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NFL: Free Agency Gewinner und Verlierer: Patriots-Ausverkauf - Cardinals räumen ab

SPOX-Logo SPOX 26.03.2020 Adrian Franke
Die erste Free-Agency-Welle hatte einige klare Gewinner und Verlierer zu bieten. © Bereitgestellt von SPOX Die erste Free-Agency-Welle hatte einige klare Gewinner und Verlierer zu bieten.

NFL Free Agency: Die Gewinner

Tom Brady und die Buccaneers

Man kann über Jameis Winston und dessen Spielweise unterschiedlicher Meinung sein, eine Sache aber scheint kaum diskutabel: Brady, selbst wenn er nur sein Vorjahreslevel hält, ist ein Upgrade gegenüber Winston.

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Die Buccaneers haben bereits weitere Verpflichtungen getätigt, sie halten ihre Pass-Rusher Shaq Barrett und Jason Pierre-Paul, verpflichteten Joe Haeg für den Right-Tackle-Spot und es scheint sicher, dass noch ein dritter Receiver auf die eine oder andere Art kommt. Setzen sich die positiven Entwicklungen in der Defense fort, haben die Bucs tatsächlich die Chance, ein kurzfristiges Titelfenster aufzustoßen. Ganz davon zu schweigen, dass Brady natürlich ein Team auf die nationale Medien-Landkarte bringt - und wie - das dort sonst eher in überschaubarem Rahmen stattfindet.

Ob Brady ein sportlicher Gewinner war, wissen wir in einem Jahr; doch zumindest auf persönlicher Ebene darf man ihn hier als Gewinner dazuzählen. Brady wollte, nachdem im Vorjahr klar wurde, dass die Patriots sich nicht nochmals längerfristig an ihn binden werden, vor allem eines: Freiheit. Er wollte die Freiheit, seinen Markt zu sondieren und die Möglichkeit, sich ein neues Abenteuer suchen zu können, wenn er etwas findet, das ihn anspricht.

Das hat er offensichtlich in Tampa Bay mit Bruce Arians gefunden, und es wird irre spannend sein zu sehen, wie beide Seiten zusammenpassen. Arians und Belichick könnten - als Coach-Typ und philosophisch - kaum weiter voneinander entfernt sein. Was macht es mit Brady, wenn er in die lockereren Strukturen unter Arians kommt? Und wie funktioniert er in Arians' vertikalerem Scheme?

Brady und Arians sollten zusammen in der Mid-Range (10 bis 20 Yards Downfield) einen guten gemeinsamen Nenner finden; gleichzeitig aber wird Brady fraglos mehr Hits einstecken müssen als in New England. Diese Partnerschaft wird unglaublich spannend sein. Und es wird das neue Abenteuer zum Abschluss seiner Karriere, das Brady offensichtlich haben wollte.

Arizona Cardinals

Keine Frage: Der Trade für DeAndre Hopkins war ein riesiger Schocker, der Knall, der die diesjährige Free Agency eröffnete - und dass Arizona im Gegenzug noch den Vertrag von David Johnson loswurde, war fast schon nur das Tüpfelchen auf dem i.

Die große Problemzone der Cardinals-Offense im Vorjahr war nicht die Offensive Line, es war das Wide Receiver Corps. Konkret: Dieser Offense fehlte eine Nummer 1. Deshalb gingen viele Experten auch fest von einem Receiver mit dem Nummer-8-Pick im Draft aus, mit Hopkins haben die Cardinals diese große Problemzone spektakulär geschlossen. Hopkins gibt den Cardinals den einen Receiver, der Press-Coverage schlägt, der Outside gewinnt, der Coverages diktiert, der Räume schafft. Er kann schematisch der Spieler sein, der die Offense für Kyler Murray und Kliff Kingsbury öffnet.

Hopkins war der Headliner, doch Arizona hatte weitere offensichtliche Baustellen. Für die Interior Defensive Line kam mit Jordan Phillips ein solider Defensive Tackle aus Buffalo, dessen Total Stats im Vorjahr irreführend sein können, der Arizonas Problemzone hier aber dennoch zumindest von einer deutlichen Schwäche Richtung Mittelmaß bewegen sollte.

