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NFL: Bears im Quarterback-Dilemma: Ist Foles das erhoffte Upgrade?

SPOX-Logo SPOX 05.06.2020 Marcus Blumberg

Die Chicago Bears haben 2019 einen Schritt zurück gemacht. Hauptgrund dafür ist Quarterback Mitchell Trubisky, der nun mutmaßlich von Nick Foles ersetzt werden soll. Doch ist jener die erhoffte Verstärkung, um wieder in die NFL-Playoffs zu kommen? Und wenn nicht, wackelt dann auch Head Coach Matt Nagy?

Chicago Bears 2019: Mitchell Trubisky als Hauptproblem

Die Chicago Bears beendeten die Saison 2019 mit einer 8-8-Bilanz und verpassten damit selbstredend die Playoffs. Hauptgrund dafür - und hierzu muss man kein Experte sein - war die Offense und speziell das Spiel von Quarterback Mitchell Trubisky. Die Offense produzierte im Schnitt 17,5 Punkte, der viertschlechteste Wert in der NFL.

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Und das lag nicht etwa an einem schlechten Scheme oder einer veralteten Philosophie. Head Coach Matt Nagy ist ein Schüler von Andy Reid (Kansas City Chiefs). Will heißen: Er denkt offensiv äußerst progressiv und weiß um die Vorteile des Passspiels, speziell in "Early Downs".

Die Bears warfen die siebtmeisten Pässe in Early Downs in der NFL. Einzig, sie machten kaum etwas daraus. Laut Sports Info Solutions rangierten sie auf Platz 29 in Early Downs in Sachen EPA pro Dropback - dass sie auch nur 27. in EPA pro Laufversuch in den frühen Versuchen waren, rundete die insgesamt schlechte Vorstellung nur noch ab.

Trubisky wiederum ist Gallionsfigur dieser traurigen Vorstellung. Er gehörte schlicht zu den schlechtesten Quarterbacks der abgelaufenen Saison - und das durch die Bank. In Total QBR, Average Net Yards per Attempt (ANY/A) und DVOA ist er jeweils weit unten in den Ranglisten zu finden, in Sachen EPA pro Dropback sogar auf Rang 32. Unterm Strich also viel zu wenig.

Mitchell Trubisky im Liga-Vergleich 2019

StatistikLiga-Rang
QBR31.
ANY/A30.
DVOA27.
EPA/Dropback32.

Mehr zum Thema Analytics und EPA in der NFL findet Ihr hier!

Chicago Bears 2020: Offener Quarterback-Wettbewerb

Die Bears erkannten nach der Saison zumindest mal offiziell an, dass Trubisky vielleicht nicht die Antwort für die Zukunft sein wird. Ihre unmittelbare Reaktion: Sie ließen die Option für ein fünftes Jahr im Rookie-Vertrag des einstigen Erstrundenpicks verstreichen. 2020 wird also sein letztes Vertragsjahr.

Zudem holten sie per Trade Nick Foles von den Jacksonville Jaguars. Foles hatte vor drei Jahren mit den Philadelphia Eagles überraschend den Super Bowl gewonnen und bekam mit einjähriger Verzögerung 2019 seinen großen Zahltag in Jacksonville. Freilich endete dieses Intermezzo fast schon desaströs - Foles brach sich schon zu Saisonbeginn das Schlüsselbein und verlor ultimativ seinen Job an Sechstrundenpick Gardner Minshew, der sich in Foles' Abwesenheit in den Vordergrund spielte und auch in der kommenden Saison als Starter agieren wird.

Foles und sein beträchtliches Restgehalt - fast 20 Millionen Dollar stehen ihm 2020 und 2021 noch garantiert zu - sollen nun helfen, die Offense der Bears zu verbessern.

Offiziell allerdings steht Foles noch nicht als Starter in der Depth Chart. Zunächst hieß es, Trubisky sei weiterhin die 1, Foles ein sehr guter Backup. Mittlerweile jedoch erklärte General Manager Ryan Pace, dass es einen offenen Wettbewerb im Camp um den Starter-Posten geben werde. Sowohl Trubisky als auch Foles sollen im Training und in der Preseason mit den Startern spielen und es unter sich ausmachen. Ende - zumindest offiziell - offen.

