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Prinz Harry spielt genau das Spiel, das er angeblich so verabscheut

WELT-Logo WELT 06.12.2022 Stefanie Bolzen
Ausschnitt aus der Netflix-Doku „Harry & Meghan“, die am 8. Dezember erscheint Quelle: dpa/Netflix © dpa/Netflix Ausschnitt aus der Netflix-Doku „Harry & Meghan“, die am 8. Dezember erscheint Quelle: dpa/Netflix

Bald drei Jahre ist es her, dass sich das Auge der Weltöffentlichkeit auf das schottische Sandringham richtete. In den königlichen Gemäuern verhandelten die Queen, der Prince of Wales und Prinz William den „Megxit“. Den Auszug von Prinz Harry und seiner Frau Meghan Markle aus „der Firma“, wie sich die Windsors nennen.

Drei Jahre später, und das Paar kann einfach nicht loslassen. Erst schlug im März 2021 das stundenlange Interview mit US-Starmoderatorin Oprah Winfrey ein. Dann folgte die Ankündigung, dass Prinz Harry Anfang nächsten Jahres eine Autobiografie, eine „ehrliche“ Aufarbeitung vorlegt. An diesem Donnerstag nun stellt Netflix die ersten drei Folgen von „Meghan & Harry“ auf seine Streaming-Plattform.

Seit Beginn der Woche veröffentlichte Trailer bergen so viel Sprengstoff, dass die Bewohner von Buckingham und Kensington Palace vermutlich ihre Schutzhelme aufsetzen. Rassismus, Intrigen, Kaltherzigkeit – alle Abgründe des menschlichen Miteinanders warten auf das globale Publikum, zusammengeschnitten in bester Hollywood-Dramatik.

„Wenn es um so viel geht – macht es dann nicht mehr Sinn, die Geschichte aus unserer Sicht zu hören?“, sagt Meghan vielsagend in die Kamera. Denn „es geht um Hass. Es geht um Rassismus“, souffliert ein Freund des Paars. „Es ist ein schmutziges Spiel“, fasst Prinz Harry zusammen.

Dieses Foto von Harry und Meghan, turtelnd, veröffentlichte Netflix vorab Quelle: dpa/Courtesy Of Prince Harry © dpa/Courtesy Of Prince Harry Dieses Foto von Harry und Meghan, turtelnd, veröffentlichte Netflix vorab Quelle: dpa/Courtesy Of Prince Harry

Worum es eigentlich geht, ist viel Geld und der Ehrgeiz der Herzogin und des Herzogs von Sussex, sich in ihrer kalifornischen Heimat als A-Promis, als blaublütige Obamas zu etablieren. Bisher ist das den beiden nur mäßig gelungen. Auch ihre Podcast-Projekte und Gutmenschen-Dokus verkaufen nicht.

Harry spielt das Pressespiel mit

Weshalb Prinz Harrys Lebensgeschichte herhalten muss. Zweifellos hat der Prinz Schmerz und Trauma erlitten durch die erbarmungslose Pressejagd auf seine Mutter und deren Unfalltod. Sein Wille ist verständlich, dass er seiner Frau und seinen Kindern ein solches Leben ersparen will.

Warum aber spielt er dann genau das Spiel, das er angeblich so verabscheut? Wenn die ruchlose Presse Grund allen Übels ist, warum füttert er sie jetzt ohne Unterlass? Und zerstört dabei neben den persönlichen Beziehungen zu seinem Vater und seinem Bruder auch seine einst so große Popularität in der Heimat?

Die Monarchie darf nie ihren Zauber verlieren. Er liegt darin, der Öffentlichkeit wenige, sorgsam kuratierte Einblicke zu gewähren. Das war die eiserne Regel von Elizabeth II. Prinz Harry und Meghan haben diese schon lange gebrochen. Sie tragen den royalen Zauber so lange zu Markte, bis aller Glanz abgeschabt ist. Was nicht mehr lang dauern wird, jede Geschichte ist irgendwann auserzählt. Zumal sich die beiden mit dem „Megxit“ selbst den Zugang zu neuem „Material“ genommen haben.

Auf der Beliebtheitsskala rangiert das Paar mittlerweile ganz unten, weder die Untertanen noch die Familie wollen es zurück im Königreich sehen. Das US-Publikum wird sich bald an der bitteren Saga sattgesehen haben. Die Frage, die sich Prinz Harry stellen muss, lautet deshalb: und was dann?

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