Verpflichtung von Philip Rivers nun den Unterschied ausmachen. Rivers, der erstmals seit Jahren wieder mit einer äußerst stabilen Offensive Line auflaufen wird, könnte mit neuem Team vielleicht sogar nochmal einen zweiten Frühling erleben. Er ist zwar nur eine kurzfristige Lösung mit seinen 38 Jahren, aber ein klares Upgrade zum Vorjahr.

Indianapolis Colts: Starter-Projection Offense

PositionSpielerPositionSpieler
Quarterback:Philip RiversLeft Tackle:Anthony Castonzo
Running Back:Marlon MackLeft Guard:Quenton Nelson
Wide Receiver:TY HiltonCenter:Ryan Kelly
Wide Receiver:Michael Pittman Jr.Right Guard:Mark Glowinski
Slot-Receiver:Parris CampbellRight Tackle:Braden Smith
Tight End:Jack Doyle

Indianapolis Colts: Starter-Projection Defense

PositionSpielerPositionSpieler
Edge:Kemoko TurayCornerback:TJ Carrie
Defensive Tackle:DeForest BucknerCornerback:Xavier Rhodes
Defensive Tackle:Grover StewartSlot-Cornerback:Rock Ya-Sin
Edge:Justin HoustonSafety:Khari Willis
Linebacker:Darius LeonardSafety:Malik Hooker
Linebacker:Anthony Walker

Colts-Kader: Stärken, Schwächen und Beobachtungen

  • Die Offensive Line der Colts ließ im Vorjahr eine Adjusted Sack Rate von 6 Prozent zu. Zum Vergleich: Die der Chargers lag bei 6,2 Prozent. Auf den ersten Blick also dürfte der Qualitätsunterschied zwischen beiden O-Lines nicht allzu groß sein, was den Optimismus bezüglich Rivers etwas schmälert. Aber: Laut Next Gen Stats hatte Rivers sehr viel weniger Zeit zum Werfen (2,63 Sekunden) als zum Beispiel Brissett (2,93 Sekunden) im Vorjahr, was dazu beigetragen hat, dass Rivers im Endeffekt so viele Fehler machte. Brissetts 2,93 Sekunden im Schnitt waren im Übrigen die zweitmeiste Zeit, die ein QB im Vorjahr in der NFL zum Werfen bekam (Kirk Cousins: 3,01 Sekunden).
  • Damit einhergehend wird es Rivers aber auch helfen, dass er bei den Colts wohl deutlich mehr über kurze Pässe kommen kann als bei den Chargers. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Colts-Offense und Rivers kann diese mit seiner Übersicht noch beschleunigen. Auch so ein Defizit von Brissett.
  • Durch die Zweitrundenpick Michael Pittman haben die Colts nach Jahren wieder eine echte Nummer 2 hinter TY Hilton im Receiving Corps. Das wiederum gibt Rivers nicht nur vier formidable Anspielstationen - inklusive Tight End -, sondern nimmt Campbell auch ein wenig aus der Schusslinie. Dieser kann sich somit im Slot freier entfalten als in seiner Rookie-Saison und bringt guten Endspeed mit, der gut zu Hilton passt, der vor allem über seine Geschwindigkeit kommt, aber auch sehr sichere Hände hat und Rivers' Spiel entgegen kommt.
  • Spannend wird zu sehen sein, wie letztlich die Rollenverteilung im Backfield aussieht. Hier nehmen sich Mack und Zweitrundenpick Jonathan Taylor zunächst nicht viel. Beide sind eher reine Läufer als wahre Bedrohungen im Passspiel. Mack allerdings geht in sein finales Vertragsjahr, könnte somit bald obsolet sein, wenn Taylor, der vom Potenzial her mehr bietet, früh produziert.
  • Die Colts haben das Personal, um gerade in offensichtlichen Lauf-Downs auch mit 12-Personnel aufzulaufen, also zwei Tight Ends aufzubieten. Mit Trey Burton kam dazu ein Blocking-Spezialist, der aber gerade in der Red Zone auch eine stabile Anspielstation darstellt - oder auch wie beim "Philly Special" mal selbst einen Pass werfen kann ...
  • Defensiv waren die Colts im Vorjahr Durchschnitt (2,3 Prozent DVOA, Platz 17). Um die Gesamtsituation zu verpassen, wurde daher kräftig aufgestockt. Allen voran kam mit DeForest Buckner ein Verteidiger, der an der Front sowohl für Inside Pressure sorgen als auch als Run-Stopper aushelfen kann. Dahinter wartet wie immer Tackle-Maschine Darius Leonard. Die Colts legen schematisch eine hohe Priorität auf die Defensive Line und spezifisch auf den Posten des 3-Technique, den Buckner jetzt übernimmt.
  • Die Secondary bekam durch Xavier Rhodes mehr Erfahrung, obgleich dieser im Vorjahr ein gutes Stück von seiner Paradeform entfernt war, was letztlich zu seinem Abgang aus Minnesota geführt hat. Rhodes ersetzt damit Pierre Desir, den die Colts gehen ließen - ob der Ex-Viking ein echtes Upgrade darstellt, bleibt abzuwarten.
  • Auf Safety wiederum drängt Drittrundenpick Julian Blackmon auf seine Chance, während Hooker in sein viertes und finales Vertragsjahr geht, da seine Fifth-Year-Option nicht gezogen wurde. Er spielt also schon jetzt um seinen Job in Indy.
  • Kein Starter, aber dennoch ein wichtiger Bestandteil dieses Teams ist Kicker Adam Vinatieri. Dieser hat aktuell keinen gültigen Vertrag, möchte jedoch noch eine 25. Saison dranhängen. Nach einer Knieoperation und der eingeschränkten Reha aufgrund der Coronavirus-Pandemie steht jedoch nicht fest, ob er nun zum Saisonstart fit sein wird. Daher bahnt sich fürs Camp ein Duell um die Kicker-Rolle an. Chase McLaughlin tritt an gegen Rookie Rodrigo Blankenship, der auf dem College (Georgia) für seinen extrem starken Schuss bekannt war. Beide kämpfen somit auch um einen eventuellen Platz auf der Practice Squad als Reserve, falls der 47 Jahre alte Stammhalter nicht durch die Saison kommen sollte. Die Kick-Offs wiederum dürfte weiterhin Punter Rigoberto Sanchez übernehmen.

