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Patente: Vergessene Schätze

SPRECHER: Ich kann sie flüstern hören: die Patente, auf den Gedankengängen des Patentamts. Sie erzählen Geschichten von Geistesblitzen, Geniestreichen, Gehirnschmalz. Von Ideen, die die Welt veränderten, Erfindungen, die die Forschung revolutionierten. Innovation als Inspiration – für noch mehr Innovation. KARSTEN KAUFFMANN (Deutsches Patent- und Markenamt): Jede Idee, jede Erfindung zieht ja weitere Erfindungen nach sich. Denken Sie an den Übergang von der Kutsche zum Automobil. Jetzt sind wir dabei, da den nächsten Innovationsschritt zu machen, dass alternative Antriebe gesucht werden. Und wir werden das erleben, wenn die Elektroautos auf der Straße fahren – mit Akku betrieben, mit Brennstoffzelle betrieben – dass diese Antriebe dann auch weiterentwickelt werden und so wieder neue Erfindungen nach sich ziehen. SPRECHER: Aber nicht alle Patente wurden zur Erfolgsgeschichte. Mit manchen ließ sich kein Geld verdienen. Andere überholte der Fortschritt. Und wieder andere sollten nur die Forschung der Konkurrenz blockieren. Abgestempelt, alleingelassen, liegen sie jetzt hier herum, jahrzehntelang – und seit sieben Jahren auch EP1625415. Dieses Patent zum Beispiel gehört der Deutschen Telekom. Es geht dabei um ein Verfahren zur Nutzung von Ortungsdaten. Bestimmt ’ne gute Idee, aber das Unternehmen nutzt sie nicht. Heißt das jetzt, dass das die Endstation ist für dieses Patent oder bekommt es doch noch ’ne zweite Chance? TIM POHLMANN (Geschäftsführer IPlytics): Es gibt Patente, die brauchen diese zweite Chance – oder vielleicht sogar ’ne dritte, ’ne vierte Chance. SPRECHER: Tim Pohlmann hat ein Herz für ungenutzte Patente. Klar, schließlich verdient er mit ihnen sein Geld. Sein Startup IPlytics nimmt alle Patente – ob genutzt oder ungenutzt –, speist sie in eine riesige Datenbank ein und visualisiert sie. Und die Kunden zahlen dafür. Hier etwa die Patentanmeldungen von Google, Microsoft und Apple im Vergleich. Aber können die Unternehmen so was nicht selbst machen? TIM POHLMANN: Es geht immer mehr darum, Patente zu verstehen. Wir messen fast 100.000 neue weltweite Patentanmeldungen im Monat und die kann keiner mehr lesen. Und dafür braucht man ’ne Software, die diese Patente intelligent ausliest, versteht, was inhaltlich in den Patenten steht, und dann aber auch feststellen kann: Ist das eigentlich relevant, ist das wertvoll? SPRECHER: Das wollen vor allem Kunden aus forschungsintensiven Branchen, etwa IT-Unternehmen. Mit Pohlmanns Datenanalyse können sie die Erfindungen der Konkurrenz im Blick behalten. Und sie können die ungenutzten Patente aus dem eigenen Haus wiederfinden. Die können sie dann entweder verkaufen oder lizensieren. Gibt es also doch noch Hoffnung für unser bislang ungenutztes Patent? Wir finden es auf der Plattform von IPlytics. TIM POHLMANN: Aufgrund dieser Informationen, diesem wirklichen Inhalt des Patentes, berechnet jetzt das Tool, ob es in dem Bereich ähnliche andere Patente gibt, ob sich da Unternehmen tummeln, die in dem Bereich auch schon was machen, weil das sind natürlich jetzt meine potenziellen Käufer. SPRECHER: Unser Patent ist eine Technologie, die Standortdaten auswertet und daraus Vorhersagen trifft. Das wäre auch was für Gamedesigner, die wissen wollen, wo Spieler sich hinbewegen, oder Automobilunternehmen, die an selbstfahrenden Autos forschen und Fahrtziele berechnen. TIM POHLMANN: Das ist natürlich ’n positives Signal, dass ich jetzt verstehen kann: Okay, in einen [einer] der Branchen könnte ich das Patent platzieren. Ich könnte es lizensieren an die relevanten Unternehmen und könnte damit das Patent ... dem Patent die zweite Chance geben, es weiter zu kommerzialisieren. SPRECHER: Kommt doch noch groß raus. TIM POHLMANN: Kommt doch noch groß raus – vielleicht anders, als der Erfinder sich das je vorgestellt hat. Aber es bekommt vielleicht ’ne ganz andere Anwendung. SPRECHER: EP1625415 hofft also auf eine zweite Chance. Und die verspricht Tim Pohlmann auch allen anderen ungenutzten Patenten. Vielleicht finden sie also doch noch aus dem Patentamt in unseren Alltag. Eine gute Idee bleibt eine gute Idee. Man muss sie nur festhalten.
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