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Serien: "Belgravia" – Briten feiern den Nachfolger von Downton Abbey

stern-Logo stern 18.04.2020 Gernot Kramper
Ein berühmter Ball legt den Grund für alles Kommende. © PR/ITV Ein berühmter Ball legt den Grund für alles Kommende.

Eine neue TV-Serie nimmt die Briten mit in die gute alte Zeit. Nur das gar nichts gut ist, in dieser Welt von Dünkel und Machtstreben. "Belgravia" entwickelt ein großes Liebesdrama vor historischer Kulisse und die Schauspieler schaffen das Wunder, die unwahrscheinlichsten Wendungen ganz natürlich aussehen zu lassen.

In "Downton Abbey" wurde ewig lang der Untergang der guten alten Zeit begleitet. Das Ende der großen Häuser mit all ihren Bediensteten auf dem Land, dem Ende einer Epoche der Vorrechte des Adels. Derzeit läuft auf dem Sender ITV in Großbritannien die Serie "Belgravia", nach einem Erfolgsroman von Julian Fellowes. "Belgravia" geht weit zurück in der Zeit, als die Epoche begann, auf die "Downton Abbey" ein Abgesang war.

"Downton Abbey" tränkte diese Welt mit so viel Wohlwollen, Jovialität und Humor, dass diese Zeit der Ausbeutung und Klassengegensätze als patriarchalisches Paradies auf Erden erschien. Diesen Fehler begeht "Belgravia" nicht, in vielem ähneln sich die Serien, "Belgravia" ist wie "Downton Abbey" ohne Schmalz. Die Romanvorlage wurde in unserer Zeit geschrieben, nimmt aber ein Lieblingsmotiv der Schmachtromane des 19 Jahrhunderts auf: das edle Kind mit illegitimer Abstammung, dem seine eigene Herkunft lange unbekannt bleibt und dessen Schicksal von übermächtigen Personen gelenkt wird.

Eine unmögliche Liebe

"Belgravia" beginnt mit dem Vorabend der Schlacht von Waterloo, dem 15 Juni 1815 und dem legendären Ball, den die Duchess of Richmond, den Offizieren von Wellingtons Armee in Brüssel gab. Dort trifft die reizende Sophia Trenchard mit ihrem ebenso schmucken Geliebten Lord Edmund Bellasis zusammen. Eine Liebe, die unter keinem guten Stern steht. Denn er, der Lord, entstammt dem Hochadel und sie ist ein gesellschaftlicher Niemand. Ihr Vater, Mr. James Trenchard, ist ein reichgewordenen Emporkömmling. Zu Beginn der Serie in der Rolle eines Heereslieferanten. Mit dieser Position wurden in der napoleonischen Ära ungeheure Vermögen zusammengerafft. Den Hintergrund der Handlung bilden Standesdünkel und das ewige Streben der neuen Familie nach gesellschaftlichem Aufstieg. So fördert Mr. Trenchard die Amouren seiner Tochter – weil er ihr nichts abschlagen kann, aber auch, weil er den Vorteil aus der Verbindung wittert.

Ohne zu viel zu verraten: Diese Liebe am Vorabend der größten Schlacht, die die Welt bis dahin gesehen hat, führt das Paar nicht ins Paradies, sie legt den Grund für alles Kommende. 26 Jahre später, gegen Ende der Regency, der Nachmittagstee wurde soeben erfunden, begegnen wir den Trenchards und den Eltern von Lord Bellasis, Earl und Countess Brockenhurst, wieder. James Trenchard ist inzwischen in das Baugeschäft und die Stadtentwicklung eingestiegen. Er hat den namensgebenden Stadtteil Belgravia errichtet und lebt dort inmitten der Personen der Gesellschaft, die ihn nach wie vor nicht anerkennt.

Eine Welt der Klassengegensätze

Um das Schicksal des mittlerweile erwachsen geworden illegitimen Kindes entspinnt sich die Handlung. Von verdorbenen Erben, überforderten Söhnen und sinnlichen doch schlecht verheiraten Frauen entspannt sich ein Bogen über die ganze Gesellschaft. Aber anders als bei "Downton Abbey" herrscht hier keine Grundharmonie. Die Männer gehen fremd oder verspielen das Vermögen ihrer Frauen. Das Personal lässt sich bezahlen, um die eigenen Herrschaften auszuspionieren.

Die Serie schafft es, eine überaus romantische Geschichte vor dem Hintergrund einer harten, wenn nicht gemeinen Welt zu entwickeln. Die Kunst liegt in der Inszenierung, auch wirklich typische Liebesverwicklungen kommen nicht allzu kitschig rüber. In der Anlage sind viele Figuren platt und vorhersehbar gezeichnet, doch die Schauspieler agieren so überzeugend, dass sie ihnen Tiefe verleihen und das "Gemachte" nicht auffällt.

Phänomenal sind die Hauptdarsteller. Philip Glenister spielt James Trenchard. Größte Überraschung ist, dass sich dieser notorische Alpha-Mann der britischen TV-Welt so sehr zurücknehmen kann. Glenister nimmt man die Kraft und den zehrenden Ehrgeiz des Selfmade-Mannes sofort ab, doch in den entscheidenden Momenten tritt er in den Hintergrund. Die ersten Folgen werden nicht von den reizenden Damen und hübschen Gentlemen dominiert, sondern von zwei älteren Frauen. Den Müttern des ersten Paares.

Anne Trenchard, gespielt von Tamsin Greig, und die Caroline, Countess of Brockenhurst, gespielt von Harriet Walter, liefern sich in den Salons einen erbitterten Kampf um das, was von ihren Kindern noch geblieben ist.

Ein Sendetermin in Deutschland steht noch nicht fest.

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