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NFL: Gase muss weg - Saison für 49ers gelaufen? 10 Erkenntnisse aus Week 2

SPOX-Logo SPOX 21.09.2020 Adrian Franke

Die San Francisco 49ers schauen nach Woche 2 auf die Scherben des Spieltags und womöglich der Saison, während die Chargers Mahomes ärgern. Die Eagles patzen abermals, die Cowboys haben in einem absurden Spiel Glück und die Seahawks und Patriots bestätigen ihre Stärken - und ihre Schwächen. SPOX-Redakteur Adrian Franke bringt euch ab dieser Saison schon am Montag auf Stand, mit seinen zehn wichtigsten Punkten und Einschätzungen zum NFL-Sonntag.

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt zurück auf die wichtigsten Erkenntnisse zum Woche-2-Sonntag in der NFL. © Bereitgestellt von SPOX SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt zurück auf die wichtigsten Erkenntnisse zum Woche-2-Sonntag in der NFL.

1. Bosa, Garoppolo, Mostert: Wie geht es weiter für die 49ers?

"Ist die Saison für San Francisco im Prinzip gelaufen?"

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Keine Frage kursierte nach dem Sonntag häufiger in den sozialen Medien - und das war durchaus verständlich. Die Niners wurden auf dem unbeliebten Geläuf des New Yorker MetLife Stadiums besonders hart von Verletzungen getroffen: Solomon Thomas und Nick Bosa haben sich je voraussichtlich das Kreuzband gerissen, Running Back Raheem Mostert hat eine leichte Knieblessur erlitten und Quarterback Jimmy Garoppolo droht eine Zwangspause von vier bis sechs Wochen aufgrund einer Knöchelverletzung.

All das zusätzlich zu Wide Receiver Deebo Samuel, der infolge seines Offseason-Fußbruchs wohl einen leichten Rückschlag hatte und weiterhin ausfällt, Richard Sherman, der auf die Injured-Reserve-Liste gesetzt wurde und George Kittle, dessen Knieverletzung ihn vorübergehend außer Gefecht setzt.

Bei den Verletzungen aus dem Jets-Spiel stechen zwei Namen selbstredend besonders hervor: Bosa war als Rookie bereits ein Top-10-Edge-Rusher und ein elementarer Mitgrund dafür, dass San Franciscos Defense im Vorjahr einen Quantensprung machte. Und dann ist da Garoppolo, der gegen Arizona einen schwachen Saisonstart hatte, sich gegen die Jets aber schon deutlich besser präsentierte.

Zweifellos ist Shanahan einer der besten Offense-Coaches in der NFL, gerade auch wenn es darum geht, Quarterbacks die Arbeit so leicht wir möglich zu machen - dennoch wird San Francisco hier mit Nick Mullens einen deutlichen Leistungsabfall spüren, insbesondere über einen längeren Zeitraum. Defensiv derweil stellte sich ohnehin die Frage, ob die Secondary ihre starke Vorsaison wiederholen kann - ohne Bosa, ohne Thomas und ohne DeForest Buckner, der in der Offseason nach Indianapolis abgegeben wurde, wird man nicht das Sicherheitsnetz eines dominanten 4-Men-Rushs haben. Das könnte die Coverage notgedrungen eindimensionaler und die Defensive so insgesamt anfälliger machen.

Ist die Saison für den amtierenden NFC-Champion also bereits nach zwei Spielen mehr oder weniger gelaufen, zumindest was die ganz großen Ziele angeht? Die realistische Einschätzung, sollten sich die Diagnosen bestätigen, muss wohl Richtung Ja gehen. Shanahan kann Offense kreieren, doch auch er hat eine negative Head-Coach-Bilanz ohne Garoppolo. Und ohne eine dominante Defense wird die Offense noch stärker unter Druck stehen.