2017 ist noch nicht allzu lang her, doch wirkt dieses Jahr aus Sicht der Jaguars schon jetzt wie graue Vergangenheit. Damals noch gewannen die Jaguars überraschend die AFC South und schafften es bis ins Championship Game mit einer überragenden Defense. 2020 ist davon kaum noch etwas übrig.

Im Gegenteil: Die Zeichen stehen klar auf Neuaufbau in Duval. 2017 war zugleich Head Coach Doug Marrones erste Saison in Florida, 2020 könnte nun schon eine entscheidende und vielleicht letzte für ihn sein. Der Mann, der ihn geholt hat, Executive Vice President of Football Operations Tom Coughlin, ist weg und auch GM David Caldwell - seit 2013 im Amt - hat nicht die beste Bilanz aufzuweisen in seiner Amtszeit. Wer weiß, wie lange die Geduld von Teameigner Shad Khan noch anhält, wenn die sportliche Talfahrt weiter anhält.

Jacksonville Jaguars: Starter-Projection Offense

PositionSpielerPositionSpieler
Quarterback:Gardner Minshew IILeft Tackle:Cam Robinson
Running Back:Leonard FournetteLeft Guard:Andrew Norwell
Wide Receiver:Chris ConleyCenter:Brandon Linder
Wide Receiver:DJ CharkRight Guard:AJ Cann
Slot-Receiver:Dede WestbrookRight Tackle:Jawaan Taylor
Tight End:Tyler Eifert

