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Als Guerrero das Ali Sami Yen verstummen ließ...

90min-Logo 90min 07.04.2020 Guido Müller
Paolo Guerrero of Hamburg SV celebrates © MUSTAFA OZER/GettyImages Paolo Guerrero of Hamburg SV celebrates

Der ​Hamburger SV hat in seiner langen und ruhmreichen Vergangenheit viele große Spiele erlebt. In lockerer Folge stellen wir euch in den kommenden fußballlosen Wochen die größten von ihnen vor. Heute: Der 3:2-Sieg (nach 0:2-Rückstand) in der "Hölle von Istanbul" in der UEFA-Cup-Saison 2008/09.

Im Frühjahr des Jahres 2009 ist der HSV auf dem besten Wege, zu einem angesehenen Klub in Europa zu werden. Zwar gab es im Sommer ​den üblichen Trainerwechsel, doch diesmal war es nicht der Verein, der den Übungsleiter wegen anhaltender Erfolglosigkeit feuerte, sondern der Trainer selbst, der die Reißleine zog. Und das auch mehr aus privaten denn aus sportlichen Gründen. Denn der Ehefrau von HSV-Coach Huub Stevens ging es im Frühjahr 2008 gesundheitlich nicht gut, weshalb der "Knurrer von Kerkrade" die Vereinsspitze um die Auflösung des Vertrages bat. Und das mitten in der Vorbereitungszeit auf die neue Saison. Ein Albtraum-Szenario für einen jeden Klub - das sich aber schnell - und auf fast traumhafte Art und Weite - zum (vermeintlich) Guten wendete. 

Denn mit​ Martin Jol konnte man schon kurze Zeit nach Stevens' tränenreichem Abschied einen anerkannten Fachmann an die Elbe lotsen. Der Holländer, der immer ein klein wenig an den bärbeißigen Shrek aus dem gleichnamigen Film erinnert, kam immerhin mit der Vita eines Trainers bei einem Premier-League-Top-Klub wie Tottenham Hotspurs. In seiner aktiven Karriere hatte er sogar mal ein Jahr beim FC Bayern gekickt. 

Als die Tinte von Jols Unterschrift unter dem Vertrag getrocknet war, wähnte man sich beim HSV also auf der Trainerposition bestens aufgestellt. Und die Saison lässt sich auch ganz gut an. Vor allem in Europa. 

Achtelfinale gegen Galatasaray

Nach dem Überstehen der Gruppenphase (mit Ajax Amsterdam, Aston Villa, MSK Zilina und Slavia Prag) und der Hürde Sechzehntel-Finale (Nijmegen; 3:0 und 1:0) führt die Auslosung des  Achtelfinales den HSV mit dem türkischen Spitzenklub Galatasaray Istanbul zusammen. Und die Türken, mit ihren Starspielern Lincoln, Harry Kewell, Arda Turan oder Milan Baros, scheinen dann auch tatsächlich eine Nummer zu groß für das junge Hamburger Team zu sein.

Im Volksparkstadion gibt es am 12. März jedenfalls mehr lange als strahlende Gesichter. 1:1 heißt es am Ende. Das Ziel ("zu Null zu spielen") wurde nicht erreicht. Und dieses Remis zwingt den HSV dazu, im Rücksspiel in Istanbul auf jeden Fall einen Treffer zu erzielen. Es gibt einfachere Ausgangslagen. Wenigstens konnte Marcell Jansen mit seinem Tor in der 49. Minute den Super-GAU noch verhindern. Akman hatte die Gäste in der 32. Minute in Führung geschossen.

Riesenatmosphäre im Ali Sami Yen-Stadion

Sieben Tage später platzt das Ali Sami Yen-Stadion förmlich aus allen Nähten. Bengalos, Feuerwerkskörper, gelb-rote Rauchschwaden und ein infernalischer Lärm hüllen die Arena in ein Ambiente, wie man es in dieser Form nicht all zu oft anfindet. 

​Und der HSV scheint von dieser knisternden Atmosphäre tief beeindruckt zu sein. Dennoch dauert es bis kurz vor dem Halbzeitpfiff, ehe die Gastgeber durch Kewell (per Foulelfmeter) in Führung gehen. Boateng hatte zuvor Baros regelwidrig zu Fall gebracht. Für den HSV hat sich aber an der Ausgangslage erstmal nicht dramatisch viel geändert: ein Tor brauchen sie weiterhin, um zumindest die Verlängerung zu erreichen.

Kurz nach Wiederanpfiff dann aber der Schock: Milan Baros lupft die Kugel nach einer herrlichen Kombination über Rost hinweg zum 2:0 in die Maschen. Eines steht nun fest: Eine Extra-Time wird es nun nicht mehr geben. Und der HSV hat nur noch eine knappe Halbzeit, um zwei Treffer zu erzielen. 

Und tatsächlich übernehmen die Rothosen von nun an die Initiative, "Gala" lässt sich unverständlicherweise immer tiefer in seine Hälfte drücken. 

Guerrero wird zum Helden des Spiels

In der 57. ist es dann Paolo Guerrero, der mit einem satten Schuss aus 20 Metern zum 1:2-Anschlusstreffer die Hoffnung in das Hamburger Lager zurückbringt. Und kaum drei Zeigerumdrehungen später wird der Peruaner endgültig zum Helden des Spiels: gegen zwei Spieler tankt sich der Südamerikaner in den Strafraum durch und hämmert den Ball unhaltbar für Gala-Keeper De Sanctis unter die Latte. Ausgerechnet Guerrero, dem bis dato wenig gelungen ist, stellt die Partie binnen drei Minuten quasi auf den Kopf. Die Türken erholen sich von diesem Doppelschlag bis zum Ende der Partie nicht mehr und müssen noch das 2:3 durch Olic in der 89. Minute hinnehmen.

Ivica Olic of Hamburg SV goes to score a © MUSTAFA OZER/GettyImages Ivica Olic of Hamburg SV goes to score a

Der Moment der Entscheidung: Olic stellt auf 3:2 für den HSV!

Der HSV hat ein Match gedreht, in dem er fast eine Stunde lang wie der sichere Verlierer aussah. Die Belohnung: der Einzug in das Viertelfinale. Und das Los würde da wieder einen großen Namen als Gegner bereithalten. Doch das ist wieder eine andere Geschichte...

Die Highlights der Partie im Video:

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