Die Niners werden selbst dann noch Spiele gewinnen über die nächsten fünf Wochen - unter anderem die Giants und Dolphins stehen demnächst an -, doch nicht mit der notwendigen Konstanz. Die realistischste Prognose: In einer sehr kompetitiven Division und Conference wird San Francisco in sechs Wochen bereits zu weit zurückliegen.

2. Herbert und wie die Chargers die Chiefs ärgerten

Es war definitiv der kurioseste Start in ein Spiel am Sonntag: Im Prinzip mit dem Kick-Off wurde bekannt, dass Rookie Justin Herbert und nicht Tyrod Taylor für die Chargers starten würde. Coach Anthony Lynn verriet nach dem Spiel, dass er direkt vor dem Münzwurf erst erfahren hatte, dass Taylor nicht spielen kann und der Quarterback befand sich nach der Partie aufgrund von Problemen im Brustbereich bereits zu Untersuchungen im Krankenhaus.

Auch wenn Lynn nach der Partie erklärte, dass Taylor der Starter sei, "wenn er bei 100 Prozent ist", so sollte dieser Zustand nicht allzu lange anhalten - Herbert nämlich war eine der positiven Überraschungen des Spieltags. Es ist schlicht nicht zu rechtfertigen, den wenig inspirierenden Taylor starten zu lassen, wenn Herbert bereits so weit ist, wie er es gegen die Chiefs andeutete.

Zwar hatte der Rookie die erwartbaren Wackler, verfehlte einige Receiver und ließ ein paar Möglichkeiten ungenutzt. Doch Herbert hatte auch mehrere absolut sehenswerte Pässe, attackierte aggressiv Downfield, blieb gegen Pressure mit den Augen bei seinen Receivern und schien mit der Situation keineswegs überfordert. Die Offense wirkte deutlich runder und gefährlicher als mit Taylor in der Vorwoche gegen Cincinnati.

Für Chargers-Fans ist das die große positive Erkenntnis dieses Spieltags, trotz der knappen Niederlage. Dass L.A. so lange im Spiel war, lag allerdings maßgeblich an einer glänzend aufspielenden Chargers-Defense, die Patrick Mahomes und die Chiefs-Offense vor echte Probleme stellte.

60 Passing-Yards, 3,2 Yards pro Pass, 42 Prozent angebrachte Pässe - so las sich Mahomes' Stat-Line in der ersten Hälfte. Man konnte förmlich dabei zusehen, wie die Chargers defensiv immer müder wurden und den Pace schlicht nicht aufrechthalten konnten, doch davor waren sie verantwortlich für eine der schlechtesten NFL-Hälften in Mahomes' Karriere. Und wie im Super Bowl für die 49ers-Defense war der 4-Men-Pressure der Schlüssel.

Die Chiefs konnten Bosa - der den sonst so verlässlichen Mitchell Schwartz immer wieder schlug -, Ingram und Jerry Tillery nicht blocken, Mahomes stand etwa ab dem dritten Drive permanent schnell unter Druck. Die Chargers ließen teilweise Bosa und Ingram von der gleichen Seite rushen und gewannen dann ihre Eins-gegen-Eins-Duelle auf der anderen Seite, sie schoben alle Pass-Rusher permanent herum und hatten enormen Erfolg ohne zu blitzen.

KC war von Anfang an ohnehin wieder einmal bemüht, den Ball schnell zu werfen - mehrere Drops seiner Receiver halfen Mahomes wenig, darüber hinaus spielten die Chargers extrem schnell auf dem Second Level und lasen die sonst so gefährlichen Screens exzellent.

Dennoch steht auch eine andere Seite der Medaille bei diesem Takeaway: Selbst wenn man die Chiefs-Offense für eine Halbzeit nahezu ausschaltet, heißt das für den Ausgang der Partie absolut überhaupt nichts. So stark ist diese Offense.

