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Run the Jewels: Für George Floyd und alle anderen

Swyrl.tv-Logo Swyrl.tv 04.06.2020 Max Trompeter
Pistole und Faust: Nicht nur das Bandlogo von Run The Jewels ist kämpferischer Natur. "RTJ 4" ist das vierte Album der Rap-Supergroup. © BMG Pistole und Faust: Nicht nur das Bandlogo von Run The Jewels ist kämpferischer Natur. "RTJ 4" ist das vierte Album der Rap-Supergroup.

Die aufregendste Rap-Gruppe der letzten Jahre schlägt wieder um sich: Run The Jewels vierter Streich knöpft sich Polizeigewalt, Gier und sogar den Teufel vor.

Es gibt nicht viele Themen, bei denen sich Killer Mike und der ewige Hoffnungsträger der aufstrebenden US-Linken Bernie Sanders uneins sind. Eines davon: Waffenbesitz. Sanders spricht sich - sehr vorsichtig - gegen die herrschende Auslegung des zweiten Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten aus. Niemand brauche etwa halb automatische Killerwaffen. Sein langjähriger Fürsprecher hingegen, Rapper Killer Mike, pocht auf sein gegebenes Recht und motiviert gar seine schwarzen Mitbürger, sich ein eigenes Arsenal anzulegen. Der Grund: Die Polizei schütze Afroamerikaner nur ungenügend. So bedrohlich das klingen mag, dagegen zu argumentieren fällt dieser Tage mit den aktuellen Eindrücken aus Minneapolis und dem Todesfall George Floyd verdammt schwer. Macht- und beizeiten ratlos macht auch "RTJ 4", aus verschiedenen Gründen. Gemeinsam mit Rapper und Produzent El-P veröffentlicht Killer Mike als Run The Jewels damit aber trotzdem ein abermals bahnbrechendes Album.

Killer Mike (links) und El-P alias Run The Jewels sind nur kurz zu Scherzen aufgelegt. "RTJ 4" ist eine Wucht. © Tim Saccenti Killer Mike (links) und El-P alias Run The Jewels sind nur kurz zu Scherzen aufgelegt. "RTJ 4" ist eine Wucht.

Hammerschläge im Takt einer Nähmaschine, chaotisch hin- und herzischende Synthies - so beginnt Platte Nummer vier. Das ist nicht ungewöhnlich. El-Ps Produktionen sind seit jeher aggressiv, wild und fordernd. Was das Endprodukt so rund und eingängig klingen lässt, sind die wortspielverliebten und flow-versierten Rap-Parts der zwei so unterschiedlichen Charaktere: Killer Mike predigt wuchtig von oben herab, El-P hingegen scheint stets etwas Abstand zu wahren, überlegen und selbstsicher. So und so - ihre Reimketten erschlagen den Hörer: "Stack addict, a mac with the blackest fabric on back / I magically rack it and dash while im ducking rat ta ta tats". Alles verstanden? Leichte Kost ist das nicht. Die beiden starten in ihr viertes Abenteuer mit der puren Lust am Rumfeixen und Übertreiben. Überfälle, kleinkriminelles "Abziehen", Nackenschläge: Für Killer Mike und El-P, beides Pantoffelhelden Mitte 40, ist Run The Jewels auch ein ewiger Jungbrunnen.

Zeit zum Austeilen

Doch die Zeit für Späße ist schnell vorüber. Das Vorgängeralbum "RTJ 3" erschien im Dezember 2016 - nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Wut, aber auch Verzweiflung brachen sich Bann auf der viel gelobten Platte. Und die vergangenen dreieinhalb Jahre vermochten mitnichten, diese Gefühle nur ansatzweise wieder loszubekommen. So wiederholen die beiden etwa mit "JU$T" ihr damals schon vorgebrachtes Postulat "Kill Your Masters". Moderne Sklaverei, das Großkapital und die Gier seien genauso Feinde wie die Machtlosigkeit, sich diesem System zu entziehen. Pharrell Williams und abermals Rage-Against-The-Machine-Faustheber Zack de la Rocha verleihen dem Nachdruck.

Sogar die jüngsten Eindrücke zum Thema Polizeigewalt fanden kurzfristig noch ihren Platz auf dem Album: "And everyday on the evening news they feed you fear for free / And you so numb you watch the cops choke out a man like me / Until my voice goes from a shriek to whisper "I can't breathe" / And you sit there in house on couch and watch it on TV / The most you give's a Twitter rant and call it a tragedy", klagt ein hörbar angeschlagener Killer Mike in "Walking In The Snow". Dabei kotzen sich die beiden nicht stumpf über rassistische Cops aus, vielmehr ist das Lied ein Rundumschlag, der auch in den falsch bewertenden Schulen, in Chancen vernichtenden Gefängnissen und in heuchlerischen Kirchenschiffen seine Spuren hinterlässt.

Apokalyptisch schließlich wird es in "Pulling the Pin". "There's a grenade in my heart / and the pin is in their palm" - Verzweiflung pur von der ewig jungen Protestsängerin Mavis Staples, und im Hintergrund erdrückt Josh Homme (Queens of the Stone Age) mit der E-Gitarre die letzte Hoffnung. "And here we are again / hello void, long time watcher, first time calling in", grüßt El-P das Ende. Ebenso mächtig ist das letzte Stück "A Few Words For The Firing Squad (Radiation)". Die beiden schauen auf ihre Liebsten, auf Zuneigung, Verlust und Versagen. Doch: Der Teufel werde nie seine Genugtuung bekommen, denn die Guten stemmten sich stets gegen ihn. So lautet die finale Message von Killer Mike. Ob allerdings Schusswaffen dabei wirklich helfen können?

Run the Jewels - Ooh La La

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Copyright: Run the Jewels

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