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"One World: Together At Home": Lady Gagas Mega-Benefizkonzert: "Fake live"-Verdruss und ein großer Überraschungsgast

Swyrl.tv-Logo Swyrl.tv 19.04.2020 John Fasnaugh

Ein "live" gestreamtes Konzert-Event von insgesamt acht Stunden - das hält niemand durch. Hier erfahren Sie, was Sie bei "One World: Together At Home" verpasst haben - und was nicht.

Live aus dem Wohnzimmer ins Internet gestreamte Auftritte sind derzeit für die meisten Künstler das Gebot der Stunde - weltweit hat es in den letzten Wochen Tausende solcher Auftritte gegeben. Wenn man sich in zehn oder 20 Jahren aber ein konkretes Event erinnern wird, dann wahrscheinlich an das "One World: Together At Home"-Konzert, das in der Nacht von Samstag auf Sonntag stattfand und "live" gestreamt wurde. Über 100 Stars von teils allergrößter Prominenz waren an dem achtstündigen Spektakel beteiligt. Organisiert wurde das Marathon-Konzert (sechs Stunden Pre- und zwei Stunden Main-Show) von Global Citizen und der World Health Organization (WHO); Als Schirmherrin fungierte Lady Gaga, die das Event initiiert hatte und kuratierte. Wer war dabei? Was waren die Highlights? Worüber durfte man sich ärgern?

Worum ging es?

Das "One World: Together At Home"-Konzert verstand sich in erster Linie als ein großes Dankeschön für alle Helfer, die bei der Bekämpfung des Coronavirus an vorderster Front stehen - Ärzte, Pflegekräfte, aber auch Homeschooling-Eltern und viele andere Alltagshelden wurden gewürdigt. Zudem gab es immer wieder kleine Einspieler mit Informationen, Gesundheits-Tipps, Mutmach-Botschaften und Durchhalteparolen sowie Anregungen dazu, wie man den Quarantäne-Koller vermeidet. Einen konkreten Spenden-Aufruf gab es indes nicht. Nachdem bereits im Vorfeld 35 Millionen US-Dollar an Spenden eingesammelt worden waren, wurde während der Show lediglich auf die Global-Citizen-Homepage act.me verwiesen, über die man sich an diversen Hilfsaktionen beteiligen kann. Niemand sollte sich zum Spenden genötigt fühlen, die vielen Helfer auf aller Welt sollten diese Veranstaltung genießen - ein schöner Ansatz.

Wer trat auf?

Sportler, Schauspieler, Models (wie etwa Heidi Klum) und viele andere Promis meldeten sich zu Wort, um Songs anzuteasern, persönliche Corona-Erlebnisse zu schildern und um natürlich auch dazu aufzurufen, weiterhin zu Hause zu bleiben. Auch Opfern und Helfern wurde hier eine Plattform geboten. Das Grundgerüst bildeten aber die vielen Musiker mit ihren Auftritten. Die Rolling Stones, Jennifer Lopez, Elton John, Andrea Bocelli, Lang Lang, Paul McCartbey, Taylor Swift, Billie Eilish und natürlich Lady Gaga - an großen Namen mangelte es wahrlich nicht. Über 100 Musiker waren insgesamt beteiligt, darunter unter anderem auch die deutsche Band Milky Chance.

Ein neues "Live Aid"?

Das "One World: Together At Home"-Konzert wurde dem Publikum auf unterschiedlichen Wegen zugänglich gemacht. Es gab einen kostenlosen Stream auf der Global-Citizen-Homepage sowie parallel auf mehreren YouTube-Kanälen und anderen Online-Plattformen wie Amazon Prime Video oder Facebook.

In den USA war die Show bei den TV-Sendern ABC, NBC und CBS, in Großbritannien bei der BBC und in Deutschland bei RTL TV NOW und VOXup zu sehen. Allein der Stream auf dem YouTube-Kanal von Global Citizen wurde bereits 17 Millionen Mal aufgerufen - bis alle Publikumsdaten aufaddiert sind, wird es aber wohl eine Weile dauern. Dann wird man auch wissen, ob "One World: Together At Home" zumindest annähernd an die eineinhalb Milliarden Zuschauer herankommt, die das "Live Aid"-Benefizkonzert von 1985 einst verzeichnete.