Erwähnt sei hier noch die Entscheidung von Anthony Lynn, den Ball bei Fourth-and-1 an der eigenen 34-Yard-Line in Overtime zu punten. Patrick Mahomes gegen eine sichtbar erschöpfte Chargers-Defense den Ball zurück zu geben, wenn KC nur ein Field Goal zum Sieg braucht, war nicht das Ende, das Lynns Team für diesen Auftritt verdient hatte.

3. Giants verlieren Saquon Barkley

Kein Team wurde individuell härter getroffen als die 49ers - doch die Verletzungen schlugen in Woche 2 ligaweit heftig zu. Die Broncos müssen vorerst ohne Quarterback Drew Lock auskommen, die Colts verloren Wide Receiver Parris Campbell, die Rams Running Back Cam Akers, die Dolphins Cornerback Byron Jones, und für Ravens-Corner Tavon Young ist die Saison mit einer Knieverletzung beendet, um nur einige zu nennen. Ganz Carolina erwartet derweil die Ergebnisse zur Knöchelverletzung von Christian McCaffrey, hier aber herrscht wohl Optimismus.

Bei Saquon Barkley ist die Sachlage da anders: Hier gibt es bereits übereinstimmende Berichte, wonach alles auf einen Kreuzbandriss hindeutet. Am Montag dürften nur noch letzte Zweifel beseitigt werden. Für die Giants könnte ein ohnehin schwaches, wenig kreativ designtes Run Game in einer Offense mit wenigen echten Matchup-Waffen jetzt komplett eingehen - bereits mit Barkley sah man gegen Pittsburgh in Woche 1 überhaupt kein Land und das setzte sich gegen die Bears am Sonntag fort.

New Yorks Offensive Line hat enorme Probleme, und Barkley mit seiner Athletik und Dynamik als Runner, aber gerade auch als Receiver - wo ihn die Giants bislang über die ersten eineinhalb Spiele vielseitig einsetzten - kann helfen, Lücken zu kaschieren. Solange es nicht dermaßen üble Lücken sind wie etwa gegen Pittsburgh. Als Dump-off-Receiver und Motion-Option ist er ein Sicherheitsnetz für Daniel Jones.

Gleichzeitig geht Barkley 2021 in das letzte Jahr seines Rookie-Deals, und die Giants scheinen in ihrer generellen Teamentwicklung nicht weiter als 2018, als Barkley gedraftet wurde und bei all seinen unbestreitbaren Qualitäten hat Barkley wenig dazu beitragen können, eine Weiterentwicklung zu initialisieren. Wie bewertet man diesen Pick heute in New York? Und wie womöglich nach der Saison?

Der 2017er Viertrunden-Pick Wayne Gallman sowie Dion Lewis stehen für den Moment noch im Kader. Ein Free Agent wie Devonta Freeman könnte jetzt hier einen Platz finden. Die Giants haben ihre Offense maßgeblich um Barkley herum aufgebaut, und es wird für Joe Judge und auch Jason Garrett eine Herausforderung sein, offensiv umzudenken. Es ist auch ein Test für die G-Men, wie wertvoll Barkley wirklich für sie ist.

4. Die New York Jets müssen Adam Gase feuern

Diesen Punkt kann man vergleichsweise kurz halten. Eine taktische Analyse gab es bereits letzte Woche, aber hier ist die ganz simple Wahrheit: Es ist schwer, Argumente zu finden, warum Adam Gase nicht noch diese Woche von den New York Jets entlassen werden sollte. Selbst in die Richtung zu gehen, dass Kontinuität wichtig ist, auch für Darnolds Entwicklung, hilft ihm hier nicht - lieber keine Kontinuität als Woche für Woche das Gefühl, dass das Endergebnis noch geringer ist als die Summe der Teile.

Den Eindruck hatte man auch wieder gegen die 49ers. Und das war nicht irgendein Spiel: San Francisco war unter anderem bereits ohne George Kittle, Deebo Samuel, Weston Richburg und Richard Sherman in die Partie gegangen und verlor dann im Laufe des Spiels die Pass-Rusher Nick Bosa und Solomon Thomas, sowie Quarterback Jimmy Garoppolo und Running Back Raheem Mostert verletzungsbedingt. Und trotzdem war es nicht einmal knapp.