Jacksonville Jaguars: Starter-Projection Defense

PositionSpielerPositionSpieler
Edge:Josh AllenCornerback:Rashaan Melvin
Defensive Tackle:Abry JonesCornerback:DJ Hayden
Defensive Tackle:Taven BryanSlot-Cornerback:CJ Henderson
Edge:Yannick NgakoueSafety:Ronnie Harrison
Linebacker:Myles JackSafety:Jarrod Wilson
Linebacker:Joe Schobert

Jaguars-Kader: Stärken, Schwächen und Beobachtungen

  • Das teure Missverständnis aus dem Vorjahr, Quarterback Nick Foles, ist zumindest personell ausgeräumt. Der letztjährige Sechstrundenpick Gardner Minshew darf daher in dieser Spielzeit zeigen, dass seine durchaus erfrischende Rookie-Saison kein Ausrutscher im positiven Sinne war. Allerdings sei auch erwähnt, dass Minshew keinesfalls eine Offenbarung war. In allen möglichen Metriken fand er sich im unteren Drittel aller Quarterbacks wieder und muss sich gewaltig steigern im zweiten Jahr, um eine zukünftige Beschäftigung als Starter zu rechtfertigen.
  • Positiv für ihn ist jedoch, dass mit Chark und Co. seine Receiver des Vorjahres zurück sind und Minshew gerade mit Chark gute Chemie zeigte. Helfen könnte in Zukunft auch Zweitrundenpick Laviska Shenault, der mit einem guten Camp sogar selbst Conley oder auch Westbrook im Slot unter Druck setzen könnte.
  • Unter besonderer Beobachtung steht in diesem Jahr - und eigentlich schon davor durch sein zum Teil teamschädigendes Verhalten - Running Back Leonard Fournette. Der Erstrundenpick von 2017 geht in sein finales Vertragsjahr, nachdem die Jaguars seine Option für die Saison 2021 erwartungsgemäß verstreichen ließen. Das Laufspiel ist ohnehin keine Stärke der Jaguars gewesen, doch auch Fournette selbst half nicht wirklich mit und ist in Sachen DYAR und DVOA unter allen Running Backs nicht mal in den Top 30 anzutreffen. Im Passspiel wiederum schaffte er es nicht mal in die Top 40.
  • Ein Upgrade erhalten die Jaguars durch Tight End Tyler Eifert, der 2019 erstmals seit 2015 wieder alle 16 Spiele einer Saison absolviert hat. Bleibt er auch in der kommenden Spielzeit fit, könnte er gerade über die Mitte Minshew merklich helfen. In diesem Bereich des Feldes war der junge QB noch sehr roh und präsentierte sich im Liga-Schnitt eher unterdurchschnittlich.
  • Wirklich geglänzt hat Minshew bislang eigentlich nur bei Pässen, die zwischen 10 und 20 Air Yards flogen und eben bei Deep Balls (mehr als 20 Air Yards) auf die Seiten. Mit Chark, Conley und Shenault ist die Offense insofern also gut bestückt.
  • Die größere Blutauffrischung erhielt in dieser Offseason allerdings die Defense. Mit Linebacker K'Lavon Chaisson und Cornerback CJ Henderson kamen gleich zwei Erstrundenpicks, die beide auch direkt je nach Personnel-Set starten werden. Chaisson wäre der Sam-Linebacker, während Henderson im Backfield den Slot besetzen würde.
  • Jacksonville war sowohl gegen den Lauf als auch gegen den Pass eines der schlechtesten Teams der Liga. Beide Defizite wurden in der Offseason angegangen. In der Secondary kam in etwa Cornerback Melvin aus Detroit, um den Abgang des nach Los Angeles getradeten Jalen Ramsey irgendwie aufzufangen. Zudem wird Linebacker Schobert sowohl gegen den Lauf als auch gegen den Pass (9 Passes Defensed 2019) mehr Stabilität in die Mitte des Feldes bringen. Er kam aus Cleveland.
  • Eine neuerliche Baustelle droht an der Front: Edge-Rusher Yannick Ngakoue hat seinen Franchise Tender noch nicht unterschrieben und eine Vertragsverlängerung ist nicht in Sicht. Da es laut GM Caldwell bislang auch noch keine Trade-Angebote für den talentierten Verteidiger gab, herrscht hier Stillstand. Zum einen ist es unklar, ob er unter dem Franchise Tag spielen würde, zum anderen, wer ihn ersetzen kann - sowohl im Fall eines Nicht-Erscheinens als auch im Fall eines Trades. In jedem Fall droht ein weiterer massiver Qualitätsverlust nachdem ein solcher mit dem Trade von Calais Campbell nach Baltimore bereits festzustellen war. Geht Ngakoue, wäre Chaisson wohl schnell in einer prominenteren Rolle gefordert.
  • Da diese Saison ohnehin unter dem Zeichen des Neuaufbaus steht, besteht die Chance, dass Marrone den jüngeren Spielern eine Chance gibt. Mit Defensive Tackle Davon Hamilton und Linebacker Shaquille Quarterman kamen zwei recht hohe Draftpicks ins Team, die Potenzial mitbringen, ebenfalls zeitnah in die Starter-Rolle zu rutschen. Auch Corner Josiah Scott ist ein Anwärter für eine ordentliche Portion Einsatzzeit.

