Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

"Verschwunden: Tatort Cecil Hotel": Zu viel Grusel: Netflix berauscht sich am Horror-Hotel

stern-Logo stern 15.02.2021 Jens Maier
Das ehemalige Hotel Cecil steht mitten in Downtown Los Angeles. Inzwischen ist das Hotel geschlossen und das Gebäude für 80 Millionen Dollar verkauft worden. Es soll eine neue Luxusherberge entstehen. © Netflix Das ehemalige Hotel Cecil steht mitten in Downtown Los Angeles. Inzwischen ist das Hotel geschlossen und das Gebäude für 80 Millionen Dollar verkauft worden. Es soll eine neue Luxusherberge entstehen.

Netflix dokumentiert in "Verschwunden: Tatort Cecil Hotel" den Fall der vermissten Studentin Elisa Lam. Ein Grusel basierend auf Fakten. Doch leider berauschen sich die Macher am Horror.

Waren Sie schon einmal im "Tower of Terror" in Disneyland? Die beliebte Attraktion steht im kalifornischen Anaheim und in anderen Disneyparks und entführt die Besucher in ein Hotel der Goldenen Zwanziger Jahre. Allerdings gibt es ein klitzekleines Problem mit den Aufzügen. Die verwandeln sich in dem Fahrgeschäft in eine Art Achterbahn und sorgen bei den Besuchern für richtigen Nervenkitzel.

Nur wenige Kilometer davon entfernt steht in Downtown Los Angeles ein Hotel, das seit Jahren für Schlagzeilen sorgt und dem "Tower of Terror" in Nichts nachsteht. Nur mit dem Unterschied, dass im Cecil Hotel tatsächlich viele Menschen auf teilweise mysteriöse Weise ums Leben gekommen sind. Das Cecil ist eines der skandalträchtigsten Hotels der Welt – und eignet sich damit hervorragend als Vorlage für Gruselgeschichten.

Der Streamingdienst Netflix erzählt in seiner neuen Dokureihe "Verschwunden: Tatort Cecil Hotel" die Geschichte von Elisa Lam. Die Studentin aus Vancouver in Kanada wohnt 2013 im Cecil, offenbar nichts ahnend davon, dass das Hotel in einem Atemzug mit Serienkillern und Mördern genannt wird. Am Vortag ihrer Abreise verschwindet die Frau spurlos. Die Polizei veröffentlicht ein Video von ihr im Fahrstuhl des Cecil Hotels, das eine offenbar hilflose und verzweifelte Lam zeigt. Die Bilder halten ganz Los Angeles in Atem. Bis Lam tot aufgefunden wird.

Alptraum im Cecil Hotel, der zu Elisa Lam führte

"Das Wasser aus dem Wasserhahn war plötzlich ganz braun. Wir haben davon getrunken und uns damit die Zähne geputzt." Die Erzählung eines Studentenpärchens, das zur gleichen Zeit im Cecil abgestiegen war, ist ekelerregend. Denn auf der Suche nach der Ursachenforschung für das braune Wasser und den Druckabfall wird der Hausmeister im Wassertank auf dem Dach fündig. Dort treibt der leblose Körper von Elisa Lam.

Regisseur Joe Berlinger ("Ted Bundy: Selbstporträt eines Serienmörders") gelingt es eindrucksvoll, das Grauen, das vom Cecil einst ausging, in seiner Dokumentation zu transportieren. Er lässt die ehemalige Hoteldirektorin, Polizeiermittler und Internetfreaks zu Wort kommen, die Liams Verschwinden als Teil einer großen Verschwörung ansehen. Als Beweise dienen ihnen das Fahrstuhlvideo und allerlei Ungereimtheiten.

Netflix zeichnet das verrufene und verkommene Bild von Downtown Los Angeles. Mittendrin ein einstiges Luxushotel, das völlig heruntergekommen Junkies und Obdachlose für ein paar Dollar beherbergt und verzweifelt um Touristen buhlt. Im Cecil begegnen sich zwei Welten. Auch die Verschwörungswelt der selbsternannten Internetermittler und was sie anrichten können, zeigt "Verschwunden".

Netflix setzt auf Effekthascherei

Doch leider wird die Spannung der Dokumentation dadurch erreicht, dass Fakten lange zurückgehalten werden. Ausführlich werden krude Theorien dem Zuschauer als möglich verkauft, nur um die logische und relativ simple Auflösung am Schluss präsentiert zu bekommen. Eine raffinierte Methode mit durchschaubarem Ziel: Der Grusel soll so lange wie möglich aufrechterhalten bleiben.

Bei einem Horrorfilm würde man bei diesem Plot vermutlich sein Geld zurückverlangen. Netflix täte gut daran, die geplante Fortsetzung von "Verschwunden" weniger reißerisch aufzubauen

Erfahren Sie mehr:

Netflix-Dokumentation : Mucho, mucho grandios - diesen Guru müssen Sie sehen

Ohne Korsett und Konvention: Das Phänomen "Bridgerton" – wie eine Netflix-Serie unseren Liebesdurst in der Pandemie stillt

Jodie Turner-Smith: Zweite Frau von Heinrich VIII.: Anne Boleyn wird von einer Schwarzen gespielt

NÄCHSTES
NÄCHSTES
| Anzeige
| Anzeige

mehr von stern

| Anzeige
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon