Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Wenn Liebe plötzlich mehr wert ist als Geld

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 28.05.2020 RP ONLINE

Düsseldorf. Ist „Are You The One?“ die vielleicht genialste Dating-Show, die das Privatfernsehen je schuf? Denn es wirkt, als sei es gerade der Reiz des Verbotenen, der zu überdurchschnittlich viel Gefühl und Verliebten führt.

Finde den Menschen, der perfekt zu dir passt, dann bekommst einen ganzen Batzen Geld. So lautet der Auftrag an die 20 Singles von „Are You The One?“. Eigentlich eine Win-Win-Situation. Blöd nur, wenn einige nicht mitspielen. Und wie reizvoll es auf einmal sein kann, sich nach ein paar Tagen Treue zu schwören, wenn man es eigentlich gar nicht darf – so geschehen bei Dominic und Melissa, die offiziell kein „Perfect Match“ sind, aber dafür „in Love“. Um das Geld abzugreifen ist das nicht besonders förderlich, vor allem, wenn alle anderen Männer Dominik ebenfalls ihre Treue schwören und dass sie Melissa ganz sicher nicht anbaggern. „Versprochen, Brudi“. Was ist da mit der Jugend los, mag man fragen. „Alle wollen nur Liebe - und keiner will mehr Geld“ (Zitat: Fortuna Ehrenfeld). Dabei geht’s doch eigentlich um etwas ganz anderes, nämlich um Rationalität: Ums Geld und darum, einen Menschen zu finden, der perfekt zu einem passt. Vorbestimmt ist - von einem Algorithmus und RTL-„Beziehungsexperten“. Da kann doch nichts schief gehen. Alles rational. Dabei macht es doch eigentlich den Reiz der Liebe es, die Irrationalität und die Zufälligkeit. Und ist „Are You The One?“ vielleicht gerade deswegen die genialste Dating-Show, die das Privatfernsehen je schuf? Denn es wirkt, als sei es gerade der Reiz des Verbotenen, der zu überdurchschnittlich viel Gefühl und Verliebten führt. Aber nicht nur das übergeordnete Ziel (Geld) verlieren die Singles schnell aus den Augen, sondern auch bei einfachsten Spielen. Unter dem Deckmäntelchen das perfekte Match zu erschnüffeln, ist Damenwahl: Die Männer warten oberkörperfrei wie Beutetiere an den Marterpfahl gebunden. Eins, zwei, drei - Go. Doch anstatt tatsächlich mal zu riechen, was da passen könnte, stürmen Aline und Ivana einfach los, schnappen sich den Erstbesten und holen sich das Date. Blöd nur, wenn man sich ausgerechnet den Typen ausgesucht hat, mit dem man schon mal in der Matchbox war wie bei Ivana und Mo. Kindergärtner und Moderator Jan, schickt seine orientierungslosen Schützlinge Ivana, Mo, Aline und Laurin auf Exkursion ins Aquarium. Betreutes Flirten, etwas Gemecker, Unzufriedenheit mit dem Ergebnis, doch Jan greift durch: „Ihr könnt auf mich sauer sein, aber ein bisschen ihr müsst auf euch selbst sauer sein.“ „Können wir noch mal spielen?“ „Nö. Tschö“ Trotz des tatsächlich semi-erfolgreichen Spiels ist die Stimmung gut – noch. Denn Laurin hat mit Ferhat noch ein Hühnchen zu rupfen (Hintergrund: Ferhat knutscht mit Madeleine, entscheidet sich dann in der Date Night für Aline). All das findet Laurin gar nicht gut. Und Ferhat? Der hat mittlerweile auch gemerkt, dass Aline kein Interesse an ihm hat und lästert erstmal pflichtbewusst, damit Laurin merkt, dass er geläutert ist (Welche Logik auch immer dahinter steckt). Warum muss er sie beleidigen, fragt sich Laurin nun. Und dann stellt er treffsicher fest: „Man muss auch merken, dass Aline an den Jungs ‚kratzt‘, weil sie sich darüber aufregen, dass sie bei ihr nicht landen können.