Erstmals seit 2002 erreichten die Titans wieder das AFC Championship Game, nachdem sie durch einen fulminanten Schlussspurt eine Wildcard ergattert hatten. Hauptgrund für diesen Höhenflug war zweifelsohne Quarterback Ryan Tannehill, der wie Running Back Derrick Henry - beide hatten auslaufende Verträge - auch 2020 im Team stehen wird.

Andernorts wiederum gab es durchaus Veränderungen auf Schlüsselpositionen. Der Championship-Game-Run des Vorjahres aber dürfte zumindest mal Head Coach Mike Vrabels Standing in Nashville nachhaltig gefestigt haben. Nun gilt es, den Vorjahreserfolg aber auch zu bestätigen - oder wird hier eine Eintagsfliege entlarvt?

Tennessee Titans: Starter-Projection Offense

PositionSpielerPositionSpieler
Quarterback:Ryan TannehillLeft Tackle:Taylor Lewan
Running Back:Derrick HenryLeft Guard:Rodger Saffold
Wide Receiver:Corey DavisCenter:Ben Jones
Wide Receiver:AJ BrownRight Guard:Nate Davis
Slot-Receiver:Adam HumphriesRight Tackle:Dennis Kelly
Tight End:Jonnu Smith

Tennessee Titans: Starter-Projection Defense

PositionSpielerPositionSpieler
Defensive End:Jeffery SimmonsEdge:Vic Beasley
Nose Tackle:DaQuan JonesCornerback:Adoree' Jackson
Defensive End:Jack CrawfordCornerback:Malcolm Butler
Edge:Harold LandrySafety:Kenny Vaccaro
Linebacker:Rashaan EvansSafety:Kevin Byard
Linebacker:Jayon Brown