Devon Kennard ist ein guter Nummer-2-Rusher, der für wenig Geld (3 Jahre, 20 Mio. Dollar, davon 12,5 Mio. garantiert) aus Detroit kommt und Arizona die erhoffte Nummer 2 gegenüber von Chandler Jones gibt, sowie einen Spieler, der sich auch gegen Tight Ends in Coverage zurückfallen lassen kann. Das wird Jones entlasten und helfen, Arizonas eklatante Schwäche gegen Tight Ends zu adressieren.

Hier beginnt auch die Job-Description für De'Vondre Campbell, der für ein Jahr und sechs Millionen Dollar von den Falcons kommt. Der Linebacker wird die Nummer 2 neben Jordan Hicks sein und insbesondere in Zone Coverage sollte er Arizona hier ebenfalls verbessern.

Abgesehen von Hopkins sind es allesamt keine spektakulären Moves, doch war eine klare Strategie erkennbar. Arizona hat Großbaustellen der vergangenen Saison merklich verkleinert und kann im Draft nun mit dem Erstrunden-Pick die akut einzig wirklich verbleibende Großbaustelle schließen: Den Right-Tackle-Spot.

Baker Mayfield, Quarterback, Cleveland Browns

Die Browns waren das große Hype-Team der Vorjahres-Offseason, mit dem Trade für Odell Beckham fielen damals alle Hemmungen. Es folgte die harte Landung, mit einer erneuten Head-Coach-Entlassung, mit Fragezeichen hinter Baker Mayfield, mit wieder einmal einem Umbruch in Cleveland, der inzwischen schon fast jährliche Tradition geworden ist.

Also: Wieder ein neuer Head Coach - Kevin Stefanski kommt aus Minnesota -, wieder ein neuer GM, wieder neue Coordinators, wieder eine neue Ausrichtung. Und dennoch kann man aus Sicht von Baker Mayfield, dem die dritte NFL-Saison und damit ein potenziell wegweisendes Jahr bevorsteht, die vergangenen Wochen durchaus positiv bewerten.

Warum? Die offensichtlichen und vermehrt berichteten Chaos-Tage unter Freddie Kitchens sind vorüber, Stefanski sollte eine Quarterback-freundliche Offense auf die Beine stellen. Die Trade-Gerüchte um Odell Beckham haben sich (bislang) nicht bewahrheitet, die große Right-Tackle-Baustelle wurde mit Jack Conklin glänzend besetzt und auch wenn Austin Hooper tendenziell ein gutes Stück überbezahlt wurde: Für Mayfield bedeutet er eine weitere verlässliche Waffe in der Offense.

Die Browns haben jetzt, nachdem man noch Fullback Andy Janovich via Trade aus Denver geholt hat, alle Mittel, um die von Stefanski bevorzugten 12- (ein Running Back, zwei Tight Ends) und 21- (Running Back, Fullback, ein Tight End)Personnel-Sets zu spielen. Um ein effizientes Play-Action-Passspiel aufzuziehen. Und sie haben sich in Position gebracht, die Left-Tackle-Baustelle in der ersten Runde im Draft oder noch per Trade - Trent Williams wäre hier weiterhin eine Option - zu schließen und so ein deutlich verbesserte Offensive Line aufzubieten. Rein sportlich betrachtet war diese eines der größten Probleme für Mayfield letztes Jahr.

Miami Dolphins

Zumindest eine Sache ist klar: Die Dolphins haben entschieden, ihren Umbruch in dieser Offseason massiv nach vorne zu schieben.

Byron Jones war der beste Cornerback auf dem Markt, er gibt Miami mit Xavien Howard nicht nur das teuerste, sondern auch eines der besten Cornerback-Duos in der NFL - das ist die Basis für die Defense von Brian Flores. Kyle Van Noy kommt aus New England, hat die offensichtliche Connection zu Flores und sollte seine flexible Rolle in der neuen Dolphins-Defense behalten.