“ Unwichtige Nebenhandlung, dieses klärende Gespräch, aber ein wichtiges Motiv in Dating Shows. Doch was viel bedeutender ist: Findet sich nun endlich ein „Perfect Match“? Oder stochern die liebeshungrigen Villa-Bewohner weiter blind nach bekanntem Beuteschema herum ohne was zu finden. Aline und Mo wurden in die Matchbox gewählt, beim Viererdate wurde einmal Bäumchen wechsel dich gespielt und so bekamen auch sie etwas Zeit zu zweit. So weit, so harmonisch, aber sind sie wirklich das perfekte Paar? Der Bildschirm im Kabuff sagt ja. Jubeln im Haus, ein bisschen Verwunderung und Fassungslosigkeit bei Aline und Mo. Zwangsverpartnert dürfen, können, müssen sie sich außerhalb der Villa kennenlernen. Drinnen hadert Ivana mit dem Ergebnis, obwohl Mo nicht ihr Match ist, hat sie Gefühle. Doch kurz vor der Matching Night kratzen die Kandidaten ihr analytisches Denkvermögen aus einer Ecke. Welche Paarungen wären taktisch klug? Am Ende gehen drei Strahler an: bedeutet noch zwei andere Perfect Matches - neben Mo und Aline - sitzen unwissend beieinander. Verhaltenes Klatschen, ja, haben wir gut gemacht – die gewonnene Erkenntnis bleibt jedoch für den Zuschauer im Dunkeln. Am Ende bleibt die Frage: Nach welchen Kriterien hat RTL da bitte entschieden, wer zusammenpasst? Und sind diese eingeblendeten Bauchbinden mit interessanten Fakten über die Kandidaten, wie „Kevin: Seine Exfreundin hat ihn mit seinem besten Freund betrogen“ mehr als das, nämlich versteckte Hinweise? Über allem der Gedanke: Ein bisschen weniger Gefühlsduselei und Liebesgeplänkel und mehr Zielstrebigkeit und Cleverness bei der Suche nach dem passenden Partner. Denn welche mehr oder weniger passenden Duos so zusammenfinden (könnten) ist unerwartet spannend. Ob alle Kandidaten das schaffen und tatsächlich die 200.000 Euro gewinnen, ist eher unwahrscheinlich. Folge 2: „Das ist ein Hähnchentanz“ Von Julia-Marie Schüßler Es gibt ja viele Serien, die erst nach ein paar Folgen die Binge-Watching-Funktion im Gehirn aktivieren: Game of Thrones, The Walking Dead, Haus des Geldes und so. Zur kurzen Erklärung: Binge-Watching meint, dass man eine Serie in einem durchschaut, ohne Pause. Da Qualität und Handlung aber so grandios sind, investiert der Zuschauer gerne Geduld und Zeit. Bei Trash-Formaten ist die Motivation dazu im Normalfall eher gering. Wer bei der neuen RTL-Kuppelshow „Are You The One?“ durchsteigen will, braucht aber eine große Portion davon. Der gemeine Trash-Liebhaber will: Niveaulosigkeit, einen Mangel an Intelligenz, nackte Haut, Tabubrüche. Das liefert „Are You The One?“. Allerdings in einem solchen Ausmaß, dass es weh tut. Es ist noch nicht einmal Fremdscham, die hier aktiviert wird. Das wäre ja schön, das würde amüsieren. Nein, es reicht nur für ein verständnisloses Kopfschütteln. Und was der Trash-Fan auch will: eine simple Handlung. Bei der Netflix-Serie „Finger Weg“, die „Are You the One?“ ähnelt, ist zum Beispiel klar: Hier wurden schwer vermittelbare Singles in ein Reservat gepfercht, sie sollen sich ohne knutschen, fummeln und Sex kennenlernen. Verstoßen sie gegen die Regeln, wird Geld von ihrem Gesamtgewinn abgezogen. Übergeordnetes Ziel also: Die wahre Liebe finden und als Belohnung gibt es noch Kohle obendrauf. Aber das gesamte Konzept von „Are You The One?“ erschließt sich dem Zuschauer auch nachdem zweiter TV-Ausstrahlung bei RTL nicht richtig. Geht es nun um Geld, um Liebe oder um beides? Melissa und Dominic stehen aufeinander, sie haben sich gefunden. Sie gehen Geparden streicheln, gemeinsam mit Sabrina und Laurin sowie Mo und Michelle. Dominic ist nach eigenen Aussagen nicht auf den Kopf gefallen, Melissa muss also sein Perfect Match sein. Auch Melissa ist sich sicher: Dominic muss für sie bestimmt sein. Nach den drei parallel abgelaufenen Dates entscheidet das Haus, welches Paar in die Match-Box muss. In der Box, die eigentlich ein Raum ist, erfahren die Kandidaten, ob sie nun wirklich bestimmt füreinander sind. Und siehe da: Melissa und Dominic sind laut der höchstqualifizierten Experten kein Perfect Match. Uff. Das ist natürlich jetzt ein Ding, gar ein Drama. Denn diese Experten-Meinung scheint ein Gesetz für alle 20 Kandidaten zu sein. Nur ihr Perfect Match kann der richtige Partner sein. So ein Quatsch. Kopfschütteln. Zum Glück haben Dominic und Melissa einen perfiden Plan. Sie wollen sich weiter kennenlernen, aber auch ihr Match finden, um Geld zu gewinnen. Da kann man nur den weisen Aleks zitieren: „Bist du verliebt, dann suchst du die Liebe, ganz klar. Oder du spielst das Spiel.