Die Jets ließen Big Plays im Run Game zu, wurden immer wieder von Shanahans Play-Designs überrumpelt und fanden trotz all der Ausfälle offensiv lange überhaupt nicht statt. Egal ob über das Run Game oder mit kurzen Pässen bei langen Third Downs, ob bei unkreativen offensiven Play-Designs oder ängstlichen In-Game-Entscheidungen wie dem absurden Field Goal spät im Spiel, weil Gase im dritten Viertel ein paar positive Vibes kreieren wollte. Bei 3:24 im Rückstand macht ein Field Goal aber nun einmal vor allem aus einem 3-Possession-Rückstand einen - nun, 3-Possession-Rückstand.

Adam Gase hat als Head Coach jetzt eine Bilanz von 30 Siegen und 37 Niederlagen, die 13:31-Pleite am Sonntag war für ihn die 29. Niederlage mit zweistelligem Rückstand sowie die 24. Niederlage mit mindestens zwei Touchdowns weniger als der Gegner. So wie sich Gang Green über die ersten beiden Spiele präsentiert hat, lässt sich nur eine Schlussfolgerung ernsthaft ziehen: Dieses Team ist auf der Überholspur Richtung Nummer-1-Pick und Gase hat kein gewichtiges Argument auf seiner Seite. Die Jets brauchen einen Neustart, und ein Aufschub hilft niemandem.

5. Für welche Playoff-Anwärter hängt die Saison am seidenen Faden?

Minnesota Vikings (0-2): Gegen die Packers war es eine extrem anfällige Defense mit einer konservativen, sich selbst limitierenden Offense, die erst zu Stats kam, als Green Bay mit deutlicher Führung defensiv passiver wurde. Gegen Indianapolis war es eine wacklige Defense, die bei einem Drop von T.Y. Hilton Glück hatte - vor allem aber eine, und das kann man nicht deutlich genug sagen, desolate Offense. Ultra-konservativ, keine Flexibilität im Play-Calling, Cousins mit großen Problemen in der Pocket und mit seinen Reads. Stefanski scheint hier deutlich mehr zu fehlen als erwartet. Dass Minnesota in der Secondary jung ist und hinter Adam Thielen Receiver-Fragezeichen hat, war klar - nach zwei Wochen muss man konstatieren, das selbst "Liga-Mittelmaß" womöglich ein zu optimistisches Ziel für dieses Vikings-Team ist. Es ist der erste 0-2-Start für Minnesota seit 2013, dem letzten Jahr unter Leslie Frazier.

Philadelphia Eagles (0-2): Es fühlt sich an wie letztes Jahr - eine Bilanz, die in anderen Divisions schon ernsthafter Grund zur Sorge wäre, ist in der NFC East ein Stück davon entfernt. So bleiben auch die Eagles im Rennen, und dennoch ist der 0-2-Start mit drei der nächsten vier Spiele gegen die 49ers, Steelers und Ravens (dazu Cincinnati) mehr als nur ein Warnschuss. Insbesondere mit Blick auf eine Personalie: Carson Wentz. Wentz hatte schon gegen Washington eine teilweise üble Vorstellung und verfehlte auch gegen die Rams einfach viele Würfe, dazu kam ein horrender Pick in glasklare Coverage in die Endzone. Ich hatte letzte Woche als Week-1-Overreaction einen QB-Tausch in Philly im Laufe der Saison prognostiziert. Ich bin mir nicht sicher, wie gewagt die These noch ist.

