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Löw nennt seine drei EM-Favoriten - sein Team zählt er nicht dazu

WELT-Logo WELT 16.11.2019 Lars Gartenschläger
Timo Werner sorgt auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Weißrussland für einen Fauxpas, als es um die Qualifikation für die EM geht. Matthias Ginter verzeiht dem Leipziger. Quelle: Omnisport © Omnisport Timo Werner sorgt auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Weißrussland für einen Fauxpas, als es um die Qualifikation für die EM geht. Matthias Ginter verzeiht dem Leipziger. Quelle: Omnisport

In einem schwarzen Rolli und einer schwarzen Trainingshose stand er an der Seite und lauschte den Worten von Matthias Ginter. Als Joachim Löw im Raum eins eines Düsseldorfer Hotels selbst auf dem Podium Platz genommen hatte, ließ er kurze Zeit später wissen, dass Abwehrchef Ginter an diesem Samstag im EM-Qualifikationsspiel gegen Weißrussland spielen wird (20.45 Uhr, im Sport-Ticker der WELT).

Was die Aufstellung betrifft, gab sich Löw ungewohnt auskunftsfreudig. Serge Gnabry, ergänzte er, werde spielen, auch Toni Kroos, Ilkay Gündogan, Joshua Kimmich und Manuel Neuer.

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Sie bilden das Gerüst der Mannschaft, die in Mönchengladbach in Bezug das Ticket für die EM 2020 buchen soll – vorausgesetzt die Niederlande spielt mit. Wenn der Tabellenführer der Gruppe C sein Spiel in Nordirland gewinnt, reicht der deutschen Elf ein Unentschieden gegen die Weißrussen. Dann können die Nordiren, die Dienstag in Frankfurt zu Gast sind und aktuell auf Platz drei liegen, der Auswahl von Löw nicht mehr gefährlich werden.

Ganz in Schwarz, mit weißen Sneakers: Bundestrainer Joachim Löw Quelle: dpa © dpa Ganz in Schwarz, mit weißen Sneakers: Bundestrainer Joachim Löw Quelle: dpa

Löw, das machte er am Freitag klar, will es aus eigener Kraft und einen positiven Jahresabschluss schaffen. Es ist kein Titel, den er in den kommenden Tagen gewinnen wird, es ist auch kein prestigeträchtiges Spiel. Aber eine erfolgreiche Qualifikation für die EM würde auch Löw, dessen Ruf und Ansehen nach dem WM-Debakel gelitten hatten, guttun.

Joachim Löw hadert nicht mehr

Die Kritik war groß nach dem Vorrunden-Aus in Russland – und sie nahm zu, als die Öffentlichkeit im Herbst 2018 registrieren musste, dass der angekündigte Umbruch nicht in die Tat umgesetzt wurde. Löw vertraute in den ersten Spielen nach der WM auf altbewährtes Personal. Er gab, wohl auch aus alter Verbundenheit und sicher auch Dankbarkeit, vielen Weltmeistern eine zweite Chance.

Bis er einsah, dass es eines radikalen Schnitts bedarf, um das Nationalteam wieder auf Kurs zu bekommen. Also fuhr Löw Anfang März nach München, um den dort beim FC Bayern spielenden Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels, der mittlerweile wieder beim BVB unter Vertrag steht, mitzuteilen, dass er künftig ohne sie plant. Die Entscheidung habe er, das betont er heute wie damals, allein aus sportlichen Gründen getroffen.

Über Weißrussland zur EM: Joachim Löw und die Perspektive der deutschen Mannschaft © dpa Über Weißrussland zur EM: Joachim Löw und die Perspektive der deutschen Mannschaft

Löw nahm Spieler wie Joshua Kimmich, Niklas Süle oder Antonio Rüdiger noch mehr in die Verantwortung. Letztere zwei sind aktuell aber verletzt. Ohnehin erweist sich der hohe Krankenstand derzeit als eines der größten Probleme des Bundestrainers. Bei der Länderspielreise Mitte Oktober musste er auf elf Spieler verzichten, dieses Mal fehlen erneut einige. „Das ist natürlich ein Problem, weil es nicht möglich ist, sich einzuspielen und Abläufe einzustudieren“, sagte Löw und stellte seinem zur Verfügung stehenden Personal ein gutes Zeugnis aus. „Die Spieler legen eine hohe Disziplin an den Tag. Alle Dinge, die wir vorgeben, werden eingehalten und versucht umzusetzen.“

Löw, das ist zu spüren, ist wieder guter Dinge. Die Zeit des Haderns, des Nachdenkens ist vorbei. In einem Interview mit WELT AM SONNTAG sagte er, dass er auch in Phasen des Zweifelns gewesen sei „und in Phasen des starken Überlegens hinsichtlich dessen, was wir besser machen können, wo wir hinwollen und wie es weitergehen kann“.

Die Phasen sind nun, da Zeit vergangen ist, überwunden. Löw wirkt extrem fokussiert. Wer mit engen Vertrauten von ihm spricht, der hört viel über einen Bundestrainer, der mit großer Freude und Energie bei der Arbeit ist.

Oliver Bierhoff etwa, der Direktor Nationalmannschaften, sagte vor einer Woche: „Er (Joachim Löw, d. Red.) brennt für neue Ideen und neue Wege. Er ist sehr fokussiert, folgt seinen Überzeugungen und seiner Intuition und geht die Situation bewusst und positiv an.“ Löw würde sich, ergänzte Bierhoff, von Problemen und Rückschlägen nicht beirren, sondern viel mehr inspirieren lassen: „Er sucht nach Lösungen.“

Die braucht der Bundestrainer, um die deutsche Nationalmannschaft wieder zurück zu alter Stärke zu führen. Auf dem Weg dorthin aber bittet er auch um Geduld, um Nachsicht. „Fakt ist, dass wir eine talentierte, ehrgeizige und hungrige Mannschaft haben“, sagte er am Tag vor dem Spiel gegen Weißrussland und zog einen Vergleich zur deutschen Mannschaft von 2010, die bei der WM 2010 in Südafrika für Furore sorgte.

Bei dem Turnier eroberte Löws Mannschaft mit unbekümmert aufspielenden Talenten die Herzen des deutschen Anhangs und wurde WM-Dritter. Der Bundestrainer erinnerte an Spieler wie Sami Khedira, Thomas Müller, Jerome Boateng, Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm. Auch sie hätten ihre Zeit für die persönliche Entwicklung gebraucht, sagte Löw, der vier Jahre später in Brasilien mit jenen Spielern Weltmeister wurde.

Was die EM im kommenden Jahr betrifft, stellte Löw klar, dass er in der Rolle der Titelfavoriten eher andere Nationen sieht. „Ich würde nicht sagen, dass wir zu den absoluten Topfavoriten zählen. Es ist bei einem Turnier vieles möglich. Daran arbeiten wir. Unsere Mannschaft ist gut“, sagte der Bundestrainer und nannte die Niederlande, Frankreich und England als vorderste Titelaspiranten. Diese Mannschaften seien über Jahre eingespielt und stark.

Wozu die deutsche Nationalmannschaft im kommenden Jahr fähig sein wird, bleibt abzuwarten. Ende März stehen die nächsten Länderspiele an, voraussichtlich wird ein Gegner Spanien sein. Bis dahin hofft Löw vor allem auf einen guten Heilungsprozess bei den Verletzten, wie Leroy Sane oder Niklas Süle. Dessen Rolle übernimmt Samstag Ginter. Das hat Löw ja schon verraten.

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