“ Hätten Melissa und Dominic also Bock auf Liebe, würden sie nun einfach das Haus verlassen und sich draußen weiter beschnuppern. Aber sie wollen lieber beides. Der Trash-Zuschauer will, wie bereits gesagt, vieles – vieles aber auch nicht. Was er vor allem nicht mehr sehen will, ist dieses Fitness-Theater. Ständig sieht man in dieser Villa in Südafrika irgendjemanden in Leggings und BH rumhüpfen oder seinen Bizeps aufpumpen. Natürlich gibt es auch fortwährend Shakes. Auch hier kann man wieder nur den frisch frisierten Aleks zitieren: „Das ist ein Hähnchentanz“. Aleks kennt man übrigens von Love Island. Dort war er eher auf Bro- statt auf Frauensuche. Gleiches Verhalten legt er auch in diesem Format an den Tag. Langweilig. Böse Zungen im Haus behaupten daher, dass er nur noch mehr in die Öffentlichkeit will. Aleks will aber auch vor allem ein bisschen ansticheln. Aline findet er zwar eigentlich ganz hot, aber da sie sich ihm nicht anbiedert, spiele sie seiner bescheidenen Meinung nach natürlich ein falsches Spiel. Aline wirkt auch ein bisschen seltsam. Insbesondere deshalb, weil sie auf Aleks steht. Und vielleicht, weil sie sich mehrere Männer warmhält. Aber vielleicht ist das auch der Sinn des Spiels, denn man soll ja irgendwie als Frau unter diesen zehn grandiosen Männern sein Match finden. Nunja, man weiß es nicht. Zwei Frauen haben aber offenbar nach der zweiten Matching-Night den idealen Partner gefunden – leuchten doch zwei dieser bedeutungsstarken Flutlichter am Ende des Abends. Ferhat ist übrigens einer der Typen, der an Alines Angel hängt. Ferhat mag Wortwiederholungen und könnte sich auch perfekt mit Kleinkindern verständigen. Wie er es geschafft hat, sei einmal dahingestellt, aber er hat Madleine rumgekriegt. Madleine ist nämlich sehr sympathisch und auch nicht auf den Kopf gefallen – hier stimmt’s. Wildes Rumgeknutsche und Gefummel mit Ferhat unter der Bettdecke sind das Ergebnis – kurz unterbrochen von Kevins Interpretation des Michael-Wendler-Hits „Egal“. Doch was macht Ferhat bei der Matching-Night? Lässt seinen Kopf entscheiden. Keine gute Idee. Er wählt Aline. Das bereut er auch direkt wieder und kriecht bei Madleine zu Kreuze. Ob sie ihren anfänglichen Eindruck beim Zuschauer bestätigt, erfahren Trash-Fans aber erst nächste Woche – zumindest die, die die Motivation dazu aufbringen können. Folge 1: Zwischen „Diagnose Kevin“ und „Lebensziel Playboycover“ Von Tim Kronner Wenn der erste Satz aus dem Mund eines Kandidaten „Ich bin der Kevin“ lautet, spricht das nicht unbedingt für die Show. So geschehen beim neuen RTL-Kuppelformat „Are You the One?“, das ab Mittwochabend bei RTL und TVNow läuft. Darin wollen die Sendungsmacher den Anschein erwecken, sie hätten für diese neue Auflage des trüben Single-Wechsel-Dich so etwas wie einen wissenschaftlichen Hintergrund gefunden. Doch diese Show hat mit Wissenschaft wahrscheinlich genauso viel zu tun wie der Vorname Kevin. Kurz zum Konzept von „Are You the One?“, zu Deutsch „Bist du der/die Richtige?“: Je zehn männliche und weibliche Singles werden nach Südafrika gekarrt, um dort ihren perfekten Partner zu finden. So wirklich die freie Wahl haben sie aber nicht, denn im Vorfeld haben „Experten“ festgelegt, welche Single-Dame oder welcher Single-Mann am besten zu ihnen passt. Die Anführungszeichen bei „Experten“ sind übrigens kein Versehen. Zu ihren Erkenntnissen sind die unter anderem dadurch gekommen, dass sie Familie und Freunde ausgequetscht haben. Sehr wissenschaftlich. Auf der Suche nach ihrem „Perfect Match“ spielen und flirten sich die Singles durch die Sendung. Es bilden sich die ersten Pärchen und in regelmäßigen Abständen