War das wirklich live?

Vorab berichteten viele Medien von einem Mega-Live-Streaming-Event, bei dem Musiker direkt aus ihren Schlaf- und Wohnzimmern in die Welt übertragen. Tatsächlich wurde das "One World: Together At Home"-Konzert auch als "Live"-Event beworben. Aber wirklich live war hier wohl nichts. Vielmehr wirkte das Ganze - inklusive der Songs, die gespielt wurden - wie ein großer Zusammenschnitt aus vorab aufgenommenen Videos. Besonders auffällig: Als die Rolling Stones "You Can't Always Get What You Want" spielten, hörte man die volle Bandbesetzung - doch die "Charlie Cam" zeigte einen Charlie Watts, der mit seinen Drumsticks nur grinsend in der Luft herumwedelte. Ansonsten wirkten alle Auftritte sehr glatt. Das Gefühl eines Live-Erlebnisses von historischer Dimension, wie es viele Zuschauer erwartet hatten, kam leider nicht auf. Echte Überraschungen oder Interaktion zwischen den vielen Stars gab es auch nicht. Im Live-Chat las man dazu zwischendurch auch irritierte Beiträge wie "Is this really live?" oder, etwas deutlicher: "Fake live!"

Werbung für Mega-Konzerne - muss das sein?

Es war keine klassische Werbung - aber Werbung war es am Ende eben doch. Zwischendurch waren bei "One World: Together At Home" immer wieder kurze Clips zu sehen, in denen großen Unternehmen gedankt wurde. IBM zum Beispiel, die Supermarkt-Kette Target, aber auch Pepsi wurden namentlich als Supporter genannt und mit einem "Danke" gewürdigt, was jedes Mal für einen etwas faden Beigeschmack sorgte. Und am Ende auch nur teilweise dem Geist der Veranstaltung entsprach: Die Mehrheit der vielen kleinen Unternehmen, die sich weltweit im Kampf gegen das Coronavirus engagieren, konnte zwangsläufig nicht mit einem "Danke" bedacht werden. Und so groß die Spenden von IBM oder Pepsi auch gewesen sein mögen: Auf diese Art von Werbung hätte man hier, wo es vor allem um all die "kleinen" Helden des Alltags ging, vielleicht besser verzichtet.

Was waren die Highlights?

Geht man nach den Live-Kommentaren, fieberte das weltweite Publikum während der langen acht Stunden vor allem zwei Stars entgegen: Billie Eilish und Taylor Swift. Global Citizen richtete auf dem eigenen YouTube-Kanal einen Live-Chat ein, in dem man neben aus aller Welt geposteten Smileys und Herzchen immer wieder Beiträge wie "Wann kommt endlich Billie?" oder "TAYLORRRR!!!" lesen konnte. Ihre großen Auftritte hatten die beiden Megastars erst unmittelbar vor dem Ende. Billie Eilish coverte (gemeinsam mit ihrem Bruder Finneas) den Bobby-Hebb-Klassiker "Sunny" und lieferte mit ihrer gefühlvollen Interpretation tatsächlich auch ein musikalisches Highlight. Ihr folgte im vorletzten Mini-Auftritt Taylor Swift mit ihrem Song "Soon You'll Get Better", wobei sie im Vergleich zu Billie Eilish jedoch ein wenig steif wirkte und blass blieb. Dann das große Finale: Lady Gaga performte in der Schalte gemeinsam mit John Legend, Pianist Lang Lang, Andrea Bocelli und Überraschungs-Gast Céline Dion "The Prayer". Ein würdiger Abschluss für ein am Ende zweifellos denkwürdiges Event.

One World: Together At Home

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Copyright: Global Citizen

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