Shaq Lawson und Ereck Flowers sind teure Lösungen aus der Kategorie "solide", die Verpflichtung von Jordan Howard könnte zusätzlichen Value darin haben, dass Miami jetzt womöglich keinen Erstrunden-Pick in einen Running Back investiert. Flowers und Ted Karras geben der Offensive Line eine höhere Base-Line, hier ist aber noch viel Luft nach oben. Damit bleibt die große Frage: Wie viel muss Miami im Draft investieren, um seinen Wunsch-Quarterback zu bekommen?

Josh Allen, Quarterback, Buffalo Bills

Die Buffalo Bills bieten weiter eine Blaupause dafür, wie man um einen jungen Quarterback herum während der noch unter seinem Rookie-Vertrag spielt ideale Umstände baut.

Nachdem Buffalo im Vorjahr mit der Verpflichtung von Mitch Morse und Zweitrunden-Pick Cody Ford die Offensive Line sowie mit Cole Beasley und John Brown auch das Receiver-Corps mit jeweils sehr vernünftigen Preisen adressiert hatte, komplettierten die Bills ihr Waffenarsenal am ersten Tag der diesjährigen Free Agency - mit dem spektakulären Trade für Ex-Vikings-Receiver Stefon Diggs.

Die Bills gehen somit Stand heute mit einem der ligaweit besten Wide-Receiver-Trios in die kommende Saison. In Kombination mit einer soliden Offensive Line und einer guten Defense könnte sich Josh Allen kaum bessere Umstände wünschen.

Damit ist aber auch klar: Für den jungen Quarterback zählt es 2020! Allen selbst ist immer noch ein extrem inkonstanter Quarterback, der insbesondere was Accuracy und Decision-Making angeht weiter große Defizite aufweist. Ändert sich das nicht, werden die Bills bald auf der Suche nach einem neuen Quarterback für ihre ideale Umstände sein.

Baltimore Ravens

Die Ravens haben keine Monster-Moves getätigt, aber sie basteln weiter an einem Contender-Team - und könnten die verbleibenden Baustellen, wie etwa Nummer-1-Receiver, im Draft angehen. Dass man für Tight End Hayden Hurst noch einen Zweitrunden-Pick von den Falcons bekommen hat ist ein zusätzlicher Bonus.

Zwei Moves stechen aber heraus, allen voran die Verpflichtung von Calais Campbell. Die Jaguars wollten Cap Space schaffen und sich eher für die mittel- als die kurzfristige Zukunft ausrichten, so wurde Campbell für einen Fünftrunden-Pick verfügbar. Der inzwischen 33-Jährige ist nach wie vor ein Elite-Run-Verteidiger und zusätzlich noch immer ein sehr guter Pass-Rusher.

Außerdem ersetzt Ex-Rams-D-Liner Michael Brockers vermutlich den nach Minnesota abgewanderten Michael Pierce, und sollte ein merkliches Upgrade gegenüber Pierce darstellen. Bei Brockers ergaben sich bei ein Medizincheck eines unabhängigen Arztes Komplikationen, sodass die Verpflichtung bislang noch nicht offiziell verkündet wurde, der Run-Stuffer wird aber aller Voraussicht nach beim AFC-North-Champ unterkommen.

In der Summe ergibt das ein klares Bild: Die Ravens haben ihre Defense mit Fokus auf die Secondary aufgebaut und genau so auch im Vorjahr gespielt; es war eine sehr aggressive Blitzing-Defense, die davon gelebt hat, dass die Secondary extrem flexibel und individuell auf äußerst hohem Niveau spielen kann.

Das funktionierte auch glänzend; jetzt schaffen sich die Ravens noch mehr Spielraum, indem sie die individuelle Qualität in der Defensive Line verbessern. Insbesondere gegen den Run sollte Baltimore jetzt deutlich stabiler sein, ein Spieler wie Campbell schafft zudem weitere Räume für Blitzer und Pass-Rush-Designs aller Art. Die Ravens sind All-In.