erfahren die Kandidaten, ob es sich beim Partner um den Einen oder die Eine handelt. Wenn nicht, heißt es weitersuchen. Denn bei alledem geht’s natürlich nicht nur um die Liebe, sondern auch um Geld. Nur, wenn alle Singles ihr „Perfect Match“ finden, bekommen die Kandidaten am Ende der Show die Siegprämie von 200.000 Euro. Und damit zurück zu Kevin, der „auf jeden Fall ein Zwinker-Typ“ ist, wie er sagt. Er betritt als erster Kandidat die Luxus-Villa in Kapstadt. Die erste Single-Dame, die folgt, ist Aline aus Köln. Wie Kevin die so findet? „Ich kann jetzt schon sagen: Es gibt auf jeden Fall die richtige Butter fürs Brot." Alles klar, Kevin. Aline ringt derweil übrigens genauso um die passenden Worte. Denn ihre Traumvorstellung von einem Mann sieht so aus: „Ich bin im Supermarkt, ich komme an das Paket Zucker nicht dran, und der Mann hilft mir.“ An sich ja eine nette Sache. Nur was macht sie dann im Kuppel-TV? Was die anderen Kandidaten ausmacht, lässt sich auf den ersten Blick relativ kurz, ja sogar in einem Wort zusammenfassen. Für die Frauen lautet das Codewort „Make-Up“. Wem ein Wort als Beschreibung nicht ausreicht, der kann sich als zweites Merkmal noch „Dekolletee“ dazu denken. Bei den männlichen Kandidaten genügt dann aber wirklich ein Wort für den ersten Eindruck: „Muskeln“. Über diese Reduzierung kommt nicht mal Philosophie-Student Axel hinaus. Denn der meint über sich und sein ausgeprägtes Kreuz: „Es gibt keinen Philosophen, der breiter aufgestellt ist als ich.“ Tiefsinnig kann er. Genauso ausgefallen ist die erste „Challenge“, die den Singles beim Finden ihres perfekten Partners helfen soll. Bei „Die richtige Ballons“ (ja: Ballons, nicht Balance…) stehen auf großen Tafeln verschiedene Lebensziele der Frauen. Die zugehörigen Fotos sind aber mit einem Ballon verdeckt. Die Männer müssen sich für ein Lebensziel entscheiden, das sie besonders anspricht und den Ballon darunter mit Pfeil und Bogen zerschießen. Da wären zum Beispiel „In die USA auswandern“, „Eine Strandbar eröffnen“, „Auf dem Playboycover sein“ oder „Einen eigenen Streichelzoo besitzen“. Wer als erster trifft, gewinnt ein Date mit seinem „Ziel“. Das Problem: Die Männer haben anscheinend zu viel Bizeps trainiert, es trifft einfach keiner. Doch dann das: Rene will auf gar keinen Fall die Dame auf dem Playboycover, sondern am liebsten die Frau mit dem Streichelzoo. Doch sein Geschoss landet komplett grobmotorisch geschossen natürlich auf dem Playboy-Ballon. Dabei hätten die Tafeln wirklich nicht weiter voneinander entfernt stehen können. Er zieht eine Schnute und auch die vom Pfeil getroffene Laura ist nicht so richtig happy über das Date mit diesem Mann. Da hat die erste Kuppel-Idee der Sendungsmacher ja schon mal voll ins Schwarze getroffen – bravo! Die anderen ähnlich erfolglosen wie peinlichen Flirtversuche überspringen wir an dieser Stelle mal. Stattdessen gibt’s für alle, die bis hierhin durchgehalten haben, noch mal einen echten Kevin-Moment zum Abschluss. Er unterhält sich mit Kathi über den Möhnesee im Sauerland. Da waren sie beide schon – Kevin findet‘s „krass krass“. Warum erklärt er auch gleich: „Ey guck mal, wir sitzen gerade hier in Südafrika in Kap-Town, und unterhalten uns darüber. Daran merkt man, wie klein die Welt ist.“ Naja. Da hat unser Kevin kurz mal vergessen, dass die beiden sich nicht zufällig als Touris in Kapstadt über den Weg gelaufen sind, sondern in einer deutschen TV-Produktion. Kevin fühlt sich von der Bürde seines Vornamens übrigens totzdem auf keinen Fall belastet. Er sagt: „Es gibt Leute, die heißen so und es gibt Leute, die sehen so aus.“ Tja, und auf manche trifft wohl beides zu.

Mehr von RP ONLINE

Erneute Partnersuche im Fernsehen

Das beste Anti-Trash-Format

Lukas Kepser und die Debüt-Single

| Anzeige
| Anzeige

RP ONLINE

| Anzeige
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon