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„Cuts“: Ein Podcast für alle, für die ein Film nicht einfach mit dem Abspann aufhört

Musikexpress-Logo Musikexpress 16.04.2020 Benjamin Freund

Begleitet von Kinoverknallten und Streamingnerds bespricht Christian Eichler jede Woche kleine und große Phänomene unserer Filmkultur. Ob Favela-Shooter oder Wagenknecht-Doku: Nie scheuen die Cinephilen ideologiekritische Zwischentöne.

„Cuts“ mit Christian Eichler © Bereitgestellt von www.musikexpress.de „Cuts“ mit Christian Eichler

Begleitet von Kinoverknallten und Streamingnerds bespricht Christian Eichler jede Woche kleine und große Phänomene unserer Filmkultur. Ob Favela-Shooter oder Wagenknecht-Doku: Nie scheuen die Cinephilen ideologiekritische Zwischentöne.

Wer kennt diese Szene nicht: Ihr verlasst das Kino, grübelt noch über den eben gesehenen Streifen, während die Clique schon wieder ausknobelt, zu welcher Dönerbude es nun gehen soll. Dabei habt ihr doch noch vor wenigen Minuten ein Stück Kinogeschichte er- oder überlebt. Das hat Euch zum Lachen, Weinen, Ekeln, Verzweifeln, Erschrecken oder Gähnen gebracht. Es rattert im Kopf. Aber warum ist das eigentlich so? In seinem Podcast „Cuts“ begibt sich Christian Eichler auf Spurensuche. Der Journalist schabt nicht nur an der Oberfläche von Blockbustern, sondern schneidet gemeinsam mit anderen Filmexperten tief in das Dispositiv Film.

Aus „Shots“ wurde „Cuts“

„Ich halte es da mit Friedrich Kracauer und denke, dass Filme ein Spiegel der Gesellschaft sind. Wir können so schön über Politik und gesellschaftliche Fragen anhand von zwei Stunden Kino diskutieren. Ich liebe dieses Projekt, deshalb mache ich es auch weiter“, sagt Christian Eichler vor der Premiere von „Cuts“.

Ein Jahr lang hatte Eichler den Podcast zuvor unter dem ähnlich schnittigen Titel „Shots“ und der Obhut des Netzradios „detector.fm“ produziert. Schon 2019 zankte er sich eifrig mit Freund*innen und Kolleg*innen über den Faschismus im „König der Löwen“, das Ende vom Popfeminismus oder das Unbehagen in der Kultur. Trotz des Zuspruchs, konnte das Projekt beim Onlinesender letztlich aus wirtschaftlichen Gründen nicht verlängert werden. Zum Jahreswechsel wurde „Shots“ beerdigt.

Die frohe Nachricht? Seither erfreut sich das Nachfolgeformat einer wachsenden Fangemeinde. Jeden Donnerstag wird in „Cuts“ unter Cinephilen über einen aktuellen Film geredet. Sobald dieser im Kino zu sehen oder er als Stream verfügbar ist, kann man sicher sein, dass er bereits von Christian Eichler und Co. gelobt, zerlegt und ganz sicher mit Wissenswertem verknüpft wurde. In nur wenigen Monaten ist „Cuts“ so zum kleinen Juwel unter den Film- und Serienpodcasts gewachsen.

Grund für den Erfolg könnte der Jahresrückblick sein: In zweieinhalb Stunden verhandelten Eichler und seine Gäste in einer Art Knockout-System über den besten Film des Jahres 2019. Vom Meisterstück „Parasite“, über „Porträt einer jungen Frau in Flammen“, bis hin zum mit Lob überschütteten Drama „Marriage Story“ und dem Endlos-Epos „The Irishman“ – alles wurde verglichen, die Gewinner, in die nächsten Runden gevotet. Daniel Schröckert vom YouTube-Kanal „Rocket Beans TV“, der Einzige in der Runde, der am ehesten ohne Krakauer- oder Sartre-Referenzen auskommt, zieht zum Schluss der Folge das Fazit über den Gewinnerfilm: „Der ist wirklich ein richtig tolles Gesamtpaket und nicht doof, sondern gleichzeitig unterhaltsam und mitreißend für viele Leute. Selbst wenn sie vielleicht nicht alles an Euren berühmten Dichtern oder Philosophen rezitieren können.“ Darauf können sich dann am Ende alle einigen.

Artikel im Original lesen auf www.musikexpress.de

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