Philadelphia Eagles

Der erste große Move der Eagles in dieser Free Agency war eher ernüchternd. Nicht weil Defensive Tackle Javon Hargrave, der für drei Jahre, 39 Millionen Dollar (25,5 Mio. garantiert) aus Pittsburgh kommt, ein schlechter Spieler wäre, im Gegenteil - Hargrave hat sich letztes Jahr als Pass-Rusher merklich verbessert und sollte sehr gut neben Fletcher Cox in die Defensive Line passen.

Das große Aber: Es war eben nicht die zentrale Baustelle, nicht einmal ansatzweise. Die Eagles haben ihre Defense über die letzten Jahre zwar konstant über die Defensive Line aufgebaut, doch war die Secondary zuletzt so anfällig, dass auch eine noch immer sehr gute D-Line nicht ausreichte.

Es ist der zweite Move, der die Eagles - dann in Kombination mit Hargrave - hier auf die Liste befördert: Der Trade für Darius Slay. Slay mag kein Elite-Top-5-Corner sein, er ist aber mindestens ein Mid-Tier-Nummer-1-Cornerback und bewegt sich rund um die Cornerback-Top-10. Damit stellt er ein massives Upgrade für die Eagles dar, und die Eagles-Defense sollte einen deutlichen Schritt nach vorne machen. Damit ist der Weg auch frei, um im exzellent bestückten Draft die Wide-Receiver-Baustelle zu adressieren.

Pittsburgh Steelers

Zwei Verpflichtungen machen die erste Free-Agency-Woche in Pittsburgh für ein Steelers-Team, das nicht sonderlich viel Cap Space hatte, zu einem Erfolg: Stefen Wisniewski für zwei Jahre und 2,85 Millionen Dollar ist einer der Steals der bisherigen Free Agency; ein sehr stabiler, verlässlicher Interior Lineman, der Guard und Center spielen kann und letztes Jahr in Kansas City kurz vor Ende der Regular Season als Starter übernahm. Dürfte direkt auf Left Guard starten.

Die andere Verpflichtung ist die von Eric Ebron. Ebron (2 Jahre/12 Mio.) war gerade im Vergleich zu den anderen Tight Ends auf dem Markt, allen voran Austin Hooper und Jimmy Graham, überraschend günstig und gibt Pittsburgh, das ohnehin viel Empty spielen und durch die Luft attackieren will, eine dringend benötigte zusätzliche Waffe. Die Steelers brauchen noch immer einen Nummer-1-Receiver, Ebron aber wird die Offense rein als Receiver besser machen.

Teddy Bridgewater, Quarterback, Carolina Panthers

Vor vier Jahren noch hing Bridgewaters sportliche Zukunft - und womöglich mehr - am seidenen Faden; für einige Wochen wusste niemand, wie es für den jungen Quarterback infolge seiner schweren, im Training erlittenen Knieverletzung weitergehen würde. Erst recht nicht, ob er nochmals in der NFL würde spielen können.

Es folgten einige Übergangsjahre, und durch eine gute Saison bei den Saints endete diese Zeit für Bridgewater in der diesjährigen Free Agency: Bis zu 63 Millionen Dollar zahlen ihm die Carolina Panthers über die nächsten drei Jahre, zumindest für zwei Jahre haben sie sich an Bridgewater gebunden. Es ist ein klares Commitment eines Teams, das ganz offensichtlich von einem Übergangsjahr nichts wissen will.

Denn die anderen Verpflichtungen der Panthers sprechen ebenfalls eine klare Sprache - und Bridgewater wird in der kommenden Saison vielleicht mit dem talentiertesten Receiver-Corps arbeiten, das er bisher um sich hatte: Robby Anderson kommt als Free Agent von den Jets, dazu Curtis Samuel und D.J. Moore und Christian McCaffrey als echte Waffe auch im Passspiel. Die Offensive Line sollte mit Okung ebenfalls verbessert sein, dazu das Vorjahres-College-Mastermind Joe Brady als neuer Offense-Dirigent.

Eine viel bessere Situation hätte sich Bridgewater kaum ausmalen können.

Drew Brees, Quarterback, New Orleans Saints

Der teure Vertrag für Andrus Peat war eine der großen Überraschungen der bisherigen Free Agency was finanzielle Aspekte angeht. 5 Jahre, 57,5 Millionen Dollar und 33 Millionen garantiert wirken massiv überbezahlt - Peat war der mit Abstand anfälligste Offensive Lineman der Saints im Vorjahr.