Houston Texans (0-2): Natürlich war das Auftaktprogramm mit den Chiefs und Ravens denkbar übel - aber die Art und Weise, wie Houston sich dabei präsentierte, ist der besorgniserregende Part. Bill O'Brien zeigt bislang keinen Plan, wie er den Speed in seinem Wide Receiver Corps auch effizient aufs Feld bringt, die Offensive Line präsentiert sich bisher wackliger als letztes Jahr und dann gibt es immer wieder gravierende individuelle Fehler wie der Play-Call bei Fourth Down gegen die Ravens mit einem Bootleg in die attackierende Ravens-Front, oder auch der Fumble von Coutee. Houston hat Talent und einen Top-5-Quarterback, wirkt auf dem Feld aktuell aber ein wenig verloren und ohne übergreifenden Plan.

Detroit Lions (0-2): Letzte Woche war fraglos bitter, genau wie selbstverschuldet. Und gegen Green Bay? Die Defense war dieses Mal gegen den Lauf extrem wacklig, Detroit verspielte wieder eine solide Führung, Matt Stafford warf einen furchtbaren Pick Six und selbst konnten die Lions - obwohl sie es versuchten - nie ein eigenes Run Game aufziehen. Letztes Jahr verlor Detroit beide Spiele gegen die Packers, obwohl man jeweils nie zurück lag - außer eben am Ende. Eine kuriose Stat, die aber auch die Vorsaison versinnbildlicht: Detroit war oft eng mit dabei und hatte auch Pech. Trotz der bitteren Auftaktpleite gegen Chicago fühlt sich diese Lions-Saison anders an. Die Packers derweil sind das klar beste Team in dieser Division.

Denver Broncos (0-2): Es scheint einfach nicht die Saison für die Broncos zu sein. Erst die Verletzung von Von Miller, in Woche 1 dann die Verletzungen von Lindsay und Bouye, Sutton hatte den Auftakt verpasst - und dann verletzte sich gegen Pittsburgh am Sonntag auch noch Quarterback Drew Lock. Wie schwer dessen Schulterverletzung ist, bleibt vorerst abzuwarten, die vorsichtige Prognose schwankt zwischen zwei und sechs Wochen Pause. Was Denver mit Backup Jeff Driskel - begünstigt durch zahlreiche kritische Steelers-Strafen - noch ablieferte, war aller Ehren wert. Doch selbst falls Lock, dessen Entwicklung im Vordergrund steht, nur zwei Wochen ausfällt und auch Sutton, der erneut verletzt raus musste, schnell wieder spielen kann, ist der Spielraum für Fehler absolut minimal geworden. Die Personallage bleibt dünn und als nächstes warten Brady und die Bucs.

6. Die Seahawks lassen Wilson weiter machen

Duelle zwischen den Seahawks und Patriots haben in der jüngeren Vergangenheit selten enttäuscht - der haarscharfe Seattle-Sieg am Sonntagabend machte da keine Ausnahme! Dabei bestätigten beziehungsweise intensivierten sich einige Annahmen zu beiden Teams:

