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Satou Sabally: "Sie könnte zu einer der besten Spielerinnen der Welt werden"

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 05.03.2020 Jakob Schönhagen

In New York geboren, in Berlin aufgewachsen, nun auf dem Sprung in die US-Basketballliga der Frauen: Satou Sabally wird eine große Zukunft vorhergesagt.

© Ben Margot/ AP

Der vergangene Freitag war ein typischer Satou-Sabally-Abend, dafür lieben die Fans der Oregon Ducks die deutsche Basketballerin: Mal gestaltete die 1,89-Meter-Frau das Offensivspiel, gab das Tempo vor, dirigierte die Mitspielerinnen. Dann war sie selbst die Verwerterin – unterm Korb, aus der Halbdistanz oder hinter der Dreierlinie. Auch in der Defensive griff sie sich Rebound um Rebound und entnervte Gegner Washington Huskies mit ihren Steals.

Am Ende hatte Sabally 22 Punkte für ihr Team gemacht und den Ducks die dritte Conference-Meisterschaft in Serie beschert. "Sie ist so dermaßen vielseitig und talentiert, dass sie zu einer der besten Spielerinnen der Welt werden könnte", sagt Saballys Trainer Kelly Graves dem SPIEGEL.

Normalerweise ziehen in den USA vor allem die männlichen Basketballer und Footballer die meisten Zuschauer an. Doch an der University of Oregon haben sich die Ducks zum Publikumsmagneten entwickelt. Auch dank Sabally.

20 Stunden Training in der Woche

Ihre Beliebtheit war deutlich zu spüren, als sie nach dem Sieg am Freitag vor den 12.500 Zuschauern zum Mikrofon griff und sich bei den begeisterten Fans für ihre tolle College-Zeit bedankte, um den Hals trug sie das Netz des Meisterschafts-Korbs.

Für die 21-Jährige, die gambische Wurzeln hat und in New York geboren wurde, war es ein besonderer Abend: Senior-Night nennen sie im College-Jargon das Event, an dem sie sich nach vier Hochschul-Jahren von ihren Spielerinnen verabschieden. Auch wenn sie erst drei Jahre am College verbracht hat, geht ihre Oregon-Zeit zu Ende.

Bis zu 20 Stunden die Woche trainiert sie mit ihrem Team. Immer in Vier-Stunden-Blocks. Erst Kraft, dann mit dem Ball. Ihren Freund, den NFL-Footballer Jalen Jelks, besucht sie regelmäßig in Dallas. Eigentlich ein schönes Leben, wie Sabally findet.

Geld spielt eine wichtige Rolle

"Aber ich habe gespürt, dass es an der Zeit ist, den nächsten Schritt zu gehen", sagt die deutsche Nationalspielerin dem SPIEGEL. Deswegen hat sie diesen Winter extra Lernschichten eingelegt und ihren Bachelor in Sozialwissenschaften ein Jahr früher als geplant abgeschlossen. Und vor zwei Wochen verkündet, dass sie sich für die WNBA-Draft am 17. April anmeldet - ein von Experten seit langem erwarteter Schritt.

Sabally ist damit nach Marie Gülich, Linda Fröhlich und Marlies Askamp die vierte Deutsche, die den Sprung in die US-Profiliga WNBA wagt. Es gilt als wahrscheinlich, dass Sabally als Top-Pick gezogen wird. Neben viel Prestige hätte das auch monetäre Vorteile. Nach langwierigen Diskussionen mit der Männerliga NBA hat die WNBA 2019 neue Bezahlregelungen durchgesetzt. Es gibt nun ein Mindestgehalt und auch Mutterschutz wird gewährleistet.

Als einer der ersten vier Picks stünden Sabally 68.000 US-Dollar Grundgehalt zu. Topspielerinnen können über Prämien mittlerweile bis zu 500.000 Dollar pro Jahr verdienen. Besser gezahlt wird nur in Russland oder der Türkei. Für Sabally eine wichtige Entwicklung: "Ich habe mich auch zu dem Schritt entschieden, um meiner Familie, die finanziell nicht so gut gestellt ist, etwas zurückzugeben."

"Brauchen mehr Kontinuität in der Verbandsarbeit"

Der deutsche Verband hält große Stücke auf die in Berlin aufgewachsene Athletin. Ihr wird zugetraut, eine ganze Generation versierter Basketballerinnen anzuführen. Dazu gehören neben Sabally auch ihre Schwester Nyara, die seit zwei Jahren ebenfalls in Oregon spielt, Leonie Fiebich und Luisa Geiselsöder – allesamt aus dem Jahrgang 1999/2000, der vor anderthalb Jahren Gold bei der Jugend-Europameisterschaft holte.

"Dafür aber muss viel passieren", sagt Sabally, "wir brauchen mehr Kontinuität in der Verbandsarbeit." Erst vor kurzem trat Nationaltrainer Patrick Unger zurück. International ist Deutschland höchstens Mittelmaß. Der Weltverband führt das Nationalteam auf Rang 38. Sabally weckt nun Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Vorerst aber wartet in den USA die heiße Phase der landesweiten College-Meisterschaft, die "March Madness". Diesen Freitag starten die Ducks in Las Vegas in den Monat der Entscheidungen. Letztes Jahr schied Oregon im Halbfinale aus, nun soll mehr herausspringen, sagt Sabally: "Dieses Mal wollen wir den nationalen Titel."

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