Die anderen Schritte der Free Agency aber dürfen Saints-Fans tatsächlich noch einmal von einem letzten Angriff auf den Titel mit Drew Brees hoffen lassen; allen voran die Verpflichtung von Emmanuel Sanders war ein echter Coup.

Sanders war nicht nur überraschend günstig (2 Jahre/16 Mio. Dollar), er gibt den Saints auch genau das, was diese Offense gebraucht hat: Eine starke Nummer-2-Option hinter Michael Thomas. Thomas ist einer der absoluten Elite-Receiver, war zu häufig aber auf sich alleine gestellt - und starke Defenses konnten das bisweilen auch ausnutzen und die Saints so limitieren.

Diese Zeiten sind jetzt vorbei. Mit Sanders erhält Brees einen der besten Route-Runner für sein Arsenal, Thomas und Sanders können beide im Slot und Outside spielen. Die Saints haben jetzt auf einen Schlag eines der besten Receiver-Duos der Liga, mit Alvin Kamara und Jared Cook als passable Nummer-3- und Nummer-4-Waffen im Passspiel dahinter. Das Motto ist klar: Super Bowl or Bust im Big Easy.

NFL Free Agency: Die Verlierer

New England Patriots

Nach der WAR-Metrik ("Wins Above Replacement") von Pro Football Focus hat bislang in dieser Free Agency kein Team unter dem Strich mehr Qualität verloren als die Patriots. Auch wenn sich noch zeigen muss, wie effizient WAR im Football wirklich funktioniert, muss man kein Mathematiker sein, um dieser Aussage zuzustimmen: Brady ist natürlich der große Name, doch auch dahinter haben die Pats mit Kyle Van Noy, Jamie Collins und Danny Shelton wichtige Defense-Spieler verloren.

Dazu kommt der Rücktritt von Offensive-Line-Guru Dante Scarnecchia, die offenen Quarterback-Fragen, das noch immer mit riesigen Fragezeichen versehene Receiving-Corps, kurzum: Die Patriots sehen derzeit wie ein sehr durchschnittliches Team aus, und im Gegensatz zu den Patriots-Teams früherer Tage, gibt es eben keinen Brady mehr, der aus einer wackligen Offense mehr machen kann.

Natürlich kann noch viel passieren, insbesondere auch auf der Quarterback-Position - die jüngste Verpflichtung von Brian Hoyer lässt aber auch die Theorie zu, dass Jarrett Stidham tatsächlich als Starter eingeplant sein könnte.

Unter dem Strich wirkt New England wie ein Team, das offensiv vor einem deutlichen Umbruchsjahr steht, defensiv aber immer noch genug Bausteine hätte, um Richtung Playoffs zu denken. Und so spannend das Duo Brady/Arians auch ist - mindestens genauso spannend wird es sein zu sehen, wie Belichick diese neue Patriots-Ära beginnt.

Minnesota Vikings

Überschrift: "Quo vadis, Minnesota?" So richtig ist der Weg bei den Vikings noch nicht erkennbar; das, was man aber analysieren kann, bietet Vikings-Fans eine wenig hoffnungsvolle Perspektive. Ganz konkret nämlich entsteht der Eindruck, dass Minnesota in der bisherigen Offseason schlicht sehr merkwürdige Prioritäten gesetzt hat.

Gelder wurden unter anderem in neue Verträge des Kickers, Punters und Fullbacks investiert - während der Berater von Edge-Rusher Everson Griffen sich am Wochenende schließlich genervt via Social Media zu Wort meldete, verkündete, dass man alle Gespräche mit den Vikings abgebrochen hat und darauf hinwies, dass Minnesota sein Geld "lieber anderswo" investiere.

Auch in einen Ersatz für den entlassenen Linval Joseph investierte man, Michael Pierce kommt aus Baltimore vor allem mit dem Ruf eines sehr guten Run-Stoppers. Währenddessen sind alle drei Starting-Cornerbacks des Vorjahres weg und es halten sich Gerüchte bezüglich einer vorzeitigen Vertragsverlängerung von Dalvin Cook.