  • Die Seahawks-Offense ist unfassbar stark - wenn Seattle Russell Wilson den Ball in die Hand gibt. "Let Russ cook" war in Woche 1 bei den Falcons bereits ein Erfolg, gegen eine um Welten stärkere Patriots-Secondary war Wilson abermals kaum zu stoppen und verteilte den Ball extrem gut. Trotz des frühen Pick Six, der mitnichten auf Wilsons Kappe ging. Seattle kombinierte gegen die Patriots abermals kurze, offene Pässe über Screens, Rub Routes und viele Motion Plays sehr gut mit den tiefen Shots, insbesondere wenn Lockett oder Metcalf klare Eins-gegen-Eins-Duelle sahen. Davor war auch Stephon Gilmore gegen Metcalf nicht ausgenommen. In Kombination mit Wilsons Scrambling-Fähigkeiten ist es kaum machbar, gegen die Seahawks konstant Man Coverage zu spielen.
  • Bei allem Lob über Seattles Offense sollte allerdings nicht untergehen, wie anfällig diese Defense ist. Das war gegen Atlanta zu sehen und auch Cam Newton mit einem alles andere als schlagkräftigen Receiving Corps pflügte durch diese Secondary. Insbesondere auf Julian Edelman hatten die Seahawks keine Antwort. Das kann gutgehen, weil man Wilson hat - doch Seattle braucht defensiv mehr Stabilität, ansonsten setzt man seine Offense Woche für Woche enorm unter Druck.
  • New England derweil macht weiter Spaß mit seinen Run Packages, seinen Designs für Cam Newton - der abermals elf Mal lief - und wird mit dieser Offense Teams Probleme bereiten können; wenngleich beim allerletzten Play etwas mehr Kreativität angebracht gewesen wäre. Aber wenn die Patriots wirklich im Januar noch Alarm machen wollen, werden sie womöglich abermals auf dem Receiver-Trade-Markt aktiv werden müssen; dieses Mal für einen echten Outside-Receiver.
  • Jakob Johnson ist ein exzellenter Lead-Blocker, der perfekt zu Cam Newton passt. Gegen Seattle wurde er mit seinem ersten Touchdown belohnt!

7. Cowboys vermeiden Fehlstart mit viel Dusel

Ein absurder Onside Kick - bei dem es so wirkte, als hätten die Falcons-Spieler nicht realisiert, dass sie den Ball sichern müssen - rettete die Cowboys am Ende einer furiosen Aufholjagd gegen die Atlanta Falcons. 20:0 hatte Atlanta nach dem ersten Viertel geführt, 29:10 stand es zur Halbzeitpause. Und die Falcons ließen Gelegenheiten liegen, wie etwa das Trick Play, an dessen Ende Julio Jones den Ball nicht kontrollieren konnte. Statt mit einem Touchdown endete dieser erste Drive der zweiten Hälfte mit einem Punt.

Ultimativ hatten die Cowboys also Glück und kamen mit einem blauen Auge davon, der komplette Fehlstart wurde verhindert. Aber man sollte es deshalb nicht als geringeres Warnsignal auffassen: Dallas leistete sich vier Fumbles, hatte zwei überaus kuriose Fake Punts in der eigenen Hälfte - beide gingen schief und nicht zum ersten Mal hatte Prescott hinter einer angeschlagenen Offensive Line sichtbare Probleme, während die eigene Secondary von Matt Ryan phasenweise zerlegt wurde. Immerhin: Rookie-Corner Trevon Diggs hatte einige sehr gute Momente.

Dennoch gilt: Wenn Dallas wirklich oben mitspielen will, darf man sich derartige Fehler wie gegen Atlanta, ob auf dem Feld oder an der Seitenlinie, nicht leisten. Die Falcons derweil sind das erste NFL-Team aller Zeiten, das mit 39 Punkten und ohne eigenen Turnover ein Spiel verliert.

8. Baltimore eine Klasse für sich?

230 Rushing-Yards für Baltimore sind inzwischen schon so vertraut, dass man sich kaum noch darüber wundert. Ein 44-Yarder für J.K. Dobbins, Gus Edwards hatte einen 22-Yard-Run, Lamar Jackson lief 16 (!) Mal für 54 Yards - und auch Mark Ingram trug sich unter anderem mit einem 30-Yard-Run in den Boxscore ein. Die Ravens liefen gegen eine Texans-Defense, die sich defensiv auf die Big Plays durch die Luft fokussierte, im Schnitt für 6,2 Yards pro Run. Houston hatte bei der 16:33-Niederlage zu häufig keine Antwort und nach einem dominanten Auftritt der Passing-Offense in Week 1 dominierten die Ravens dieses Mal wieder am Boden.

