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Ben Manga im Porträt: "Weil er mehr ist als nur ein Scout"

kicker-Logo kicker 23.03.2020 kicker.de

"Der geht dahin, wo es wehtut", heißt es über ihn: Auch dank Chefscout Ben Manga und seinem "Riesennetzwerk" ging es bei Eintracht Frankfurt zuletzt aufwärts. Ein Porträt.

Er hat die Talente im Blick: Ben Manga. © picture alliance Er hat die Talente im Blick: Ben Manga.

Glaubt man Fredi Bobic, sind Verhandlungen mit Ben Manga quasi nicht durchführbar. Was nicht am Wesen des Chefscouts von Eintracht Frankfurt liegt, sondern vielmehr an dessen Zeitplan.

"Ben ist ja Kraft seines Amtes so viel unterwegs, dass es fast schon schwierig war, einen Termin zu finden", scherzte der Sportvorstand der Hessen im Juli 2019, als der Bundesligist Mangas Vertragsverlängerung bis 2023 verkündete. Das Adlerauge bestätigte gewissermaßen via Rheinischer Post: "Ich bin im Monat vielleicht fünf, sechs Tage zu Hause."

Reisen sind schließlich unabdingbar für einen guten Scout - auf dessen Dienste es nach der Corona-Krise umso mehr ankommen wird. Auch wenn noch unklar ist, wie und wann es mit dem professionellen Fußball in Zeiten der Pandemie weitergeht, so braucht es wahrlich keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu sagen: Die meisten Klubs werden sparen müssen bei Transferausgaben und Gehalt. Was Mangas Aufgabe umso wichtiger macht: Talente entdecken, Jungs aus der zweiten Reihe. Günstig. Leihen mit Kaufoptionen. Dinge eben, mit denen Bobic und Manga die damals darbende, beinahe in Liga zwei abgestürzte Eintracht seit 2016 wieder flottgemacht haben.

"Wenn einer drei Tore schießt, war er gut, das sieht jeder. Meine Aufgabe ist es, kleinste Sachen zu erkennen." - Ben Manga

Da wären zum Beispiel Real-Madrid-Leihgabe Jesus Vallejo oder Omar Mascarell, ebenso ein ehemaliger "Königlicher" zu nennen, genau wie Luka Jovic, Evan Ndicka oder Almamy Toure. Talente, die kurz vor dem Durchbruch standen oder, aus welchen Gründen auch immer, gerade eine Art Tief durchmachten, und die dann in der Bundesliga ziemlich schnell ziemlich explosiv einschlugen.

"Ich bin seit 15 Jahren im Geschäft und behaupte, dass ich mehr sehe als andere. Wenn einer drei Tore schießt, war er gut, das sieht jeder. Meine Aufgabe ist es, kleinste Sachen zu erkennen", ließ sich Manga einmal von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitieren. Auch Goncalo Paciencia oder der immer wieder von schweren Verletzungen zurückgeworfene Lucas Torro waren Kräfte aus der zweiten Reihe - der aus Utrecht geholte Sebastien Haller wurde für ein Vielfaches verkauft. Trotz in Frankfurt Gescheiterter wie Allan, Chico Geraldes, Andersson Ordonez oder Marijan Cavar: Mangas Quote kann sich sehen lassen.

Ein Händchen für Spanisch

Dass der 46-Jährige besonders mit Spaniern punktet, ist kein Zufall. Die Muttersprache des gebürtigen Äquatorial-Guineaners, der im Rheinland aufwuchs, ist Spanisch, daher findet er schnell einen Zugang zu Iberern wie Südamerikanern. Vallejo etwa hatte der frühere Mittelfeldspieler jahrelang auf dem Schirm, während der Verteidiger mit 15, 16 vom Radar der Topscouts gerutscht war, weil er - körperlich etwas schwächer - gegen bullige Angreifer öfters das Nachsehen gehabt hatte. Dass der U-21-Europameister von 2019 über ein hervorragendes Stellungs- wie Passspiel verfügt, landete in Mangas Block ganz oben und der technisch versierte Defensivmann folglich in Frankfurt.

Dabei war Manga 2016 schon mit einem Bein beim HSV. Peter Knäbel hatte ihn in die Hansestadt gelotst. Als Bobic, gerade frisch bei der Eintracht, anrief und mit der Stelle des Chefscouts lockte, einigte man sich schnell über den kurzen Dienstweg. Beim VfB hatten beide bereits zusammengearbeitet. "Fredi und Ben kamen schnell miteinander klar" weiß Ralf Becker, der Manga 2012 als Scout nach Stuttgart holte, als es in Hoffenheim, wohin er 2011 aus Aachen gewechselt war, nicht weiterging.