Der Trade von Stefon Diggs ist durch Diggs' anhaltenden und mit Sicherheit für die Verantwortlichen nervtötenden Wechselwunsch zu erklären, der Preis (Erst-, Fünft-, Sechstrunden-Picks in diesem sowie ein Viertrunden-Pick im nächsten Jahr) soweit in Ordnung. Doch reißt Diggs' Abgang ein riesiges Loch in Minnesotas Offense, die schon jahrelang Probleme damit hatte, einen Nummer-3-Receiver zu finden.

Kurzum: Minnesota scheint sich - ob so drastisch gewollt oder nicht - auf einen Football-Stil auszurichten, der in der heutigen NFL nur noch sehr bedingt erfolgsversprechend ist.

Der neue Vertrag für Kirk Cousins schaffte zwar kurzfristigen finanziellen Spielraum, doch haben die Vikings eine Woche nach Start der Free Agency einen guten Quarterback, der allerdings auf gute Umstände angewiesen ist, in deutlich schlechteren Umständen als in der vergangenen Saison. Minnesota könnte eine frustrierende Saison bevorstehen.

Cam Newton, Quarterback

Lange hielten sich die Panthers zurück, mit dem durchaus verständlichen Hinweis auf Cam Newtons Gesundheit und seinen Regenerationsprozess infolge einer Fuß-OP Mitte Dezember. Dann wurden die Aussagen vorsichtig positiver, der neue Head Coach Matt Rhule etwa teilte erst Ende Februar mit, dass er sich "unglaublich darauf freue, mit Cam zu arbeiten".

Dann ging es zum Start der Free Agency ganz schnell: Die Panthers veröffentlichten eine Mitteilung, dass sie Cam Newton die Freigabe für einen Trade erteilt haben. Es dauerte danach etwa eine Stunde, ehe durchsickerte, dass Carolina sich mit Teddy Bridgewater nahezu einig ist. Komplettiert wurde das Bild von Newtons Nachricht auf Instagram, in welcher er die Panthers mit Nachdruck darauf hinwies, dass er nie weg wollte und das Team aufhören solle, diesen Schritt so darzustellen.

Newtons Trade-Markt war folgerichtig im Keller. Die Panthers sind sich inzwischen mit Bridgewater über einen Dreijahresvertrag über 63 Millionen Dollar (33 Mio. garantiert) einig, und Newton wurde entlassen.

Für den 30-Jährigen ist es ein überaus unzeremonielles Ende bei einer Franchise, deren Gesicht und Hoffnungsträger er über die letzten Jahre war. Wie es für Newton weitergeht und welche Teams in einem bereits heißgelaufenen Quarterback-Karussell überhaupt an ihm Interesse haben, ist noch völlig unklar.

Houston Texans

Der Hopkins-Trade überschattet natürlich alles und dieser Move alleine könnte das mögliche Titel-Fenster empfindlich treffen. Zusätzlich aber haben die Texans mit D.J. Reader einen der besten jungen Nose Tackles an die Bengals verloren und einen Erstrunden-Pick sucht man im diesjährigen Texans-Arsenal infolge des Trades für Laremy Tunsil im Vorjahr ebenfalls vergebens.

Houston, mit Head Coach Bill O'Brien in einer überaus mächtigen Rolle, könnte 2020 eine böse Überraschung erleben. Sollte die kommende Saison das Ende für O'Brien bedeuten, stehen die Texans vor einem Scherbenhaufen.

Sam Darnold, Quarterback, New York Jets

Der Abgang von Robby Anderson, eine Offensive Line, die mit Connor McGovern zwar ein Upgrade auf Center erhalten hat, George Fant (Left Tackle) und Greg Van Roten (Guard) sind aber bestenfalls "Status-Quo"-Moves - gerade der Schritt von Kelvin Beachum zu Fant sieht eher nach einem Downgrade aus. Sprich, die Line kommt weiterhin wacklig daher, und das war in der vergangenen Saison für Darnold und auch für Coach Adam Gase ein großes Problem.