Chicago Bears: Ist Nick Foles das erhoffte Upgrade zu Mitchell Trubisky?

Keiner will es offen zugeben, aber es darf zumindest mal stark vermutet werden, dass die Bears nach nunmehr drei Jahren von Trubisky in Chicago vielleicht doch eingesehen haben, dass der Quarterback wohl nicht die Lösung für die Zukunft ist. Trubisky spielte eine ordentliche Sophomore-Saison 2018 und gewann elf seiner 14 Starts. Die Hoffnung keimte auf, dass er den nötigen Sprung in die Liga nach einer durchwachsenen Rookie-Saison geschafft hätte.

Jahr drei in der Liga war dann jedoch ein merklicher Rückschritt. Seine Fehlerquote mag auf dem Papier nicht sonderlich hoch gewesen sein - nur zehn Interceptions bei 516 Passversuchen - doch verlegte er sich zumeist auf kurze, sichere Pässe. Deep Balls dagegen kamen recht selten und noch seltener an. Das mag auch dem Scheme und dem Personal geschuldet sein, aber insgesamt attestierte Head Coach Matt Nagy seinem Schützling, Nachholbedarf im Lesen von Coverages zu haben.

Foles nun kommt mit seinem schillernden Super-Bowl-Ring in die Windy City und wird voraussichtlich früh in der Saison den Starter-Job übernehmen. Aber ist er auch das erhoffte Upgrade?

Für ihn spricht, dass die Eingewöhnung trotz Corona und den nicht vorhandenen Mini-Camps im Sommer leichtfallen dürfte. Er kennt Nagy aus zwei gemeinsamen Jahren in Philly (2012) und Kansas City (2016). Gleiches gilt für Offensive Coordinator Bill Lazor, der sein QB Coach 2013 in Foles' bester Saison in der NFL war. Und QB Coach John DeFilippo coachte Foles 2017 beim Super-Bowl-Sieg in gleicher Rolle.

Nahezu alle wichtigen Coaches, die Foles in seinen wenigen guten Jahren in der Liga hatte, sind nun in Chicago versammelt. Die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Saison von Foles sind also geschaffen. Das mag dann auch erklären, warum gerade Foles den Vorzug zu vermeintlich besseren QB-Alternativen auf dem Markt erhielt.

Ob dieser nun ein deutliches Upgrade zu Trubisky sein kann, wird aber erst geklärt, wenn wir ihn dann tatsächlich auf dem Platz sehen. Denn den wahren Grund für seine Ausnahme-Phasen in der Liga kennt niemand. Waren es wirklich die Coaches oder vielleicht doch die immer wieder sehr guten Mitspieler?

Chicago Bears: Sind mit Nick Foles die Playoffs drin?

Die Bears stellten im Vorjahr die achtbeste Defense (-7,2 Prozent DVOA) der NFL laut Football Outsiders. Nur zwei Teams vor ihnen in dieser Statistik erreichten ebenfalls nicht die Playoffs - die Pittsburgh Steelers (3.) und die Tampa Bay Buccaneers (5.). Offensiv dagegen belegten sie nur Rang 25 (-10,1 Prozent DVOA).

Reicht es nun mit ein paar Veränderungen im Kader und mutmaßlich Foles als Starter für die Playoffs? Offensiv kommen essenziell ausgenommen vom QB nur drei neue Starter auf den Platz - Right Guard Germain Ifedi sowie die Tight Ends Jimmy Graham (Free Agent) und Cole Kmet (2. Runde des Drafts). Alle anderen sind Überbleibsel der Vorsaison.

Auf den Skill-Positionen findet sich mit Wide Receiver Allen Robinson sowie David Montgomery im Backfield durchaus Potenzial, doch die Offensive Line war zuletzt keine große Hilfe. Im Run Blocking war sie zu schwach (3,86 Adjusted Line Yards/Platz 29) und im Pass Blocking zu löchrig (7,3 Prozent Adjusted Sack Rate/Platz 21). Ob ein neuer Guard allein alle Probleme beseitigen wird, ist zu bezweifeln.