Titans-Kader: Stärken, Schwächen und Beobachtungen

  • Tannehills Mobilität und der vermehrte Einsatz von Play Action haben dafür gesorgt, dass das Passspiel der Titans explosiver auftrat als es die Offensive Line suggerierte. Selbige ließ eine Adjusted Sack Rate von erschreckenden 11,2 Prozent zu - mit deutlichem Abstand der schlechteste Wert der Liga. Erschwerend hinzu kommt nun, dass mit Jack Conklin einer der besten Right Tackles der NFL abgewandert ist. Dennis Kelly war im Vorjahr noch Backup und muss nun große Fußstapfen füllen.
  • Entsprechend wird es auch spannend zu sehen, wie sich diese Veränderung aufs Laufspiel auswirkt. Die O-Line der Titans, so durchwachsen sie auch im Pass-Blocking war, glänzte umso mehr im Run-Blocking - 4,65 Adjusted Line Yards stehen hier zu Buche (Platz 4 in der Liga).
  • Grundsätzlich brauchen die Titans und Tannehill für ihre Offense Zeit zum Werfen, denn gerade Brown kommt besonders mit seinem Speed zur Geltung, wie vor allem die vergangenen Playoffs eindrucksvoll gezeigt haben. Tannehill hatte im Schnitt 2,9 Sekunden zum Pass - der fünftbeste Wert der Liga. Eben aufgrund der vielen Play-Action-Plays und dank seiner Mobilität.
  • Die Frage ist jedoch, inwieweit Tannehill sein sehr hohes Niveau halten kann. Der QB legte in seinem ersten Jahr in Tennessee ein für seine Verhältnisse schier unglaublich hohes Niveau an den Tag und belegte allein mit seinem Total QBR von 62,2 den neunten Rang in der Liga. Darüber hinaus toppte er durch die Bank diverse Bestmarken aus seinen sechs Spielzeiten (2017 verpasste er verletzt komplett) in Miami. Nun muss zumindest bezweifelt werden, ob dies nun seine neue Baseline ist oder doch nur eine sehr positive Anomalie.
  • Was Henry, das Workhorse dieses Teams, angeht, ist ebenfalls Vorsicht geboten. Sein Workload 2019 überstieg alles, was er bis dahin geleistet hatte. Er kam allein in der Regular Season auf 303 Carries (215 im Jahr davor) und legte in den Playoffs nochmal 83 drauf. Offensive Coordinator Arthur Smith kündigte daher bereits an, den Fuß bei Henry je nach Spielsituation vom Gas zu nehmen. Mit Darryton Evans wurde entsprechend ein Running Back recht früh im Draft (3. Runde) gezogen, der womöglich auch Henrys Nachfolger werden könnte, sollte dieser im kommenden Jahr als Free Agent gehen. Plus: Ein möglicher Einbruch bei Tannehills Leistungskurve würde auch direkt Henry betreffen.
  • Ein wichtiger Aspekt dieser Offense, der im Vorjahr auch verletzungsbedingt zu kurz kam, war Slot-Receiver Humphries. Mit nur 37 Catches (47 Targets) war er kein großer Faktor dieser Offense. Will man letztlich mit der guten Konkurrenz Schritt halten, sollte man diese offensichtliche Stärke besser einsetzen und ihn in Gang bekommen. Mit Humphries als größerem Teil dieser Offense wäre man eventuell auch weniger auf erfolgreiche Deep Balls angewiesen, die in aller Regel nicht immer ankommen und eben dann für Druck bei den weiteren Downs sorgen.
  • In der Defense wiederum hoffen die Titans auf eine volle Saison von Jeffery Simmons, der seine Rookie-Saison auf IR begonnen hatte. In der zweiten Saisonhälfte dann zeigte er zumindest schon mal Ansätze von dem, was er bei voller Fitness liefern kann. Da die Titans ihre langjährige D-Line-Säule Jurrell Casey per Trade nach Denver abgegeben haben, rutscht Simmons automatisch in eine größere Rolle.
  • In der Front Seven kam es zudem zu einigen Umbauarbeiten. Jack Crawford soll die D-Line verstärken, während der Pass-Rush durch Vic Beasley, der wie Crawford aus Atlanta kam, aufgefrischt werden soll. Gerade der Pass-Rush schwächelte im Vorjahr und sorgte für gehörigen Druck auf die Secondary, wo die Defizite der Titans-Defense offenbar wurden (11 Prozent DVOA gegen den Pass/Platz 21).
  • Die Secondary steht an sich, doch wirft sie ein großes Fragezeichen auf: Wer spielt im Slot? Im Vorjahr war dies noch eindeutig Logan Ryan, der aber mittlerweile Free Agent ist und sich mit seinen Gehaltsforderungen selbst ins Abseits gestellt hat. Insofern bleibt diese Planstelle zunächst offen. Kandidaten gibt es allerdings zu Genüge. Adoree' Jackson könnte übernehmen, womit Neuzugang Johnathan Joseph (Houston) auf dessen linke Seite rücken würde. Rookie Kristian Fulton (2. Runde) wäre eine weitere Alternative, ebenso Backup-Safety Amani Hooker. Außenseiterchancen hat darüber hinaus Siebtrundenpick Chris Jackson.
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