Anderson durch Breshad Perriman zu ersetzen war angesichts der Umstände noch solide - mit Perriman, Jamison Crowder, Quincy Enunwa, Josh Doctson und Chris Herndon haben die Jets eines der fragwürdigsten Receiving-Corps in der NFL. Bedenkt man, dass Gang Green vor einer womöglich richtungsweisenden Saison - für Gase, aber auch für Darnold - steht, ist es zumindest mal eine suboptimale Offseason bis zu diesem Punkt.

Los Angeles Rams

Die vergangenen Wochen und Monate bei den Rams lassen eigentlich nur eine realistische Prognose zu: L.A. steht zumindest vor einem kleinen Umbruch. Den teuren Fehler in Form des Vertrags für Todd Gurley haben die Rams eingesehen und schlucken die bittere finanzielle Pille nach dessen Entlassung, doch der eingeschränkte finanzielle Spielraum machte sich auch anderweitig bemerkbar.

Insgesamt fünf Defense-Starter hat L.A. inzwischen verloren: Safety Eric Weddle, der seine Karriere beendet, sowie Slot-Corner Nickell Robey-Coleman, Defensive Tackle Michael Brockers, Pass-Rusher Dante Fowler und Linebacker Cory Littleton. Rechnet man dann noch dazu, dass auch Defensive Coordinator Wade Phillips weg ist, wird klar: Auch mit Aaron Donald und Jalen Ramsey steht die Rams-Defense vor einem drastischen Einschnitt.

Offensiv konnte zwar mit Andrew Whitworth der wichtigste eigene Free Agent gehalten werden, dennoch bleiben große Fragezeichen in der Offensive Line. Wide Receiver Brandin Cooks wird noch zusätzlich als Trade-Kandidat gehandelt - den nach dem Ramsey-Trade in diesem (und im nächsten) Jahr fehlenden Erstrunden-Pick wird man mit Cooks nicht zurückbekommen können.

Mitchell Trubisky, Quarterback, Chicago Bears

Über den Trade für Nick Foles kann man geteilter Meinung sein; es besteht jedenfalls die reelle Gefahr, dass Foles zwar ein Upgrade, aber keine ausreichend starke Verbesserung darstellt, um die Bears wieder Richtung Playoffs zu befördern. Dann wäre es zwar eine Verbesserung, aber eine, die ultimativ ihr Ziel verfehlt.

Keine zwei Meinungen dürfte es dagegen beim Verlierer dieses Trades geben. Mitchell Trubiskys Zeit in Chicago geht ihrem Ende entgegen, dafür muss man kein Prophet sein. Nach einer kontrovers diskutierten 2018er Saison bauten die Fürsprecher des jungen Quarterbacks auf eine Verbesserung 2019 - Trubisky aber stagnierte bestenfalls, zumindest in der ersten Saisonhälfte spielte er merklich schlechter als im Vorjahr.

Das zwang Chicago zum Handeln. Foles ist der bessere Quarterback, er hat eine gemeinsame Vorgeschichte mit Head Coach Matt Nagy - beide arbeiteten einst gemeinsam in Kansas City - und es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich auszumalen, wer hier der Week-1-Starter sein wird.

Jameis Winston, Quarterback

Neben Cam Newton ganz klar der Verlierer des diesjährigen Quarterback-Karussells. Bis zuletzt schien es denkbar, dass die Buccaneers Winston mit einem kurzfristigen Deal zurückholen würden, sollte man im Rennen um Brady das Nachsehen haben. Es kam bekanntermaßen anders und so steht Winston derzeit vor einem äußerst schwierigen Markt.

Die einzigen wirklich offenen Baustellen wären New England und die Los Angeles Chargers; bei beiden Teams heißt es, dass kein Interesse an Winston besteht. Somit bleibt dem Gunslinger wohl nur ein Weg: Eine Ryan-Tannehill-ähnliche Rolle als Elite-Backup hinter einem potenziell wackligen oder gar schon angezählten Starter, um womöglich im Laufe der Saison zu übernehmen und sich wieder ins Rampenlicht zu spielen.

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