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5 weibliche Regisseurinnen und ihre Filme, die man jetzt kennen muss

Harper's BAZAAR-Logo Harper's BAZAAR 22.04.2020 Ramona Nickl
Film-Tipps weibliche Regisseurinnen, die man kennen muss ddp/INTERTOPICS/LMKMEDIA Ltd. © ddp/INTERTOPICS/LMKMEDIA Ltd. Film-Tipps weibliche Regisseurinnen, die man kennen muss ddp/INTERTOPICS/LMKMEDIA Ltd.

Gleichberechtigung ist auch in der neuen Dekade ein wichtiges Thema, denn der Weg ist noch ein weiter – das gilt auch für filmschaffende Frauen, allen voran Regisseurinnen. Für große Aufruhr sorgte in dieser Hinsicht die 92. Verleihung der Academy Awards in Hollywood im Februar 2020. In der Kategorie „Beste Regie“ war keine einzige Frau vertreten, überhaupt waren in der 90-jährigen Geschichte der Award-Show lediglich fünf Frauen insgesamt nominiert, nur Kathryn Bigelow gewann 2010 die Trophäe für ihren Film „The Hurt Locker“. Und das, obwohl das Kinojahr beachtenswerte Werke wie die literarische Neuverfilmung von „Little Women“ der Regisseurin Greta Gerwig oder „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ von Céline Sciamma bereithielt. Wenngleich Beteiligte wie die Organisatoren der Berlinale eine positive Tendenz zeigen – die neue Führungsspitze unter Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian zeigte immerhin eine bessere Frauenquote als andere Filmfestivals wie etwa Cannes – ist dies noch nicht genug. Fünf der inspirierenden Regisseurinnen von heute und gestern möchten wir Ihnen im Folgenden vorstellen, denn diese Film-Highlights aus unterschiedlichen Genres und Veröffentlichungsjahren verdienen Beachtung (in beliebiger Chronologie).

Film-Tipps weibliche Regisseurinnen, die man kennen muss © ddp/INTERTOPICS/LMKMEDIA Ltd. Film-Tipps weibliche Regisseurinnen, die man kennen muss

Film-Highlights: Diese 5 weiblichen Regisseurinnen und ihre Filme müssen Sie kennen

1. Greta Gerwig – „Lady Bird“ (2017)

Noch bevor ihre literarische Neuverfilmung von „Little Women“ zu einem der am meisten erwarteten Filmstarts des Kinojahres 2020 wurde, sorgte die amerikanische Regisseurin Greta Gerwig mit einem anderen Werk für Begeisterung. „Lady Bird“ mit der Irin Saoirse Ronan in der Hauptrolle (die ihren Akzent im englischen Original beeindruckend verbirgt) und Timothy Chalamet im Cast – die auch beide in „Little Women“ spielen – ist eine wunderbare Coming-of-Age-Story rund um Christine „Lady Bird“ McPherson, die durch ihre eigensinnige Persönlichkeit nicht nur bei ihren Mitschülern in ihrer katholischen High School aneckt, sondern auch Zuhause ihre Mutter in den Wahnsinn treibt. Die 17-Jährige macht in ihrem letzten Schuljahr erste Erfahrungen mit Jungs und muss feststellen, dass alles gar nicht so rosarot ist wie sie dachte. Überhaupt fällt dem rebellischen Teenager die Decke in ihrer kalifornischen Heimat auf den Kopf, weshalb sie sich für Colleges an der Ostküste bewirbt und dringend aus ihrer Heimatstadt Sacramento raus will. Eine wunderschöne, aber auch traurige und melancholische Geschichte über eine junge Frau, die sich selbst sucht und dabei so manche Hürden als Teil des Erwachsenwerdens erkennen muss und über Familie, Freundschaft und den großen Traum davon, andernorts mehr zu finden. „Lady Bird“ ist durch seine zeitlose Gültigkeit schon jetzt zu einem Klassiker geworden, in dem man sich in jeder Lebensphase wiederfinden kann – egal ob man selbst kurz vor seinem Schulabschluss oder bereits mit beiden Beinen in einem Job steht, männlich oder weiblich ist.

2. Sofia Coppola – „Lost in Translation“ (2003)

Einen Meilenstein in der Oscar-Geschichte von Frauen setzte Sofia Coppola. Mit ihrem Film „Lost in Translation“ war sie die erste Amerikanerin, die für den Regiepreis nominiert wurde und die dritte Frau überhaupt in dieser Kategorie der Award-Verleihung. Den Preis für die „Beste Regie“ konnte sie in diesem Jahr leider nicht gewinnen, dafür wurde ihr Werk mit einem Oscar als „Bestes Originaldrehbuch“ ausgezeichnet. Wer den Film auch 2020 immer noch nicht gesehen hat, sollte dies schleunigst nachholen. Ein Film-Meisterwerk, das so melancholisch, merkwürdig und schön ist, dass man es am besten immer wieder ansieht. Bill Murray spielt den in die Jahre gekommenen Filmstar Bob Harris, der für einen Werbejob für Whiskey nach Tokio reist. Dort begegnet er eines Abends in der Hotelbar Charlotte, gespielt von der damals gerade mal 19-jährigen Scarlett Johansson, der jungen Ehefrau eines hippen Fotografen, die alleine im Hotel zurückbleibt, während ihr Mann seiner Arbeit nachgeht. Es entwickelt sich eine der wohl schönsten Freundschaften der Filmgeschichte um zwei Charaktere, die gemeinsam alleine sind – inmitten der Kontraste zwischen dem traditionellen Tokio bei Tag und seinem schrillen Nachtleben. Ein Film, der von der Suche nach der eigenen Identität erzählt, die auch im Erwachsenenalter kein Ende nimmt. Und davon, wie wertvoll menschliche Begegnungen für unser Leben sind.