Eine stabilere Quarterback-Leistung wäre von Vorteil und sollte es dem Coaching Staff erneut gelingen, Foles' Defizite zu verstecken und seine Stärken zur Geltung kommen zu lassen, wäre ein Sprung drin. Angesichts seiner sonst eher durchwachsenen Leistungen in der NFL - 2013 und der Playoff-Run 2017 sind Anomalien in Foles' achtjähriger Karriere - ist das aber kaum garantiert.

Auf dem Papier wirkt Foles wie ein weiteres Risiko auf der Quarterback-Position. Eines mit durchaus vorhandener Upside, die auch schon phasenweise zu bestaunen war, aber keiner Baseline, die sonderlich höher liegt als die von Trubisky, der noch dazu günstiger ist und nach der Saison schon ohne Mehrkosten weg sein könnte.

Chicago Bears: Was wären die Konsequenzen einer weiteren enttäuschenden Saison?

Matt Nagy geht in sein drittes Jahr als Head Coach der Bears, Ryan Pace ist bereits seit 2015 General Manager des Teams und Nagy sein zweiter Coach. Die Bilanz der beiden zusammen lässt sich durchaus sehen: 2018 gewannen die Bears die NFC North (12-4) und unterlagen erst in den Playoffs Foles und den Eagles im berüchtigten Double-Doink-Spiel in den Wildcard Playoffs. Die 8-8-Saison im Vorjahr war ein Rückschritt, aber insgesamt sollten beide noch sicher im Sattel sitzen - obgleich 2018 auch für Pace die einzige Playoff-Teilnahme bislang darstellte - es war insgesamt die einzige Playoff-Teilnahme der Bears seit 2010. Und die drei Jahre unter Coach John Fox (2015 bis 2017) waren schlicht verlorene.

Was passiert also, sollte sich auch mit Foles, der unzweifelhaft auf Wunsch des Trainerstabs anderen vorgezogen wurde - obgleich wohl auch ein paar größere Namen dankend abgewinkt haben -, kein Erfolg einstellen?

Es sähe zumindest mal nicht gut aus für Pace, wenn er nach sechs Jahren im Amt einen dritten neuen Coach installieren müsste. Dennoch steht Nagy nun besonders unter Druck. Er hat seinen offensiven Trainerstab generalüberholt und seine Wunsch-Lieutenants bekommen, dazu mutmaßlich seinen Wunsch-Quarterback. Nun muss er liefern, um sich die Kritiker, die sicher schon in den Startlöchern stehen, vom Hals zu halten.

Ein Sicherheitsnetz aber bleibt Nagy und Pace in jedem Fall: Sollte auch die kommende Saison zur Enttäuschung werden, hätte man zumindest seit dem Trade für Khalil Mack 2018 mal wieder einen Erstrundenpick im kommenden Draft.

Chicago Bears: Das Risiko des Scheiterns ist hoch

Unterm Strich gehen die Chicago Bears vor allem mit neuen Assistenz-Coaches in die kommende Spielzeit. Die größte Veränderung am Kader ist dabei der voraussichtliche Wechsel auf Quarterback, der allerdings keine Garantie liefert, dass dieser ein großes Upgrade auf der Schlüsselposition mit sich bringt.

Die Bears hoffen, dass sie mit den früheren Erfolgs-Coaches von Foles aus diesem nochmal das Beste herausholen und damit die vorhandenen Defizite der Offense übertünchen können. Damit und mit einer immer noch imposanten Defensive sollen die Playoffs erreicht werden. Aber hier könnte der Wunsch der Vater des Gedanken bleiben.

Zu groß ist das Risiko, dass Foles seine bisher zumeist überschaubaren Leistungen auch nach Chicago bringt und die Bears damit weiterhin im Mittelmaß unterwegs sind.

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