Vielleicht kein Touchdown unterstreicht dabei Baltimores DNA besser als der Run von Ingram zu Beginn des Schlussviertels, der für das 30:16 und damit die Vorentscheidung sorgte. Es war Fourth-and-1 an der 30-Yard-Line der Texans. Die Ravens hielten gewohnt aggressiv den Fuß auf dem Gaspedal, der Ball ging allerdings nicht an Jackson, den dynamischsten Spieler der Liga.

© Bereitgestellt von SPOX

Es war stattdessen ein direkter Snap zu Ingram. Baltimore hatte sein schweres Personal aufs Feld gebracht, doch zur linken Seite hatte Baltimore fünf Blocker gegen fünf Verteidiger, inklusive dem Linebacker auf dem Second Level. Der äußerste Verteidiger an der Line of Scrimmage (EMOL) wird dabei nicht direkt geblockt, ihn übernimmt der Fullback als Lead-Blocker. Dafür können der Tight End und der Lineman (Nummer 86 und 65) sich im Double-Team um den nächsten Verteidiger sowie den Linebacker kümmern.

Das Resultat war ein offener Touchdown-Run für Ingram. Die Chiefs mit ihrer Offense kann man nicht herabstufen, aber der frühe Saisoneindruck geht in die Richtung, dass Baltimore und Kansas City in ihrer eigenen Kategorie spielen.

9. Die Rams sind eine Positiv-Überraschung nach Woche 2

Erst der knappe Sieg über die Cowboys, dann ein ungefährdeter 37:19-Auswärtssieg in Philadelphia: Die L.A. Rams sind nicht nur was die Ergebnisse angeht exzellent in die Saison gestartet. Die Defense präsentiert sich trotz eines massiven Umbruchs deutlich sicherer als womöglich zu befürchten war; vor allem auffällig ist aber, wie verändert sich die Offense im Vergleich zu weiten Teilen der McVay-Ära präsentiert.

Endgültig vorbei scheinen die Tage, als Jared Goff regelmäßig mit tiefen Play-Action-Pässen Defenses attackierte - was sich gegen Dallas bereits angedeutet hatte, setzte sich gegen die Eagles fort: Das ist eine Offense, die deutlich variabler auftritt. Mit viel mehr Kurzpass-Designs, einer ausgeprägten Screen-Play-Action-Kombination und einem deutlich erhöhten Fokus auf Yards nach dem Catch. Goff ist noch viel mehr in die Rolle des Ballverteilers gerutscht, in welcher er sehr gut funktioniert. Auch die Offensive Line wird so entlastet und hinterließ im Run-Blocking gegen Philly einen guten Eindruck.

Die Rams melden nach den ersten beiden Spielen ohne Zweifel ernsthafte Playoff-Ambitionen an.

10. Josh Allens Traumstart in die neue Saison

Bereits gegen die Jets hatte Josh Allen trotz zweier durchaus vermeidbarer Fumbles ein gutes Spiel hingelegt - gegen Miami toppte er diese Leistung. Allen zeigte sich im Vergleich zur Vorsaison abermals deutlich verbessert gerade was das vertikale Passspiel angeht, der Touchdown zu John Brown etwa war absolut mustergültig. Was letztes Jahr noch eine gigantische Schwäche war, sieht über die ersten beiden Spiele deutlich verbessert aus. Als Runner kann er ohnehin immer ein X-Faktor sein, wenngleich manchmal auch in die falsche Richtung.

Das gefährliche Receiver-Trio war gegen Miami in voller Pracht zu bewundern, angeführt von 153 Receiving-Yards von Stefon Diggs - der somit alleine mehr Yards hatte als sein Ex-Team Minnesota am Sonntag gegen die Colts durch die Luft. Die Jets und Dolphins sind sicher nicht der Maßstab für ein Team mit Ambitionen für die Playoffs und Allen macht noch immer zu viele Fehler, die Defenses bestrafen können; aber gerade was die Art der Würfe angeht, die Allen über die ersten beiden Wochen getroffen hat, dürfen Bills-Fans durchaus ein Stück weit optimistischer sein als noch vor drei Wochen.

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