Bewährt in Hoffenheim

"Bei der TSG musste er sich zunächst bewähren, stand anfangs eher in der zweiten Reihe der Abteilung", berichtet Hoffenheims damaliger Teammanager Dirk Rittmüller, der ausdrücklich lobt: "Ben ist extrem fleißig, nur unterwegs. Er geht auch zu Spielen in Ligen, die wahrscheinlich nicht jeder Scout besuchen würde, bei einem Spieler würde man sagen: Der geht dahin, wo es wehtut." Eigenschaften, die auch Becker ausdrücklich bestätigt. "Er ist ein richtig Guter und vielleicht der wichtigste Frankfurter Transfer der vergangenen Jahre. Fredi kann Ben hundert Prozent vertrauen und gibt ihm dafür die Freiheiten und auch Mitsprache, weil er mehr ist als nur ein Scout."

Tatsächlich benötigt Manga Gestaltungsmöglichkeiten, sagte er doch der FAZ, wenn er keine Entwicklungsfreiheit habe, sei er irgendwann nicht mehr genießbar. Zugleich definiert er die Kaderzusammenstellung als Teamwork im Verbund mit Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner.

Profitables Netzwerk

Gute Zusammenarbeit: Fredi Bobic, Adi Hütter und Ben Manga (v.l.). © imago images Gute Zusammenarbeit: Fredi Bobic, Adi Hütter und Ben Manga (v.l.).

Eines ist klar: Die Hessen haben sich breiter aufgestellt in diesem Bereich, Leute dazugeholt - die dann in der Regel in dem Land leben, in dem sie scouten, oder dort bereits über große Erfahrungen wie Netzwerke verfügen. Wie etwa der frühere Hannoveraner Ricardo Moar in Spanien, Helena Costa in Portugal oder Matthias Hamann, der England und als ehemaliger Scout von Jürgen Klinsmann auch den US-Markt im Auge hat. Becker erklärt: "Gerade jetzt profitiert Ben unheimlich von seinem Riesennetzwerk, das er sich aufgebaut hat."

Seit 2003 übrigens in Kärrnerarbeit. Damals stieg Manga bei Alemannia Aachen ein als Scout und Juniorentrainer. Die Profikarriere war nie so richtig in Gang gekommen - lediglich drei Bundesligaspiele bei Fortuna Düsseldorf stehen zu Buche. Drei Kniescheibenbrüche verhinderten mehr, Höhepunkte gibt es trotzdem, etwa an einem Septembermontag 1995. Ein 21-jähriger Manga, Rastalocken, legt quer auf Thomas Seeliger, Oliver Kahn im Bayern-Tor ist geschlagen. 90. Minute, 3:1 für Fortuna, den Underdog in der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals 1995/96.

Mangas Wissen um nicht lineare Karrieren

Düsseldorf, Wuppertal, Uerdingen, Aachen, KSC, Worms, Düren, wieder Aachen. Manga weiß, dass eine Profikarriere in den seltensten Fällen linear verläuft. Vielleicht macht ihn das als Adlerauge so wertvoll, weil er Potenziale erkennt, die noch Entwicklungszeit brauchen, was im heutigen Geschäft wichtig ist. Immer jünger werden die Kicker, fertige Stars kann sich selbst ein Mittelklasse-Bundesligist wie Frankfurt nicht wirklich leisten.

Selbst ein Djibril Sow fällt ja trotz hoher Transferaufwendungen mit seinen 23 Lenzen noch in die Kategorie eines jungen Mannes, der Zeit braucht. Also gräbt Manga tiefer. Im Januar 2019 holte er Tuta, damals 19, vom FC Sao Paulo. Als der Transfer offiziell wurde, war der Chefscout längst wieder in Südamerika, um die dortige U-20-Kontinentalmeisterschaft in Chile zu durchleuchten und wenige Monate später den dort für Uruguay auflaufenden Rodrigo Zalazar (20) an Land zu ziehen. Beide sind derzeit verliehen, in Frankfurt erhofft man sich einen ähnlichen Effekt wie bei Daichi Kamada, der nach zwei "Auslandssemestern" bei VV St. Truiden nun Bundesliga-Reife hat.

(In einer Serie porträtieren wir besondere Spezialisten im Hintergrund der deutschen Profiklubs - vom Teambetreuer bis zur Yogatrainerin, vom Zeugwart bis zum Busfahrer)

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