3. Agnès Varda – „Cléo from 5 to 7“ (1962)

Film-Tipps weibliche Regisseurinnen, die man kennen muss ddp images © ddp images Film-Tipps weibliche Regisseurinnen, die man kennen muss ddp images

Im März 2019 verstarb Agnès Varda im Alter von 90 Jahren in Paris. Eines ihrer bekanntesten Werke ist aber bis heute zeitgemäß: „Cléo from 5 to 7“ folgt der namensgebenden Protagonistin Cléo bei ihrem Spaziergang durch Paris. Während die Popsängerin sich den Kopf über eine potenzielle Krebserkrankung, verursacht durch die Vorhersage einer Wahrsagerin beim Legen der Tarotkarten, zerbricht und beim Wandern durch die Stadt nach Ablenkung sucht, erhält der Zuschauer wunderbare szenische Einblicke in das Leben in der französischen Hauptstadt in den 60er-Jahren. Vardas Werk gilt als eines der besten Beispiele für den Feminismus zur Zeit der Nouvelle Vague und setzt gekonnt die prägende Thematik der Sterblichkeit und Vergänglichkeit des Lebens mit filmischen Symbolen um – der Film ist berühmt für seine Fülle an Details, die eine Referenz zwischen dem Leben der Hauptdarstellerin und Autos, Gebäuden, Kleidern und Antiquitäten und Personen in Paris herstellt. Perfekt für einen Filmabend, an dem man sich mental auf eine Reise in das Paris der Vergangenheit begibt und dabei zugleich einen Denkanstoß erhält, wie schnell die gewohnte Leichtigkeit des Lebens vorbei sein kann.

4. Lynne Ramsay – „We Need to Talk About Kevin“ (2011)

Was tun, wenn sich das eigene Kind als Psychopath entpuppt? So absurd diese Frage für manch einen erscheinen mag, so real wird sie für die Hauptdarstellerin im Film „We Need to Talk About Kevin“ von der schottischen Regisseurin Lynne Ramsay, gespielt von der brillianten Tilda Swinton. Um ihr Familienglück mit ihrem Ehemann Franklin komplett zu machen, gibt Eva ihren Traumjob als Reiseschriftstellerin auf. Doch was erst nach dem Sahnehäubchen auf der Beziehung wirkt, entpuppt sich schnell als Alptraum. Schon früh bemerkt Eva, dass sie keine Bindung zu ihrem eigenen Kind aufbauen kann. Auf ihre Versuche, eine Mutter-Kind-Beziehung zu führen, reagiert Kevin gefühlskalt und hart – und scheint eine Abneigung gegenüber dem Glück seiner Mutter zu entwickeln, indem er alles zerstören will, was ihr gehört. Dieses Kapitel kommt zu einem abrupten und unfassbar grausamen Ende, als Kevin eine furchtbare Gewalttat begeht. Der Film erzählt die Geschichte von Eva mit Rückblenden in die Vergangenheit. Zum Zeitpunkt der eigentlichen Handlung lebt Eva alleine in einer neuen Stadt und wird dort von ihren Mitmenschen geächtet. Ein packender und schockierender Thriller, der auf extrem übersteigerte Form von der Entfremdung handelt. Nichts für schwache Nerven, aber alleine wegen Swinton als Eva und Ezra Miller in der Rolle des Psycho-Sohns Kevin ein großartiges Filmwerk.

5. Lulu Wang – „The Farewell“ (2019)

Bereits bevor mit der koreanischen Sozialsatire „Parasite“ 2020 erstmals ein fremdsprachiger Film den begehrten Preis als „Bester Film“ bei den Oscars abräumen konnte, bot ein asiatischer Film viel Gesprächspotenzial und galt für viele als bester Film des Jahres 2019: Obwohl Lulu Wangs „The Farewell“ wie so viele Werke weiblicher Regisseurinnen bei der Award-Show leer ausgehen musste, gehört er zu den großen Film-Highlights des vergangenen Jahres. Er erzählt eine Geschichte, wie der Film selbst verkündet „basierend auf einer wahren Lüge“, denn das Drehbuch basiert lose auf realen Begebenheiten aus dem Leben der Regisseurin. Die Lüge bestand darin, dass ihrer Großmutter Lungenkrebs diagnostiziert wurde – sie selbst aber nie davon erfuhr. Damit die gesamte Familie noch einmal die Großmutter, „Nai Nai“, erleben und sich mental von ihr verabschieden kann, organisiert die Familie überstürzt die Hochzeit eines Cousins in China, zu der die in New York lebende Protagonistin reisen soll. Ihre persönlichen Erlebnisse hat Lulu Wang auf eindrucksvolle Weise zu einem Film verarbeitet, der von Familie, Liebe und Nähe erzählt und davon, wie merkwürdig uns die Gepflogenheiten anderer Kulturkreise von außen erscheinen müssen. Ein besonderes Highlight ist die Chemie zwischen der Hauptdarstellerin Billi, gespielt von der chinesischen Schauspielerin und Rapperin Awkwafina (bekannt aus „Crazy Rich Asians“) und der Großmutter, verkörpert von Zhao Shuzhen. Ein wunderschöner, teils trauriger, aber auch äußerst amüsanter Film über die Bedeutung von Familie und Zusammenhalt, der ganz ohne kulturelle Stereotypen auskommt.

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