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Zum Schauen verführen

Süddeutsche Zeitung-Logo Süddeutsche Zeitung 08.04.2020 Von Bernhard Blöchl

Immer mehr Verleiher bieten aktuelle Kinofilme im Netz an, zum Beispiel den Coming-of-Age-Film "This Is Not Berlin" oder die "Känguru Chroniken".

Das hätte sich das Känguru nicht im Albtraum vorgestellt. Dass sein ausgemachter Komödien-Hit nach ein paar Wochen nur noch in Autokinos in Essen und Kornwestheim läuft. Ist aber so. Chorona macht auch vor den Känguru-Chroniken nicht halt beziehungsweise vor den vielen Kinos, die Dani Levys Bestseller-Verfilmung zeigten. Damit das vorlaute Tier auch in der Krise für gute Laune sorgt, hat sich der X-Verleih kürzlich dazu entschlossen, den Film vorübergehend auf großen Streaming-Portalen zugänglich zu machen. 17 Euro kostet der Spaß, ein Teil davon soll den Kinos zugute kommen. Nach dem Ende des Lockdowns sei die Rückkehr in die Filmtheater geplant.

Der Trend dahinter ist mit Laptop statt Leinwand umrissen. Immer mehr Verleihfirmen bieten neue Produktionen als Stream für zuhause an. Das mag den einen oder anderen Zuschauer beglücken, weil Heimkino nun auch die Komponente Aktualität einschließt (im Gegensatz zur verzögerten DVD-Veröffentlichung). Kino-Fans und -betreiber springen, milde gesagt, vor Freude nicht im Kreis. Das Känguru hätte weiterhüpfen können, wenn die Kinos wieder öffnen und viele den Film noch nicht kennen. So die Argumente der Kritiker.

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Mit kleineren Produktionen, deren Kinostarts in die Ausnahmezeit fallen, verhält es sich etwas anders. Verschieben ist nicht immer möglich. Ein Beispiel dafür ist das so gute wie fordernde Drama Kopfplatzen von Savaş Ceviz. Das bei den Hofer Filmtagen vorgestellte Porträt eines jungen Mannes mit pädophiler Neigung (sensibel und klischeefrei: Max Riemelt) hätte Anfang April ins Kino kommen sollen. Nun ist der wichtige, weil nicht urteilende Film kostenpflichtig als Stream zu sehen, im neuen "Salzgeber Club" unter salzgeber.de. Laut dem gleichnamigen Verleih sollen Netz-Premieren wie diese Kinostarts keinesfalls ersetzen, und auch die Tour mit Ceviz und Riemelt soll nachgeholt werden. Vielmehr sei der Club, in dem an diesem Donnerstag der rauschhafte Coming-of-Age-Film aus Mexiko This Is Not Berlin anläuft, ein neuer Weg, um Filme präsentieren zu können.

Ein ähnliches Web-Konzept (mit Beteiligung der Partnerkinos an den Umsätzen) verfolgt Grandfilm unter grandfilm.de. Und beim Portal kino-on-demand.com kann man kostenpflichtig Neuheiten ( Master Of Disaster) und mehr als 300 Dauerbrenner ( Toni Erdmann) streamen und dabei direkt sein Lieblingskino unterstützen.

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