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Toto Wolff: Racing Point beweist, was in der Formel 1 möglich ist

Motorsport-Total.com-Logo Motorsport-Total.com 18.07.2020 Stefan Ehlen, Co-Autor: Christian Nimmervoll
Original und Nachbau: Racing Point hat den 2019er-Mercedes nachgebaut © Motorsport Images Original und Nachbau: Racing Point hat den 2019er-Mercedes nachgebaut

"Ich freue mich für Racing Point", sagt Toto Wolff. Das ist nicht weiter überraschend. Denn das Mercedes-Kundenteam war im Qualifying zum Ungarn-Grand-Prix 2020 (hier im Liveticker verfolgen!) die zweite Kraft in der Formel 1, hinter Mercedes. Bedeutet: Vier Mal Mercedes-Power an der Spitze, aber das Werksteam hat noch immer einen "Sicherheitsabstand" nach hinten.

In Zahlen ausgedrückt: Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton war im Qualifying satte 0,930 Sekunden schneller als Racing-Point-Fahrer Lance Stroll auf P3.

Und doch ist es Racing Point, das im Vergleich zum Vorjahr in Ungarn die größte Steigerung hingelegt hat, nämlich 2,732 Sekunden. Mercedes selbst hat sich "nur" um 1,143 Sekunden verbessert, ist aber trotzdem klarer Favorit am Hungaroring.

Wolff hält Racing Point für einen Sieganwärter

Wie Wolff darüber denkt? Er meint: Racing Point sei "voll dabei" und "ein Podiumskandidat, wenn nicht sogar ein Siegeskandidat", so der Mercedes-Sportchef. "In einigen Kurven sind sie schneller als wir. Sie sind [also] eine echte Herausforderung. Ich habe keinen Zweifel daran, dass sie auf einigen Strecken selbst für uns eine harte Nuss sein werden."

Und all das mit einem Auto, das dem Weltmeister-W10 des vergangenen Jahres nachempfunden ist. Racing Point selbst macht bekanntlich keinen Hehl daraus, das Spitzenauto der Formel 1 2019 einfach nur nachgebaut zu haben, anhand von Bildern, so versichert das Team.

Das genaue Vorgehen ist jetzt allerdings Gegenstand einer Untersuchung durch die FIA, weil Renault Protest gegen Racing Point eingelegt hat. Derzeit sichtet der Weltverband die notwendigen Hinweise und will schon in Kürze zu einem Urteil kommen, ob der RP20 legal entstanden ist oder nicht.

Wie Mercedes zum Renault-Protest steht

Wie Wolff den Protest gegen das Team beurteilt? Gar nicht, meint er, "weil ich nicht unter die Motorhaube schauen kann. Es scheint, dass sie unser Auto nachgebaut haben. Aus unserer Sicht", so sagt der Mercedes-Sportchef, "war [aber] alles innerhalb der Regeln. Racing Point stand, so wie ich das verstehe, in engem Kontakt mit der FIA."

Und jetzt beanstandet Renault in seinem Protest konkret die Bremsschächte am RP20, die seit der Saison 2020 zu den sogenannten Listed Parts zählen - Komponenten, die jedes Team individuell anfertigen muss und nicht mehr extern zukaufen kann.

Die Sportkommissare müssen nun klären, inwieweit dieses Vorgehen dem Reglement entspricht und ob sich Racing Point einen unerlaubten Vorteil verschafft hat.

Racing-Point-Fall stößt Grundsatz-Diskussion an

Wolff verweist an dieser Stelle auf den Formelsport-Beauftragten des Weltverbands. "Nikolas Tombazis hat es so formuliert: Es ist weniger eine technische, sondern eher eine philosophische Diskussion."

NÄCHSTES
NÄCHSTES

Die Formel 1 müsse sich Gedanken darüber machen, ob es kleinen Teams erlaubt sein sollte, "Teile von großen Teams zu kaufen, um Entwicklungskosten zu sparen und den großen Teams zu ermöglichen, ein Geschäft zu machen", sagt Wolff.

"Oder sollte jeder sein eigenes Chassis bauen und alles selbst entwickeln müssen? Was zur Folge hätte, dass wir eine Zweiklassengesellschaft haben, trotz der Budgetobergrenze."

Auf einmal: kleine Teams haben doch eine Chance!

Racing Point führe gerade eine langjährige Formel-1-Kritik "ad absurdum", meint Wolff, "dass die kleinen Teams nie dazu in der Lage sind, mal auf Pole zu fahren oder Podestplätze und Siege zu holen." Ganz nach dem Motto: "Triff die richtigen Entscheidungen und setze deine Ressourcen da ein, wo es dir am meisten bringt, dann kannst du ein schnelles Auto haben."

Er erhoffe sich durch die Racing-Point-Situation, dass die Formel 1 ihr Konstrukteurskonzept überdenke. O-Ton: "Ich bin froh, dass jetzt ein Prozess eingeleitet ist, der die Regeln präzisieren wird. Dann ist für alle Beteiligten transparent, wie sich die FIA die Zukunft vorstellt, und wir können die Sache hinter uns lassen."

Und ungeachtet der Zweifel, die viele im Formel-1-Fahrerlager hegen, findet Wolff Gefallen an der Formsteigerung von Racing Point und glaubt, man könne "sicher was lernen" dabei. Er sagt: "In den vergangenen Jahren haben wir immer gehört, dass die kleinen Teams mit kleineren Budgets nicht vorne mitfahren können."

Wie Wolff die Racing-Point-Form erklärt

"Jetzt sehen wir: Es braucht nur jemanden mit einer Vision und einer Idee, welche Prioritäten zu setzen sind, dann ist auch der Sprung vom Mittelfeld unter die Topteams möglich. Das zeigt, dass es mit der richtigen Führung, den richtigen Entscheidungsprozessen und dem nötigen Investment möglich ist, die Entwicklungskurve zu beschleunigen."

Stand jetzt hat sich Racing Point mit seinem Mercedes-Nachbau jedenfalls erheblich verbessert. Dass zur Saison 2021 bei eigentlich technisch eingefrorener Fahrzeugtechnik ein weiterer Fortschritt erfolgen könnte, ist bereits die nächste Sorge der Konkurrenz.


Video: Irvine kritisiert Vettel: "Viel zu viele Fehler!" (glomex)

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